Erfolgsprojekt

28. März 2014 06:00; Akt: 28.03.2014 15:22 Print

«Ich wollte, dass mein Kind stolz auf mich ist»

von Paula Jezkova - Amie Basel unterstützt junge Mütter ohne Berufsausbildung und hilft ihnen in allen Lebensbereichen. 128 Frauen fanden bereits eine Lösung – zwei von ihnen erzählen.

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Junge Mütter sind vor die Herausforderung gestellt, ihr Kind zu erziehen und einen Beruf aus zu üben. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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In Basel-Stadt gibt es etwa 150 Mütter im Alter von 16 bis 30 Jahren, die keine berufliche Grundbildung haben und von der Sozialhilfe leben. Diese jungen Frauen stehen vor der Herausforderung, den Berufseinstieg und die Erziehung ihrer Kinder unter einen Hut zu bringen. Aus diesem Grund hat der Gewerbeverband Basel-Stadt 2007 das Projekt Amie – Berufseinstieg für junge Mütter ins Leben gerufen.

Das Projekt hat 2012 eine externe Evaluation durch das Marie-Meierhof-Institut für das Kind in Auftrag gegeben. Der aktuelle Bericht zeigt nun auf, dass drei von vier Teilnehmerinnen den Kurs abschliessen. Knapp die Hälfte der Absolventinnen besitzt nach dem Kurs eine Lehr- oder Arbeitsstelle. So wurden in den letzten sieben Jahren 128 junge Frauen von Amie dabei wurden erfolgreich unterstützt, eigenständig und unabhängig zu werden.

Amie fungierte als Lebens- und Berufsberatung

Viele der jungen Mütter fühlten sich aufgrund ihrer frühen Schwangerschaft ins Abseits manövriert und hilflos. «Ich fühlte mich, als ob die Leute in meiner Umgebung auf mich herabschauen. Sie taten, als würden sie alles besser wissen. So kam es, dass ich mich nach aussen hin abschottete», erzählt Amie-Absolventin Jeannine Marti (27). Sie wurde mit 20 Mutter und versuchte zunächst eine KV-Ausbildung zu machen, was nicht klappte. Sie wurde dann durch das Sozialamt zu Amie vermittelt. «Man half uns, unser Selbstvertrauen wieder aufzubauen und uns selber besser zu verstehen. Amie fungierte als Lebens- und Berufsberatung. Durch Workshops lernten wir, dass es gut ist so zu sein, wie man ist.»

Weiter erhielt Marti Unterstützung bei der Berufswahl: Ihr wurde abgeraten als Büroassistenz zu arbeiten. «Man sagte mir, dass ich nicht ins Büro gehöre.» Dies konnte Marti zunächst nicht glauben, sie machte dann aber eine Schnupperlehre in einer sozialen Einrichtung. Später machte sie dort auch ihr Praktikum. Heute arbeitet sie dort und absolviert die Berufsfachschule. «Ich habe das Ganze für meine Tochter gemacht. Ich wollte, dass sie stolz auf ihre Mama sein kann», sagt sie heute.

Die Eintrittskriterien sollen möglichst tief sein

Um bei Amie dabei sein zu können, müssen die Mütter gewisse Kriterien erfüllen. «Sie sollten bereits Deutschkenntnisse besitzen, sehr motiviert sein und die obligatorische Schule abgeschlossen haben», erklärt Projektleiterin Franziska Reinhard. Sie begleitet die jungen Frauen während eines Jahres. «Der schönste Moment ist, wenn es die Frauen geschafft haben. In diesen zwölf Monaten lernt man sich gut kennen und bekommt ihre Entwicklung mit.»

Zurzeit besucht auch Souen Ursule (26) den Kurs. Mit 16 brach sie die Schule ab und zog für einige Jahre in die Karibik. Als sie wieder in die Schweiz zurückkehrte, holte sie ihren Schulabschluss nach. Vor zwei Jahren wurde sie Mutter und musste ihre damalige Tanzausbildung ebenfalls abbrechen. Von einer Freundin erfuhr sie über das Projekt: «Ich bin sehr glücklich, dass ich zu Amie kam, denn ich habe viele andere Mütter kenne gelernt, mit denen ich mich austauschen kann.»

Die «Amie-Mamis» seien für einander da und man helfe sich gegenseitig. Ursule hat dank dem Kurs eine Lehrstelle als Bekleidungsgestalterin gefunden. «Ich habe schon immer gerne mit Textilien gearbeitet und Kleider genäht. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass ich nächsten August eine Lehre in diesem Beruf anfangen würde.» Später möchte Ursule vielleicht auch die Berufsmatur nachholen, um studieren zu können. Bei Amie habe sie gelernt, sich selber helfen zu können. Die junge Mutter ist sich sicher: «Man muss es nur wirklich wollen, dann kann man es auch schaffen.»