Meret-Oppenheim-Hochhaus

02. November 2019 20:01; Akt: 03.11.2019 12:35 Print

«Ist das Kunst oder kann das weg?»

Kaum ein Gebäude in Basel polarisiert zurzeit mehr als das neue Meret-Oppenheim-Hochhaus. Ein Vorher-nachher-Bild auf Facebook hat eine hitzige Debatte entfacht.

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«Gewisse Dinge kann man einfach nicht schönreden», kommentiert ein Facebook-User zwei Vergleichsfotos, die Urs Aeberhard in der Gruppe Verschwundenes Basel gepostet hat. Andere meinen sogar: «Grässlich, es ist verschandelt» oder: «Himmeltraurig, dass sowas bewilligt wurde.» Doch wovon ist hier eigentlich die Rede und worüber beschwert sich der Grossteil der über vierzig Kommentierenden?

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Auf den Fotos ist der Ausblick der Liegenschaft Centralbahnparkplatz 6 Richtung Gundeldinger-Quartier und Bruderholz zu sehen. Einmal mit und einmal ohne Meret-Oppenheim-Hochhaus. Das Gebäude der Stararchitekten Herzog & de Meuron gibt Anlass zu viel Aufregung. «Ist das Kunst oder kann das weg?», kommentiert jemand. Ein anderer meint ironisch: «Schöne Aussicht, pfui!»

Ist das Gebäude zu dunkel?

Viele stören sich in erster Linie an der dunklen Erscheinung des Hochhauses. «Die sollen das bunt machen! Wir sind nicht im Krieg!», schreibt einer. Lukas Gruntz, Betreiber des populären Blogs Architektur Basel, hat dafür Verständnis. «Der graue Farbton unterstützt das prägnante Erscheinungsbild des Hochhauses», sagt der Kritiker und Architekt. Auch er finde, dass es, je nach Tages- und Lichtsituation, von Norden her betrachtet, beispielsweise vom Aeschenplatz, etwas dunkel wirke. «Von dieser Ansicht ist die Fassade meistens beschattet», so Gruntz.

Eine Facebook-Userin scheint eine andere Idee zu haben: «Ich habe bei dem Ding immer Lust auf Farbbeutel.» Ein anderer nimmt die Beschwerden schon fast als kreative Aufforderung auf: «Ich entnehme den Kommentaren, dass die Allgemeinheit mehr Graffitis in Basel wünscht?», schreibt er neckisch.

«Beim Eiffelturm herrschte auch Entrüstung»

Dies wird wohl aber nicht der einzige Grund der Aufregung sein. «Anders als beim Roche-Turm ist die Debatte grösser, weil hier im Gundeli und beim Bahnhof mehr Leute im Alltag vorbeigehen und somit mit dem Bau direkt konfrontiert werden», erklärt Gruntz. Es sei ein kräftiges, skulpturales Gebäude, an das man sich erst einmal gewöhnen müsse.

Es bedeute auf der Seite des Gundeli einen städtebaulichen Massstabssprung. «Klar ist das ein etwas unpräziser Vergleich, aber auch beim Eiffelturm herrschte während und nach dem Bau grosse Entrüstung, heute kann man sich Paris kaum mehr ohne den Turm vorstellen», so Gruntz.

Muss ein Gebäude «allen» gefallen?

«Auch wenn das Meret-Oppenheim-Hochhaus schon länger ein Thema ist, das die Gemüter bewegt, kann es bei zeitgenössischer Architektur nicht darum gehen, sich einem baukulturellen Mainstream anzubiedern», findet Gruntz. Die städtebauliche Aufgabe sei, die überbaute Fläche optimal zu nutzen und in Basel mehr Wohnraum zu bieten.

Im Moment herrsche ein regelrechter Boom in Basel, wenn es um das Bauen von Hochhäusern gehe. Auch wenn das Meret-Oppenheim-Hochhaus stark diskutiert wird und er eine konstruktive Debatte darüber begrüsse, spreche in diesem Fall viel für das Hochhaus als solches. So zum Beispiel die Lage am Bahnhof, die für Pendler ideal sei.

Auch wenn er die nostalgischen und romantischen Emotionen im Zusammenhang mit dem Foto aus dem Jahr 1988 verstehe, findet Gruntz, man solle die grossen Zusammenhänge betrachten. «Für mich ist das Hochhaus Ausdruck von Wachstum und Erfolg Basels.»

Und welche Aussicht gefällt Ihnen besser?

(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andrés Sinaola am 02.11.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacksache

    Finde es auch nicht schön. Und nur weil es von Herzog und De Meuron ist, wird es auch nicht besser. Ich frage mich, ob die ''Löcher'' einen Sinn haben. Kann man da drauf chillen? Oder ist es zwecklos? Weil grusig UND zwecklos wär ja wirklich doof.

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  • Res am 02.11.2019 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    das mahnmal basels

    in welcher depressiven phase müssen die herren HdM gewesen sein?

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  • Ursula Epting am 02.11.2019 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal

    Einfach nur schrecklich was aus unserem Basel gemacht wird.......

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna am 03.11.2019 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kaum Eleganz aber immerhin ein Hochhaus

    Ich begrüsse grundsätzlich jedes Hochhaus in Basel! Dieses hier ist jedoch nur von innen schön.

  • Kaa73 am 03.11.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wände in grüner Bepflanzung?

    Wie müssen ja, zwecks Platzmangel, in die Höhe bauen. Das ist ja ok, doch weshalb man nicht an den Fassaden mit mehr Grün/Bepflanzung arbeitet versteh ich nicht. Das gibts in vielen anderen Grossstädten schon lange, wär also nix Neues, was erst noch erfunden werden müsste. Aber hier in der CH schafft mans nicht, hm....

  • Tessiner Aerztin am 03.11.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel was wird aus Dir?

    Ich habe 15 Jahre in Basel gelebt, bin seit 2010 weg und jedes mal, wenn ich zurückkomme, kann ich die tolle Stadt, in der ich 1995 anfing zu studieren nicht mehr erkennen. Kaum mehr bezahlbares Lebensraum, anonyme Innenstadt dafür tonnenweise elitäre Betonklötze... Schade...

  • Die Pessimistin am 03.11.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    CHÜNGELISTALL

    Chüngelistall - eher als nicht für künftiges Wohnen ohne Wohneigentum. Da lebe ich lieber in einer Höhle.

    • Donna am 03.11.2019 19:29 Report Diesen Beitrag melden

      Eben nicht!

      Das Haus ist von innen alles andere als ein Chüngelistall. Es hat dort sehr, sehr schöne Wohnungen! Auch wenn es von aussen nicht so aussieht.

    • Nein am 03.11.2019 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Donna

      SICHER SUPER AUSSICHT....Auf die Bahngleise :(. ... und die Exoten die immer beim Bahnhof herumhängen mmhhhh NEIN WILL ICH NICHT

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  • Nationless am 03.11.2019 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Üble Klötze

    Die Hochhäuser welche in der Schweiz gebaut werden sind meist üble kantige Klötze, aus Glas, Beton/Stahlskelette, raumhohen Glas/Kunststofffassaden Blechlamellenfassaden mit Horizontal verschiebbaren Lamellenstoren. Das ist doch üble Architektur. Nur so etwas in der Form wie die Rochetürme, das bewachsene Hochhaus in Rotkreuz oder gewisse Hochhäuser im Limmat und Glattal ausser jenes neben dem Glattzentrum zeugen von guter Architektur. Schöner wären mehr gemauerte Stein/Klinker/Keramikfassaden mit Balkontröge und Erkern.