Gewalt in Basel

12. November 2019 04:52; Akt: 13.11.2019 13:28 Print

«Ab Mitternacht ist hier fertig lustig»

Basel hat die höchste Dichte an Gewalttaten aller Schweizer Städte. Ein Kamerateam des SRF hat zwei Jugendpolizisten auf Streife in der Stadt begleitet.

SRF hat sich an die Fersen von Basler Jugendpolizisten und einem Ex-Schläger geheftet, um zu ergründen, warum Basel so gewalttätig ist. Der «DOK» wird am 21. November um 20.05 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt. (Video: SRF)
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12,6 Gewaltdelikte pro 1000 Einwohner im Jahr 2018. Dieser Wert beschert Basel den Titel Gewalttätigste Stadt der Schweiz. In dieser Disziplin ist Basel Serienmeister, ein Titel, den die Stadt nur zu gerne abgeben würde. Der «DOK» von SRF hat sich diesem Phänomen nun angenommen und hat unter anderem Tosca Stucki und Jan Wildhaber von der Jugendpolizei auf ihren nächtlichen Patrouillen auf Basels Strassen begleitet.

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Das sind die gewalttätigsten Städte der Schweiz. (Grafik: 20 Minuten / Daten: Bundesamt für Statistik)

Das Kamerateam war nah am Geschehen, auch als auf dem Basler Theaterplatz plötzlich die Fäuste flogen. «Wer eine Schlägerei sucht, der findet sie», heisst es im DOK. Die Reporter gingen mit Ajrim Wüst, einem Rapper und ehemaligen Schläger, auf den Theaterplatz. Hier ist im Sommer bis in die frühen Morgenstunden Party. Junge Erwachsene trinken, kiffen, feiern. «Ab Mitternacht ist hier fertig lustig», sagt ein junger Mann auf dem Platz. «Je später der Abend, desto eher fangen die Schlägereien an», sagt auch Jugendpolizistin Stucki.

«Die Gewalt ist intensiver heute», sagt Jugendpolizist Jan Wildhaber im Dok. Man greife rascher zu Gegenständen. Mit seiner Kollegin sucht er den Hotspot Theaterplatz pro Abend drei bis vier Mal auf. «Den Puls fühlen», nennt Stucki das. Die beiden sind in Freizeitkleidung unterwegs und pflegen einen direkten und niederschwelligen Kontakt zur Jugend. Sprechen mit ihnen auch über deren Alltag, Schule, Lehre und wo der Schuh sonst so drückt.


Gewalt vor dem Club am 17. März 2019. Das ganz normale Wochenende am Basler Ausgeh-Hotspot Heuwaage. (Video: Leser-Reporter)

«Es ist schon fast wie im Zoo», sagt Ajrim, der geläuterte Gewalttäter. Zu gewissen Zeiten könne man hierhin kommen und wisse, es knallt. Zwischen Heuwaage und Theater, einer Basler Ausgehmeile, ist die Polizei praktisch im Dauereinsatz.

Aber warum kippt die Stimmung so oft in Gewalt? Geht es um Macht, Ehre und Frauen? Oder ist es eine gewalttätiges Messen, bei dem es um Nationalitäten oder Geld geht, wie Ajrim vermutet. Klar ist, praktisch immer sind Alkohol und Drogen im Spiel. Je mehr, desto weniger Impulskontrolle. «Alkohol erhöht das Risiko, dass man zum Täter oder aber auch zum Opfer wird», sagte die Leitende Jugendanwältin Verena Schmid in einem früheren Artikel zum Thema gegenüber 20 Minuten.

Der «DOK»: ‹Bedrängt. Bedroht. Geschlagen – Alltägliche Gewalt auf der Strasse›, wird am 21. November um 20.05 Uhr auf SRF 1 gezeigt.


Gewalttätige Szene nach einem Raub im Kleinbasel im Sommer 2018. Die Szene taucht auch im SRF Dok auf. (Video: Youtube/CrapTV)

(lha)