Das Wunder von Reigoldswil

07. März 2011 15:59; Akt: 07.03.2011 16:15 Print

«Joëls Trainingsgelände ist sehr brüchig»

Der 18-Jährige, der wie durch ein Wunder zwei Nächte im Wald überlebte, liegt immer noch schwer verletzt im Spital. Gefunden hat ihn Sabine Schaffner. Sie kennt sein Trainingsgelände ganz genau.

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Joël G. trainierte oft und war deshalb sehr fit. (Bild: Kapo BL)

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Er ging joggen und kehrte nicht mehr zurück. Unglaublicherweise überlebte Joël G. schwer verletzt zwei eiskalte Nächte in einem Wald in Reigoldswil BL. Dann, am Freitag, 4. März, fand ihn Sabine Schaffner auf dem Waldboden. Seither liegt der 18-Jährige mit Kopfverletzungen auf der Intensivstation. Über seinen Gesundheitszustand gibt es keine offiziellen Angaben, er soll aber weiter kritisch sein. Meinrad Stöcklin von der Kapo Baselland sagt dazu heute Montag: «Er liegt schwer verletzt im Spital, wir konnten ihn noch nicht befragen.» Das habe aber auch keine Dringlichkeit, wichtig sei, dass der Jugendliche möglichst rasch gesund werde.

Joël G. lag etwas unterhalb einer Felswand in der Nähe des Wohnhauses von Sabine Schaffner und nur rund einen Kilometer von seinem Elternhaus entfernt. Die Gemeinderätin fand ihn neben einem Zufahrtsweg zu ihrem Haus. Sie alarmierte die Rettungskräfte, die Rega flog ihn sofort ins Spital. «Seine Verletzungen lassen darauf schliessen, dass er gestürzt ist», sagt Schaffner. Schrammen und eingetrocknetes Blut deuteten darauf hin. Schaffner war früher Pflegefachfrau und weiss laut eigenen Aussagen, wovon sie spricht. Gemäss Schaffner war Joël G. den Umständen entsprechend nicht allzu stark unterkühlt. Das bedeute, der 18-Jährige sei sehr fit gewesen.

«Die Kalkzunge ist brüchig»

In Form soll sich der Reigoldswiler unter anderem für den Strongman gebracht haben, der Ende März in Thun durchgeführt wird. Mehrere Jugendliche in der Gegend sollen die Sportart «Quärä» ausüben, was dem Trendsport Parkour ähnlich ist, aber statt in der Stadt, im Gelände ausgeführt wird. Dabei geht es darum, möglichst direkt von A nach B zu kommen, indem man alles überwindet, was im Weg steht.

Schaffner, die Joël G. vom Hallosagen kennt, weiss, wie das Trainingsgelände aussieht, wo der Unfall geschah. «Es hat dort eine Kalkzunge», sagt Schaffner. Ein Weg führe hindurch. Es gebe immer wieder Einschnitte in der Formation. «Das Material ist brüchig, die Felsvorsprünge zerklüftet.» Schaffner kennt die Gegend wie ihre eigene Westentasche, weil ihre Kinder dort oft spielten. Für sie ist vorstellbar, dass Joël auf brüchigem Material eingebrochen und abgestürzt ist. Jetzt hofft die 49-jährige Retterin, dass es ihm bald besser geht.

Polizei und Feuerwehr im Grosseinsatz

Von Joël G. fehlte seit Mittwochabend (2. März) jede Spur. Er war kurz nach 17 Uhr zum Joggen gegangen. Der junge Mann wollte um 18.30 Uhr zum Abendessen wieder zuhause sein. Nachdem er allerdings nicht zeitig nach Hause kam, schlugen die Angehörigen gegen 22.30 Uhr Alarm.

Mehrere Dutzend Angehörige der Polizei, die Feuerwehr und zahlreiche Privatpersonen suchten nach dem jungen Mann. Am Donnerstagabend wurde die Suchaktion abgebrochen, am Freitagmorgen fand ihn schliesslich Sabine Schaffner.

(feb)