Depression

09. Januar 2017 05:44; Akt: 09.01.2017 09:34 Print

«Liebe zu meinen Töchtern hielt mich am Leben»

Der Basler Andrea Käppeli litt lange an Depressionen. Heute ist er gesund und will mit seinem Projekt Trialog anderen Betroffenen helfen, mit der Krankheit umzugehen.

Andrea Käppeli erzählt über die Krankheit, die ihn fast das Leben kostete.
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Wie es ist, wenn eine komplette Leere den eigenen Körper übermannt, weiss der 52-jährige Andrea Käppeli nur zu gut. «Ich bin tagelang dagesessen, habe weder etwas gedacht noch gefühlt und nichts ist passiert», erzählt der Familienvater von der Zeit, als die Depression sein Leben bestimmte. Es sei schwer, einen spezifischen Auslöser für die Krankheit zu nennen. «Es gab nicht den einen Grund, sondern viele schwierige Umstände, die zu meinem Zusammenbruch geführt haben», erzählt der Fotograf von seinen dunkelsten Zeiten.

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Sein Alltag habe kopf gestanden. «Ich habe mich damals aus der beruflichen Not heraus selbstständig gemacht, führte eine belastende Beziehung, schlief nur noch drei Stunden pro Nacht und alles schien aus dem Ruder zu laufen», blickt er zurück. «Es war eine Kombination aus klaustrophobischen Zuständen.»

Stammgast beim Arzt

Obwohl er gemerkt habe, dass mit ihm körperlich etwas nicht in Ordnung war, konnte ihm der Hausarzt keine vernünftige Diagnose stellen. Undefinierbare Schmerzen plagten ihn Tag und Nacht. «Ich war Stammgast bei meinem Arzt», sagt der 52-Jährige heute. Die Diagnose Depression habe für einen kurzen Augenblick Licht ins dunkle Dasein gebracht. «Zu wissen, an was ich leide, brachte Klarheit», erzählt er.

Daraufhin folgte ein halbes Jahr Klinikaufenthalt, die härteste Zeit in Käppelis Leben. «Nur die Liebe zu meinen beiden Töchtern und das Wissen, dass ich ihnen gegenüber die Verpflichtung habe, zu leben, war stärker als mein Wunsch, mich umzubringen», sagt er heute.

Seminar auf Augenhöhe

Heute gehe es ihm gut: «Meine Lebensqualität ist besser als je zuvor», so Käppeli über seinen Zustand. Um andere Betroffene zu unterstützen hat er das Herzensprojekt Trialog ins Leben gerufen: Ein Seminar für Menschen mit Depressionen, Angehörige und Fachpersonen. «Auf Augenhöhe können sich alle untereinander austauschen und so von den Erfahrungen profitieren, die andere gesammelt haben», erklärt Käppeli. Denn Betroffene fühlten sich oft allein gelassen.

Es handle sich dabei jedoch weder um eine Therapie- noch um eine Diagnostiksitzung. «Dafür sind wir nicht zuständig. Aber Trialog soll Augen für die jeweis andere Erlebensweise öffnen und heilende Verhaltensänderungen thematisieren», so Käppeli.

Im März startet das Angebot im Basler Zentrum Selbsthilfe. Anmeldungen erfolgen via Mail.

(jd)