Langer Schulweg

22. Mai 2019 04:43; Akt: 22.05.2019 09:44 Print

«Mein Sohn versteht die Welt nicht mehr»

Obwohl Fabio* (6) direkt neben einem Primarschulhaus wohnt, soll er eine rund einen Kilometer entfernte Schule besuchen. Sein Vater legte gegen die Einteilung Rekurs ein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit zwei Jahren überquert Fabio* (6) die Hauptstrasse und einen Tramübergang, um in den Kindergarten zu gelangen. Seit einem Jahr schaut er sehnsüchtig zum Schulhaus Donnerbaum in Muttenz, das er von seinem Fenster aus sehen kann und das in der unmittelbaren Nachbarschaft liegt.

Dort geht sein grösserer Bruder zur Schule. Fabio freut sich, bald einen einfacheren Schulweg zu haben und mit seinem Bruder und anderen Kindern aus dem Quartier zur Schule gehen zu können.

Doch das wird nicht passieren: Fabio wurde einem Schulhaus zugeteilt, das in der Nähe seines Kindergartens liegt. Die 20 Minuten Schulweg, die Überquerung der Hauptstrasse und des Tramübergangs bleiben Teil seines Alltags. «Mein Sohn versteht die Welt nicht mehr», sagt Fabios Vater, der gegen den Entscheid Rekurs eingelegt hat.

Die Verfassung regelt, was zumutbar ist

Die Schulzuweisung erfolge nicht willkürlich, erklärt Marianna Hersche, Leiterin der Primarstufe Muttenz: «Bei der Schuleinteilung müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. Es handelt sich dabei um einen komplexen Prozess. Ein wichtiger Punkt ist beispielsweise, dass wir gut durchmischte Klassen zusammenstellen können.»

Unter anderem werde auch die Schulwegsituation angeschaut und überprüft, ob der Weg für die Kinder zumutbar ist. Grundlage dafür sind die Bundesverfassung und Urteile des Bundesgerichts.

«Alle Eltern können gegen den Entscheid der Schulleitung Rekurs einlegen, ob dieser bewilligt wird liegt in der Kompetenz des Schulrates», so Hersche.

Zwölf Kinder aus dem Quartier sind von der Situation betroffen. «Bei Familien fliesst der Standort von Schulen natürlich auch in die Wohnplanung ein. Manche der Betroffenen haben sogar höhere Mieten in Kauf genommen, damit sie näher an einer Schule wohnen», kommentiert der Vater von Fabio. Die Betroffenen haben diese Woche einen Brief an die zuständigen Behörden verschickt, der 20 Minuten vorliegt.

«Behörden suchen keine Lösung im Sinne der Kinder»

Der rund ein Kilometer lange Kindergartenweg konnte von den Kindern «nur durch grosses Engagement der Eltern im Alltag gemeistert werden», heisst es darin. Die Familien würden den Eindruck erhalten, dass die Muttenzer Schulbehörde gar nicht nach einer Lösung im Sinne der Kinder und Familie suche.

Das bestreitet Stufenleiterin Hersche: «Wir haben im Schulhaus Donnerbaum nicht genug Platz, um eine zweite Klasse dieses Jahrgangs zu führen.» Die Chance, dass sich an der Situation etwas ändert, schätzt sie als gering ein.

Doch damit wollen sich die Familien nicht zufrieden geben: «Wir möchten das Thema auch an der nächsten Gemeindeversammlung einbringen. Zwei Jahre diesen Weg in den Kindergarten zu haben, war eine Pille, die wir schlucken konnten. Sechs weitere Jahre sind uns aber zu viel», so Fabios Vater.

*Name geändert.

(kom)

Kommentarfunktion geschlossen
Wir danken für Ihr Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tinu am 22.05.2019 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verblödet

    Wie verblödet muss man sein? Kann doch nicht sein, dass Kindern so die Freude am Schulstart verdorben wird?

    einklappen einklappen
  • Nickii am 22.05.2019 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    .....

    Bruhh, ihr macht einen riesen Problem wegen einen Kilometer.... Mein kürzester Schulweg war 3km und mein längster 9km. Dies musste ich jeden Tag mit meinem Fahrrad fahren... Und auf meinem Weg gab es keine Strassenlaternen, nur hohr Bäume die aussehen wie Monster in der Früh... Wahrscheinlich denkt ihr ich bin ein 80er Kind, aber nein ich bin ein 2001...

    einklappen einklappen
  • helgali am 22.05.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Hätten die Eltern lieber, dass ihre Kinder in eine Klasse mit 30 Schülern kommt? Traut euren Kindern doch bitte etwas mehr Eigenständigkeit zu und lasst sie nicht so verweichlichen. Wenn mehrere Kinder aus dem Quartier den Weg machen müssen, wo ist dann das Problem? Einmal pro Woche kommt jede Familie mit dem Begleiten dran!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jule am 22.05.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit ist Geld

    Ich verstehe diese familie. Ich glaube, dass das Kind auch nicht zufrieden ist. Hat jemand zufällig an das Kind, was er möchte? Ich glaube kein Mensch interessiert. Alle kommentare sind: ich frühner bin 2 Km gelaufen, oder sogar 10 km. Na? Wir reden von einem Kind dem seine schulhaus in 100 m erreichbar sein konnte. Und das ohne mehr auffand. Aber nein wir müssen noch mehr kosten verursachen. Ja genau! Zeit ist Geld und 1 KM ist sehr mit Zeit Aufwand gemeint! Ich erwachsene mit normal Tempo 10 min. Ein 6 Jährige braucht min. 25 Minuten! Ich sage es als Erfahrung!

  • bilou am 22.05.2019 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Mein Schulweg war mehr als 1km und über eine Hauptstrasse. Ich denke dem Kleinen wird dies eingeredet, das sollte doch für kein Kind ein Problem sein.

  • @sandra am 22.05.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Muss keine Hauptstrasse überqueren

    Man muss auch mal ehrlich sein wenn man an die Öffentlichkeit geht. Wenn das Problem die Hauptstrasse ist, dann kann ihr Sohn die Unterführung nehmen beim Freidorf und er muss zum Schulhaus keine einzige Hauptstrasse überqueren. Achso, habe vergessen ist natürlich 2 Minuten länger und unzumutbar.

  • Moni am 22.05.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schule

    das Problem ist dass die Schulen Entscheide treffen die keinen Sinn machen und da sein älterer Bruder auch im anderen Schulhaus ist, macht es erst recht keinen Sinn. aber das verstehen nur Eltern, die auch Kinder an der Schule haben und es hat nichts mit Verweichlichung zu tun!!

  • Emi am 22.05.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Luxus

    Ich hab meine ganze schulzeit in muttenz verbracht. Ich hatte auch ca 20min weg. Später mit dem velo. Ich seh das problem nicht. Ich bin den weg ausnahmslos alleine gegangen ohne eltern. So schwirig ist das nicht. Das kann jedes kind!!! Das was ich hier höre ist ein luxus problem.