Postauto-Chauffeure in Basel

19. September 2018 09:00; Akt: 19.09.2018 11:17 Print

«Mir fallen mitten im Verkehr die Augen zu»

Laut Chauffeuren der 50er-Busse sind die Bedingungen auf der Linie zum Euroairport miserabel. Das gehe auf Kosten der Verkehrssicherheit.

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Bei den Postauto-Chauffeuren der Buslinie 50 von Basel zum Euroairport herrschen offenbar katastrophale Bedingungen. (Bild: Wikimedia)

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Kaum Freizeit, permanenter Zeitdruck, keine Möglichkeit, aufs WC zu gehen oder zu essen, und das für einen Lohn, der kaum bis zum Monatsende reicht. Davon berichten bei der Postauto-Chauffeure der Linie 50 von Basel zum Euroairport gegenüber dem «Blick». Die Reporter sprachen mit drei betroffenen Fahrern, die miserable Arbeitsbedigungen anprangern.

«Wir sind zu wenig Chauffeure, der Druck steigt. Es wird immer schlimmer», klagt Werner S.* (52) gegenüber der Zeitung. Er müsse manchmal acht Tage am Stück arbeiten, habe einen Tag Pause, und sitze dann wieder vier Tage am Steuer. «Solche Dienste gehen auf Kosten der Verkehrssicherheit», sagt er.

Seine Vorgesetzten würden nicht auf seine Beschwerden reagieren. Stattdessen habe man ihm gedroht, ihn bei anderen Unternehmen anzuschwärzen, damit er keine Anstellung in der Region mehr finden könne.

«Wir müssen ins Gebüsch pinkeln»

Im «Blick»-Artikel ist zu lesen, welche Auswüchse dieses Regime haben soll. So würde S. während der Schicht wenig essen und trinken, um nicht aufs WC zu müssen. Deswegen habe er schon Schwindelanfälle während der Pause erlitten und im Feierabendverkehr seien ihm schon die Augen zugefallen.

Die schwächende Diät habe er sich auferlegt, weil er während seiner Schicht gar nicht aufs WC gehen könne. «Wir müssen am Flughafen ins Gebüsch pinkeln», beklagt Erdin L.* (42). Die öffentlichen Toiletten am Flughafen seien zu weit weg, andere würden Geld kosten, das er nicht erstattet bekommen würde.

Postauto widerspricht

Bei Postauto glaubt man nicht, dass die Zustände so prekär sind, wie von den Chauffeuren im «Blick» beschrieben. «Es stehen mehrere Toiletten zur Verfügung, zum Beispiel 30 Sekunden entfernt in einer Confiserie. Wir akzeptieren ausnahmsweise sogar eine minimal verspätete Abfahrt wegen eines WC-Besuches», sagt Postauto-Sprecherin Valérie Gerl gegenüber der Zeitung. Den Vorwurf, dass es zu wenig Fahrer gebe, dementiert sie.

«Sollte ein Fahrer in einem solchen Zustand weiterfahren, handelt er fahrlässig», äussert sich Gerl zu den Folgen des Drucks, die die Fahrer nach eigenen Angaben heimsuchen. Dass ein Chauffeur acht Tage am Stück arbeiten müsse, sei nicht bekannt. Dem «Blick» liegen aber Dienstpläne vor, die dem widersprechen.

*Name geändert

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Superboy am 19.09.2018 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    saubere Weste

    Ich kenne das und die Teppichetage haben eine saubere Weste wenn etwas passiert. Die pressen die Mitarbeiter völlig aus und setzen durch knappe Zeitplanung die Fahrer enorm unter Druck

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  • Martin Hess am 19.09.2018 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sklavenarbeit

    Das einfachste ist alle Chauffeure dieser Linie treten in den Ausstand bis sich alles bessert.

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  • Sämson am 19.09.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Man wird überall nur noch unter druck gesetzt.. eine Kollegin von mir arbeitet jeden Tag ausgenommen Sonntag 120% mit einer pause von 30min. der grund dafür ist sie können nicht mehr Leute einstellen.. ich denke jeder Mensch wird das auf dauer nicht mehr schaffen bis es zu einem Burnout kommt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • @nori am 19.09.2018 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was ist da los???

    und immer wieder lese ich hier was von den grünen Busen in Basel! Mh was ist da nur los???

  • Bebbi1 am 19.09.2018 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Postauto!?

    Die Linie muss wohl weiter gegeben worden sein und die Post fährt mit BVB Bussen!? Ein sehr guter Freund von mir war auf dieser Linie Chauffeur. Er lebt nicht mehr, er hat sich umgebracht. Doch zu seiner Zeit waren die Flughafenbusse noch slbergrau. Lange ist es her aber geändert hat sich anscheindlich nicht viel! Die modernen Menschen werden nicht mit der Peitsche, sondern mit Terminen geschlagen.

  • Udolakis am 19.09.2018 15:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linie 50 Euroairport

    Busse mit Direktfahrt einsetzen. So könnte man den Chauffeuren( innen?) kleine Ruhepausen verschaffen. Und es gäbe kein Gedränge im Bus, wenn Leute aussteigen wollen an Haltestellen. Die Busse sind eh voll und mit den vielen Koffer gibt es noch weniger Platz. Habe vollstes Verständnis für das Anliegen der Chauffeure. Möchte Ihnen hier auch einmal ein Dankeschön für Ihre erbrachten Dienste tagtäglich aussprechen. Werde auch beim nächstenmal, wenn s den Euroairport geht, denn Bus, statt das Auto nehmen!

  • Studentin am 19.09.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne die Strecke

    Habe 5 Jahre an dieser Strecke gewohnt. Ist für die Chaffeure wirklich stressig und ich finde es unmöglich, dass sie nicht genügend Pausen für Grundbedürfnisse haben, wie austreten und essen. Das darf einfach nicht sein. Und das mit der Confiserie funktioniert nicht, die ist am Bahnhof SBB. die Busse kommen knapp an, stehen hintereinander und es hat viel zu viele Leuten, dass die Zeit reichen würde, dort auszutreten.

  • Strunz am 19.09.2018 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sekundenschlaf

    Apropos Sekundenschlaf: Es gibt keinen einzigen ÖV Fahrer der diese Problem nicht hat. Bei diesen Schichtlagen und den zu kürzen Ruhezeiten betrifft es ausnahmslos jeden und jede, Wer behauptet er/sie hatte das noch nie, lügt... zugunsten vom Ärger der zu erwarten wäre.