«Sexistisches Frauenbild»

18. August 2019 18:35; Akt: 20.08.2019 07:41 Print

«Papi, ist das ein Sexheftli?»

Ein Mann erhält von einer Klinik eine Patientenmappe. Seine Töchter stören sich daran, wie eine Frau darauf abgebildet wird.

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Diese Mappe erhielt ein Patient der Basler Merian Iselin Klinik. Seine Tochter fragte ihn darauf, ob es sich dabei um ein Sexheft handle. Die Bildsprache der Broschüre beanstandete auch Terres des Femmes auf Anfrage als sexistisch. «Der Körper der Frau ist in diesem Kontext unserer Meinung nach klar als Blickfang eingesetzt», sagt die Sprecherin der Organisation Angela Pertinez. Zum Vergleich: Das Universitätspital setzt bei seinen Drucksachen auf Bilder aus dem Spitalalltag. Auch die Hirslanden Kliniken setzen auf eine unverfängliche Bildsprache, die den Patienten vermitteln soll, dass man sich gut um sie kümmert. Auch andere tappten schon in die Sexismus-Falle: Für die Lauterkeitskommission ging Adelas Yoga-Pose, im Werbespot zur Wahlberichterstattung auf Telebasel zu weit. Sexistisch: Auch bei älteren Werbungen gab es den Sexismus-Vorwurf. So wie bei der Werbung für ein Bügeleisen. Hier fehle zwischen dem Sujet und der Headline «heisses Gerät» ein natürlicher Zusammenhang, schreibt die Lauterkeitskommission. Nicht sexistisch: Bei der mit einem Kettenhemd bekleideten Frau handelt es sich laut SKL um einen Grenzfall. Zwar wurde die Beteuerung der Firma für Schutzbekleidung, solche Kettenhemden würden im Sicherheits- und Designbereich gewöhnlich tatsächlich auf nackter Haut getragen, als glaubwürdig erachtet. Der damit gekoppelte Hinweis «attraktive Angebote» wurde dagegen als zumindest zwiespältig beurteilt. Sexistisch: Die Beschwerde zugelassen hatte die SKL im Fall einer Schaufenstergestaltung für Uhren. Das Sujet der mit gespreizten Beinen auf einer Bombe reitenden Frau erlaube einen unverstell­ten Blick auf den Schritt, so die Kommission. Nicht sexistisch: Als lauter beurteilt wurde dagegen die Werbung für einen BH, bei der ein Mann das Oberteil trägt. Die Person, die die Beschwerde eingereicht hatte, sah darin eine Verletzung der Würde des männlichen Geschlechts, da das männliche Model in rein dekorativer Funktion als Blickfang dargestellt werde. Die SKL entschied anders: «Da beide Geschlechter inszeniert werden und das männliche Model sogar erst am Ende des Spots in den Mittelpunkt tritt, kann verneint werden, dass der Mann vorwiegend als dekorativer Blickfang dient.» Sexistisch: Das Décolleté dient ausschliesslich als Blickfang. Zwischen dem gezeigten Ausschnitt und dem beworbenen Fitnesscenter besteht gemäss der Lauterkeitskommission kein natürlicher Zusammenhang

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A. S.* steht kurz vor einem medizinischen Eingriff in der renommierten Merian-Iselin-Klinik in Basel. Seine persönlichen Unterlagen mit Informationen rund um den Spitalaufenthalt wurde ihm im Vorfeld von der Klinik zugestellt. Die Papiere steckten in einer kleinen, in Blautönen gehaltenen Mappe.

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Der 45-jährige Vater dreier Töchter schenkte dem Umschlag keine grosse Beachtung und liess die Broschüre bei sich zu Hause rumliegen. Seine Töchter hingegen störten sich an dem Motiv, das auf der Patientenmappe abgebildet war: ein Frauenkörper in Bewegung. Die Frau trägt lediglich ein helles Unterhemd, ihre Beine sind nackt.

«Ärztinnen finden Motiv unpassend»

«Eine meiner Töchter fragte mich, ob es sich um ein Sexheftli handle», erzählt der Basler gegenüber 20 Minuten. «Da fiel mir auch auf, dass die Bildsprache sexistisch ist und nicht zu einem Spital passt», sagt er. Schliesslich habe er auch einige Ärztinnen in der Klinik darauf angesprochen. Diese hätten seinen Eindruck bestätigt und ihm gegenüber gesagt, dass sie auch nicht so glücklich seien darüber.

Angela Pertinez von Terre des Femmes Schweiz lobt den kritischen Blick von Meiers Tochter und sagt: «Der Körper der Frau ist in diesem Kontext unserer Meinung nach klar als Blickfang eingesetzt.» Dies sei sexistisch. «Hinzu kommt, dass hier ein Frauenkörperideal – jung, schlank, unbehaart – bekräftigt wird. Auch das ist sexistisch.»

«Schreiben Sie den Unternehmen einen Brief»

Terre des Femmes Schweiz sensibilisierte in der Vergangenheit bereits die Bevölkerung mit der Kampagne «Sexistische Werbung schadet» für die Thematik. Pertinez rät allen, die sich an Sexismus in der Werbewelt stören, eine Beschwerde an die Lauterkeitkommission zu verfassen. «Ausserdem empfehlen wir, einen Brief an das Unternehmen zu senden, das für die Werbung verantwortlich ist», so Pertinez.

Auf Anfrage hiess es bei der die Merian-Iselin-Klinik, dass sie keine Stellung zu dem Fall nehmen wird.

*Name der Redaktion bekannt

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick_Name am 18.08.2019 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft?

    Ich möchte nicht in einer Zukunft leben, in der irgendwelche selbsternannte Moral- und Sitten-Apostel darüber befinden, ob ich etwas als sexistisch, rassistisch oder sonst irgendwie- istisch zu empfinden habe. Ich kann das jederzeit gerne für mich entscheiden.

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  • B-Style am 18.08.2019 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum der Seximus und nicht die?

    Langsam wirds wirklich lächerlich. Nein falsch, das ist es schon längst. Warum nicht eine allwöchentliche Demo gegen Sexismus auf Donnerstag lancieren?

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  • Guguus am 18.08.2019 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun!

    Die ganze Welt ist sexistisch... noch nicht gewusst? Bitte gerne!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • unwichtigtuer am 20.08.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt auf dem Boden

    Sonst haben wir keine Probleme auf unserem Erdball? Wo führt das hin wegen jeden Muggensch.... Zur Presse zu rennen.

  • Kim67 am 19.08.2019 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch erhalten

    Zufällig werde ich auch da operiert und habe auch diese Broschüre erhalten. Habe bis zu diesem Beitrag mir gar keine Gedanken gemacht. Persönlich finde ich es als Frau nicht anstößig... wäre vielleicht anders wenn es farbig wäre,....?!

  • Sw. Com. am 19.08.2019 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    6istisch???

    und warum wissen die Kinder überhaupt was ein Sexheftli ist. Papi???

    • Ciccio 13 am 19.08.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sw. Com.

      Glückliche Leute, die keine grösseren Probleme haben. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Töchter mit Ganzkörper-Bedeckung in die Öffentlichkeit begeben, um nicht dem Vorwurf des Sexismus ausgesetzt zu sein.

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  • Willow am 19.08.2019 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenn der Vater 45 ist...

    ... sind die Mädchen bestimmt nicht mehr soooo klein und wissen, das es KEIN Sexheftli ist. Und wenn sie kleiner sind, woher wissen sie, das es eins IST? Aber Hauptsache man kann sich in den Medien profilieren. Sind wir bald alle vom Wahnsinn umzingelt?

    • njb48 am 19.08.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Willow

      Ja - wir sind alle vom Wahnsinn umzingelt. Zur Zeit überlege ich mir, ob ich ein Fussbad nehmen soll oder den Weihnachtsbaum etwas verfrüht herrichten werde. - Der geneigte Leser weiss nun, welchen kolossalen Herausforderungen ich mich täglich stellen muss.

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  • Sympathicus am 19.08.2019 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vision

    So langsam habe ich den Eindruck, dass fundamental-islamische Regeln die Zukunft sein werden. Nicht weil wir alle zu Muslims werden, sondern weil die Ansprüche von Vielen gar keine andere Wahl mehr lassen. Egal was bisher an Regeln galt, sich als Institution oder als Mann korrekt zu verhalten kann nur noch gewährleistet werden wenn strikte Regeln und Vorschriften vorhanden sind die dem individuellen Empfinden keinen Raum mehr lassen. Da es wohl nicht angeht , wie im Islam nur die Frauen einzuengen werden bald auch Tschadors für Männer kommen. In der Öffentlichkeit muss es zwei getrennte Welten geben. Wobei ich fast befürchte, dass die westlichen Sittenwächter/Innen extremer sein werden.

    • DomDom33 am 19.08.2019 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sympathicus

      Gut geschrieben!

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