Handwerker-Betrug

06. Juli 2019 14:56; Akt: 06.07.2019 15:58 Print

«Plötzlich verlangten sie 16'000 Franken»

Rumänische Handwerker versuchten einem Baselbieter für billige Arbeiten ein Vermögen abzuknöpfen. Beinahe wären sie erfolgreich gewesen.

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Beinahe wäre ein Leser-Reporter das Opfer betrügerischer Handwerker geworden, welche ihm für eine Dienstleistung fast das 36-fache des ursprünglich ausgemachten Preises abknöpfen wollten. Am Nachmittag des 2. Julis hatte es bei dem Leser-Reporter an der Haustür seines Reihenhauses in Muttenz geklingelt. Als der Baselbieter die Tür öffnete, sah er einen dunkelgelben Kastenwagen auf der Strasse stehen, und einen etwa 30-jährigen Mann, der ihn fragte, ob er für 60 Franken die Dachrinnen putzen könne. (Bild: Symbolbild) Das wurde jedoch schnell zu mehr - bis aus dem Unbekannten plötzlich vier Unbekannte wurden, die sich an der Dachrinne zu schaffen machten. Dann folgte der grosse Schock: «Statt den vereinbarten 450 Franken verlangten die Männer plötzlich 16'000!», so der Leser. Die vierköpfige Gruppe schlug daraufhin vor, das Geld gemeinsam mit dem Hausbesitzer bei der Bank abzuheben. Der Leser merkte, dass die Situation für ihn gefährlich werden könnte: «Also machte ich die Überweisung der Summe online auf ein Konto in Bukarest, dass mir einer von ihnen angab.» Nachdem die Männer daraufhin endlich abzogen, stornierte der Mann geistesgegenwärtig die Überweisung der 16'000 Franken. Stattdessen änderte er den Betrag auf die ausgemacht 450 Franken. Zwar meldete der 65-Jährige den Fall bei der Polizei, Anzeige konnte er jedoch nicht erstatten, was Adrian Gaugler von der Baselbieter Polizei bestätigte. Noch habe es sich bei diesem Vorfall noch nicht um eine strafbare Handlung gehandelt. Die Männer erschienen auch am Freitagmorgen wieder vor dem Haus des Lesers. Dieser kommunizierte von nun an nur noch aus dem Fenster des ersten Stocks mit den Männern, bis diese abzogen: «Ich habe ja schon von solchen Betrügern gehört, aber plötzlich ist man selbst in so einer Situation - und dann ist alles anders», schlussfolgert er.

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Rudolf Müller* weiss ja eigentlich Bescheid. «Ich habe auch schon von diesen Abzocker-Maschen gelesen», erzählt der 65-Jährige am Telefon. Seinen echten Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Ein bisschen ist ihm die Geschichte auch peinlich. Aber es ist ja alles gerade noch mal gut gegangen.

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Wurden Sie auch schon das Opfer eines solchen Betrugs?

Der Muttenzer wäre beinahe Opfer eines Handwerker-Betrugs und 16'000 Franken ärmer geworden. Am Dienstag, 2. Juli, klingelte es an seiner Haustüre. Auf der Strasse stand ein dunkelgelber Kastenwagen mit rumänischem Kennzeichen und ein etwa 30-jähriger Mann fragte ihn, ob er für 60 Franken die Dachrinnen putzen könne. «Ohne viel zu überlegen willigte ich ein», erzählt er.

Nur Minuten später kam der Handwerker wieder und sagte ihm, die Dachrinne sei verrostet. Für 450 Franken würde er diese durch neue Kupferbleche ersetzen, bot er an. Nach kurzem Zögern nahm Müller das Angebot an: «Ich liess mich wieder überreden, da der Preis ja günstig war.» Noch schöpfte er keinen Verdacht. «Plötzlich aber waren vier Männer auf der Baustelle.»

«Die Typen könnten gefährlich werden»

Und dann der grosse Schock: «Statt den vereinbarten 450 verlangten die Rumänen plötzlich 16'000 Franken.» Natürlich hatte Müller nicht so viel Geld zuhause. «Sie meinten, wir könnten ja zusammen zur Bank gehen.» Da wurde ihm mulmig und er merkte: «Diese Typen könnten gefährlich werden.» Das Tatvorgehen ist typisch, die Polizei warnt immer wieder vor solchen Maschen. Wie auch beim Enkeltrick-Betrug oder den falschen Polizisten, versucht die Täterschaft stets ihr Opfer in die Enge zu treiben.

Müller überwies das Geld online vor den Augen der Handwerker. Allerdings nicht wirklich. Der Auftrag war noch nicht ausgelöst. «Nachdem sie gegangen sind, habe ich die Überweisung wieder storniert», erzählt er. Die ursprünglich vereinbarten 450 Franken überwies der gerissene Müller dennoch: «Die Dachrinne haben sie ja ersetzt.»

Zwar meldete der 65-Jährige den Fall der Polizei, Anzeige konnte er jedoch nicht erstatten. Das bestätigte Adrian Gaugler, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, auf Anfrage. Eine strafbare Handlung habe beim gemeldeten Vorfall noch nicht vorgelegen, trotzdem haben Müller richtig gehandelt. «In so einem ungewöhnlichen Fall, kann man sich natürlich an die Polizei wenden», so Gaugler. Generell sei Vorsicht geboten, wenn Leute ihre Dienstleitungen an der Haustüre feilbieten wollen.

Sie versuchten es noch ein zweites Mal

Am Freitagmorgen erschien der gelbe Lieferwagen wiederum vor seiner Haustür. Von nun an kommunizierte der Baselbieter nur durch das Fenster im ersten Stock mit dem Unbekannten: «Einer der Männer bat mich darum, ihn in der Wohnung nach einer liegengebliebenen Schere umsehen zu lassen. Als ich nicht darauf einging, versuchte er mich dazu zu überreden, ihn die Fassade erst für 500, dann für 300 Franken reinigen zu lassen.»

Müller überlegte noch, die Polizei zu alarmieren. Allerdings war er in diesem Moment ratlos darüber, wie er die «Handwerker» so lange hätte hinhalten sollen und verzichtete dann darauf. Sie zogen dann unverrichteter Dinge wieder ab.

Müller glaubt nicht, dass die Rumänen wiederkommen. Dennoch sei er wieder etwas sensibilisierter: «Ich habe ja schon von solchen Trick-Betrügern gelesen oder gehört, aber plötzlich ist man selbst in so einer Situation –und dann ist alles anders.»

*Name geändert

(jes)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BS am 06.07.2019 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    Vielleicht kann man keine Anzeige erstatten, aber die Polizei kann doch wenigstens prüfen ob die Typen legal in der Schweiz sind.

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  • Minnie Mouse am 06.07.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverschämt bis zum Gehtnichtmehr

    Warum lässt man sich immer wieder auf solche Typen ein? Weil man meint, ein Schnäppchen zu machen! Bei mir blitzen solche Leute ab, und falls sie trotzdem mit irgendwelchen Arbeiten beginnen würden, würde ich die Polizei benachrichtigen!

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  • Stromboli am 06.07.2019 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Qualität

    Habe gerade meinen Eingang renovieren lassen. Schweizer Zimmermann, schweizer Maler und schweizer Elektriker. Kostet etwas Geld, aber ich hatte super Handwerker die ich schon länger kenne.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.Müller am 06.07.2019 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch bei Frauenfeld gesichtet

    Hatte Heute so ein komisches Auto gesehen. Es hatte Deutsche Anschriften hinten drauf, was diese Firma anbiete zumachrn, aber ein Französisches Kennzeichen. Sehr merkwürdig...

  • melinDa am 06.07.2019 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bevorzuge regionale Dienstleister

    Speziell was Handwerker anbelangt, engagiere ich immer regionale Firmen. Wenn da nicht alle Mitarbeiter Schweizer sind, ist mir das völlig egal. Wichtig ist aber die Sicherheit durch einen einheimischen, regional bekannten Arbeitgeber.

  • Werner am 06.07.2019 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luchs

    Ich möchte auch einmal soviel Geld bekommen mache das in Zukunft auch wenn das andere auch können,

  • Besorgter Bürger am 06.07.2019 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Billigkonkurrenz frei Haus?

    Sind das erste Auswüchse der seit 1. Juni nicht mehr geltenden Ventilklausel der PFZ?

  • Köbi K. am 06.07.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täterschutz

    Wieder mal typisch. Keinerlei kriminelle Handlung! Man kann nichts machen. Wir laden einerseits mit unseren laschen Gesetzen potenzielle Kriminelle ein und andererseits werden uns -bei z.B. aus Versehen Tempo 45 in der 30er Zone-, Bussen plus Fahrverbot aufgehalst.