Basel

20. Dezember 2018 16:51; Akt: 20.12.2018 16:51 Print

«Polizei hat den Tesla-Kauf wohl unterschätzt»

Die neuen Elektro-Boliden der Basler Polizei strotzen vor High Tech. Die Vernetzung der Autos mit dem Hersteller könnte aber zum Problem werden. Sie wird vom Datenschutz untersucht.

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Wie sind die Autos vernetzt?

Teslas haben eine Mobilfunkverbindung und Internetzugang. Sie können Daten versenden wie jedes Smartphone oder Tablet. Für Tesla-Besitzer ist das eine nützliche Funktion, birgt aber auch Gefahren. Denn alles was Daten empfangen und verarbeiten kann, ist angreifbar.

«Früher hatten Autos Computer, heute sind es Computer mit Rädern», sagt Beat Rudin, Datenschutzbeauftragter der Kantons Basel-Stadt. Das bringe im Beschaffungswesen neue Herausforderungen, mit denen sich nicht nur die Basler Polizei konfrontiert sehe. «Es kann sein, dass man es anfangs unterschätzt hat. Heute ist jede Beschaffung eigentlich ein Informatikprojekt – das ist kein Tesla-spezifisches Problem.»

Welche Daten senden die Teslas an den Hersteller?

Teslas sind mit vielen Sensoren ausgestattet. Dazu gehören Kameras für Fahrerunterstützung, Mikrophone für die Sprachsteuerung und Messgeräte für den Zustand des Fahrzeugs.

Was genau und wann an Tesla übermittelt wird, ist unklar. Es gibt aber diverse Beispiele, die aufzeigen, wie viel der Hersteller über das Auto weiss. So musste ein Reporter der «New York Times» feststellen, dass Tesla genau wusste, wann er während einer Testfahrt wo und wie schnell fuhr und was der Ladezustand der Batterie war.

«Man sagte mir, Tesla würde aus Datenschutzgründen keine genauen Informationen darüber speichern, wohin die Autos fahren. Allerdings wusste Tesla genau, dass ich sechs Zehntel einer Meile auf einem Parkplatz für 100 Autos im Kreis gefahren bin», heisst es in dem Artikel.

Welche Befehle kann der Hersteller an die Autos senden?

Tesla kann Updates an das Auto übermitteln, die dann auf dem Bordcomputer installiert werden. Als der Hurrikan Florence im September auf die Ostküste der USA zuraste, spielte Tesla eine Software auf die Fahrzeuge im bedrohten Gebiet, um eine Beschränkung der Batteriekapazität aufzuheben, damit sich ihre Besitzer in Sicherheit bringen konnten, wie das Technologieportal Elektrek.co schreibt.

Doch nicht nur der Hersteller kann aus der Ferne am Computer des Autos herumschrauben. Laut dem «Guardian» war es Forschern bereits im Jahr 2016 gelungen, einen Tesla aus zwölf Meilen Entfernung zu hacken. Dabei konnten sie auf diverse Systeme des Autos zugreifen – darunter auch auf die Bremsen.

Was kann die Polizei tun?

Im Hinblick auf die Datensammelwut des Teslas muss zuerst geklärt werden, was für Daten das Auto überhaupt sammelt. «Wenn Menschen aufgenommen werden, ist das eine Bearbeitung von Personendaten, und dafür gibt es Regeln», sagt Rudin. Dann müsse geprüft werden, ob für die Datenaufnahme eine Rechtsgrundlage bestehe. «Gibt es die nicht, müsste man zum Beispiel Kameras abschalten oder die Daten anonymisieren.»

«Die Kantonspolizei Basel-Stadt möchte ausdrücklich die Einwirkung des Herstellers auf das Fahrzeug nicht gänzlich unterbinden, sondern nur in einzelnen Punkten den Zugriff einschränken», sagt Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD). Zudem sei die Software so modifiziert worden, dass Updates manuell installiert werden. So kann man sich vor Hackern schützen, überlässt das Auto aber nicht vollständig dem Hersteller.

Weiter könnten vom Fahrzeug keine polizeilichen Daten abgerufen werden, so Schütz. «Das Betriebssystem des Fahrzeugs registriert lediglich die Betriebsdaten des Fahrzeugs. Alle polizeilichen Daten sind separat auf einem Gerät gespeichert, das die Polizisten des Alarmpiketts mit sich führen.»

(las)