«Schick mir Fischsosse»

11. Juli 2019 16:56; Akt: 11.07.2019 17:20 Print

Ältester christlicher Brief der Welt entziffert

Die weltweit älteste Handschrift eines Christen ist im Besitz der Universität Basel. Die Korrespondenz zweier Brüder aus Ägypten verrät Erstaunliches.

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Die Universität Basel ist im Besitz der ältesten Handschrift eines Christen, die bis dato gefunden wurde. Das Papyrus, das aus Ägypten den Weg in die Bestände der Hochschule fand, ist nun von der Historikerin Sabine Huebner datiert, entziffert und übersetzt worden. Die ersten Christen im römischen Reich waren wohl weitaus weniger weltabgewandt als zuvor angenommen.

Der Brief, den ein gewisser Arrianus an seinen Bruder Paulus schrieb, stammt aus den 230er Jahren nach Christus und ist damit mindestens 40 bis 50 Jahre älter als alle anderen weltweit bekannten christlich-dokumentarischen Briefe, wie die Uni Basel am Donnerstag mitteilte. Verfasst wurde er in Altgriechisch, der damaligen Verwaltungs- und allgemeinen Schriftsprache der Oberschicht im römischen Ägypten, so Huebner.

Hinweise auf Alltag und soziale Herkunft

Der Brief zeichnet ein Bild von ganz alltägliche Situationen: Reisen, politische Ämter, die Bitte um Mitbringsel und Grüsse von der Familie. «Nutze nun die Gelegenheit, die zwei Arouren zu kaufen. Aber schick mir auch die Fischsosse, von der Du glaubst, dass sie gut ist.» Bei der Sauce handelt es sich mutmasslich um Garum, das in der Küche der römischen Antike als Standardgewürz galt. Die Flüssigkeit wurde aus Fischen und einer Salzlake gewonnen, die vermengt in offenen Becken der Sonne ausgesetzt wurden. Die Geruchsbelästigung bei der Herstellung soll beträchtlich gewesen sein.

Die Zeilen, die Arrianus seinem Bruder schrieb, zeigen, dass es im ägyptischen Hinterland abseits der Städte bereits im frühen 3. Jahrhundert Christen gab, dass sie politische Ämter innehatten und sich von der übrigen Bevölkerung im Alltag nicht gross unterschieden. Der Autor und sein Bruder waren demnach junge, gebildete Söhne der Lokalelite, Landbesitzer und Träger öffentlicher Ämter.

Grussformel verrät christliche Gesinnung

Die Handschrift sticht aus der Masse der erhaltenen Briefe des griechisch-römischen Ägyptens durch die abschliessende Grussformel hervor: «Ich bete, dass es Dir gut geht im Herrn», eine abgekürzten Schreibweise einer christlichen Formel.

«Die Verwendung dieser Abkürzung – wir sprechen hier von einem sogenannten nomen sacrum – lässt keinen Zweifel an der christlichen Gesinnung des Briefschreibers», liess sich Huebner in der Mitteilung zitieren. Auch der Name des Bruders «Paulus» sei aufschlussreich, da dieser Name zu dieser Zeit äusserst selten war. «Wir dürfen daraus ableiten, dass die im Brief genannten Eltern bereits Christen waren und ihren Sohn schon um 200 n. Chr. nach dem Apostel benannt hatten.»

Die Analyse des Briefes ist ein zentraler Teil von Huebners neuer Monographie «Papyri and the Social World of the New Testament», wie die Uni Basel schrieb. Zudem macht die Hochschule ihr Papyrus-Archiv neu online auf der internationalen Plattform Papyri.info zugänglich.

(jes/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brendoni am 11.07.2019 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Schon spannend

    Unglaublich wenn man darüber nachdenkt wie alt dieses Dokument ist. Faszinierend. Bitte bringt mehr solcher Inhalte, auch wenn sie rein informativ und nicht auf aktuellen Ereignissen basierend wären. Besser als der meiste Mist (sorry) der hier publiziert wird nur damit die Seite gefüllt ist. Danke!

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  • Tell's Lady am 11.07.2019 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endrücklich

    Dieses Dokument zeigt eindrücklich auf, dass bereits die ersten Christen ihre Hoffnung auf Christus setzten und gleichzeitig mit beiden Füssen im Diesseits lebten.

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  • Aquarius am 11.07.2019 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Fisch bitte

    Nicht nur ist das Worchestershire Sauce in Römischer Zeit berühmt - es ist auch Kodex für Alm des Fischer- nämlich Jesus

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Die neusten Leser-Kommentare

  • chrizzla am 12.07.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lachnummer

    glauben ist die schlimmste erfindung der menschheit... und hat mehr schaden angerichtet als alle atom und wasserstoffbomben zusammen! dann folgen leute irgendwelchen "propheten" und haben auch noch das gefühl es sei was gutes...

  • Rebell am 12.07.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr interessant

    Alte Schriften sind sehr interessant, können sie mitunter mehr belegen, als nur die lokale Gesellschaft. Wäre bestimmt auch sehr interessant geworden, was in all den Schriften der Bibliothek zu Alexandria gestanden haben mag, wäre sie nicht viel früher, als dieser Brief damals zerstört worden. Ob man auch noch Briefe finden wird, welche zu Jesus Zeiten geschrieben wurden, vielleicht von Zeitzeugen?

  • Ramses der Fünfte am 12.07.2019 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich Klage an,

    Das ist Kriminell, da Postgeheimnis verletzt!

  • Alter Sack am 12.07.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Damals!

    Damals konnten die Menschen noch schreiben. Scheint mir, als ob sie damals viel klüger waren, als ihr es heute seid. Interessant finde ich aber auch, dass die Brüder ihre Frauen untereinander geteilt und querbesamt haben. Wo wir heute doch in einer traurigen, monogamen Gesellschaft leben.

  • Art. am 12.07.2019 01:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gedanke

    So respektvoll miteinander zu kommunizieren, könnten Trumps Vorfahren, unter anderen, abgeschafft haben. ;-)

    • Mausi am 12.07.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Trump bestimmt wohl ihr ganzes Leben, wie?

    • Art. am 12.07.2019 09:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mausi

      :-) Fühlten Sie sich angesprochen?

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