Foodwaste

07. April 2016 05:44; Akt: 07.04.2016 05:44 Print

«Secondhand-Gebäck» läuft wie warme Weggli

Der Backwaren-Outlet sammelt und verkauft Gebäck, das sonst weggeworfen würde. Das kommt bei den Baslern gut an. Nun soll das Konzept Schule machen.

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Der Backwaren-Outlet im Gundeli, der seit Dezember 2015 erfolgreich die Überproduktion von 12 Bäckereien aus der Region sammelt und verkauft, will expandieren. Mit einem Inserat auf Facebook suchen die Verkäufer des «Secondhand-Gebäck» nach Angestellten, Freiwilligen und Franchise-Partnern. «Immer wieder fragen die Leute, wieso es dies nicht auch woanders gibt», sagt Berto Dünki, Mitinhaber und Co-Initiant des Outlets. Darum möchte er, dass die Idee auch andernorts umgesetzt wird und weitere Outlets unterstützen.

Umfrage
Essen sie auch ältere Backwaren?
63 %
3 %
28 %
1 %
5 %
Insgesamt 1758 Teilnehmer

Die Idee, Backwaren einzusammeln und zu verkaufen, kam Dünki und Mitbegründerin Ursula Moser in Deutschland. Dort verkaufen sogenannte Vortagsläden – wie der Name schon sagt – Waren vom Vortag. «Wir haben auch Waren vom gleichen Tag im Sortiment», erklärt er. «Der Name passt bei uns also nicht.»

Etwa 50 Stammkunden zähle das junge Geschäft inzwischen, so Dünki.

Kunden bezahlen auch für Bedürftige

«Dem Projekt liegt eine soziale Komponente zugrunde», erklärt Dünki. Es gehe darum, gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln anzukämpfen. Mehrmals täglich machen Mitarbeiter des Outlets die Runde bei Bäckereien, um überschüssige Backwaren einzusammeln – etwa 30 Kisten am Tag. Diese werden aber nicht nur im Laden im Gundeli verkauft, sondern kommen auch gemeinnützigen Zwecken zugute. So können Kunden für ihre durchaus noch geniessbaren Brötchen vom Vortag etwa mehr bezahlen und ein Post-it mit dem Extrabetrag an die Wand kleben. Bedürftige können diese dann abnehmen und bekommen ihren Einkauf günstiger.

Zudem gibt es ein indirektes Spendensystem: Wer vom Backwaren-Outlet unterstützt werden möchte, kann Coupons beziehen und diese frei verteilen. Diese sind dann jeweils an ein Projekt gebunden. Wer mit dem Coupon beim Outlet einkauft, spendet einen Drittel des Betrags an das Projekt. «Lehrer können damit zum Beispiel die Finanzierung von Schullagern untersützen», erklärt Dünki. «Sogar foodwaste.ch hat sie schon verteilt.»

Manche Leuten kämen einfach um zu spenden. «Sie kommen einfach rein, legen Geld auf die Theke und sagen: Macht was Gutes damit.»

Bäcker ärgern sich nicht

Das Unternehmen mit fünf Angestellten und drei ehrenamtlichen Helfern wird sozialwirtschaftlich geführt. Sowohl Dünki als auch Moser sind neben dem Backwaren-Wiederverkauf berufstätig. «Wir wollen die Bäckereien nicht konkurenzieren», so Dünki. Auch für ein weiteres Outlet müssten zuerst Abklärungen getroffen werden, denn dieses ist von der Zusammenarbeit mit den Bäckern abhängig.

Die Bäcker in der Stadt sind gut auf das Projekt zu sprechen. «Ansonsten müssten wir die Ware wegwerfen», sagt Gregor Bachmann, Inhaber der Confiserie Bachmann, die dem Backwaren-Outlet Überschüsse gratis zur Verfügung stellt. Die Verantwortung für die abgebenen Waren liege beim Outlet, aber man habe noch nie etwas Negatives gehört.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • angie am 07.04.2016 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach nur lobenswert

    genial super gut das nenn ich mal mitdenken. vielen dank für euren einsatz

  • koko am 07.04.2016 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wegwerfgesellschaft

    tip top super... sowas brauchen wir, fertig mit dieser wegwerggesellschaft!

  • Peter G. am 07.04.2016 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt mehr als genug ...

    ... Menschen in der Schweiz, die über solche Angebote sehr glücklich sind, da sie über ein sehr bescheidenes Budget verfügen. Ich hoffe sehr, dass dieses Angebot nicht von Geizhälsen ausgenutzt wird, und bewusst auf den Kauf von frischen Backwaren in der Bäckerei verzichten, um anschliessen diese Waren günstiger als Secondhand Produkte kaufen zu können. Das wäre sehr schade und würde dieser sehr guten Idee und den beteiligten Bäckereien sehr schaden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A. Pain am 08.04.2016 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    St. Galler Ruchbrot

    Ich liebe das St. Galler Ruchbrot. Da wir keine Bäckerei im Dorf haben und das Brot im Lädeli aufgebacken ist, decke ich mich jeweils mit 2 Laiben à 500 ein. Das reich für 4-5 Tage. Das St. Gallerbrot wird weder hart noch latschig. Übrigens, ich kaufe es im Coop!

  • Kupfer am 08.04.2016 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Tiere nicht erlaubt

    Ich wohnte früher in einer aargauer Gemeinde mit Bäckerei. Als ich einmal kurz vor Ladenschluss einkaufen ging, hatte es noch sehr viele Brote übrig. Auf meine Frage, was damit gemacht werde, antwortete mir die Verkäuferin: "ein Teil wird zu Paniermehl und den anderen müssten sie wegwerfen, denn es sei nicht erlaubt, diese Lebensmittel an Tiere zu verfüttern".

  • Daniela am 08.04.2016 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe kein...

    ...schlechtes Gewissen wenn ich nur frisches Brot esse. Im Gegenteil, das Brot von gestern wird getrocknet und den Pferden verfüttert. Die freuen sich immer riesig.

  • Stefanie am 08.04.2016 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frisch von gestern

    In Winterthur gibt es auch so ein Laden, heisst "Frisch von gestern" oder so. Aber die Preise finde ich etwas hoch. Jedoch habe ich auch schon im Aldi Brot vom Vortag zum halben Preis gekauft und Berliner. Lieber esse ich altes Brot als dass es im Müll landet. Obwohl ich manchmal auch Brotreste mit schlechtem Gewissen entsorge. Aber es ist gut, wenn Leute was gegen Foodwaste unternehmen.

  • Patrick Moser am 08.04.2016 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee finde ich Super!!

    Guten morgen zusammen,bin total begeistert von der Idee. Ich bin auf Job suche und würde liebend gerne bei Ihnen tätig werden wollen. Bitte melden Sie sich doch,würde mir Freude bereiten! Liebe Grüße P.M