«Das Tribunal»

06. Juni 2019 09:45; Akt: 06.06.2019 11:16 Print

Sexuelle Belästigung im Job in der Auftaktsendung

Schauplatz Appellationsgericht Basel-Stadt: In der neuen SRF-Sendung «Das Tribunal» verhandeln Geschworene kontroverse Fälle aus dem juristischen Graubereich.

Der Trailer zum neuen experimentellen Sende-Format "Das Tribunal". (Video: SRF)
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Bis Ende 2010 waren in der Schweiz Geschworenengerichte noch möglich. Die neue Strafprozessordnung machte damit aber Schluss. Zuletzt gab es die Geschworenengerichte noch in Zürich, Tessin, Waadt und Neuenburg. Das Schweizer Fernsehen SRF holt die Geschworenen für die neue Sendung «Das Tribunal» aus dem Ruhestand zurück. Premiere ist am Donnerstag um 21 Uhr auf SRF 1.

In der Sendung, die von der Basler Vollbild Film entwickelt und am Basler Appellationsgericht produziert wurde, urteilen Laien über Recht und Unrecht. «Die Fälle sind fiktiv, greifen aber aktuelle und kontrovers diskutierte Themen auf. Wir wollten ein Format schaffen, das inhaltlich relevant ist und formal neue Wege geht», erklärt der Sendungsverantwortliche von SRF Matthias Hämmerly.

«Die Sendungen sind experimentell und sollen das Publikum zur Meinungsbildung anregen»

Während die Richter und Anwälte von Schauspielern verkörpert werden, sind die Geschworene tatsächliche Volksvertreter. Eine davon ist Francine Hauswirth aus Wahlendorf bei Bern. «Nein, zum Glück habe ich ein Gericht vorher noch nie von innen gesehen», sagt Job-Coach Hauswirth.

Hauswirth möchte die Erfahrung als Geschworene nicht missen. Künftig werde sie solche Themen ganz anders sehen. «Ich fand es super spannend.»

«Auch im realen Alltag sollten die Leute sich mehr Gedanken machen, bevor sie ein Urteil fällen.»

Während die 52-Jährige beruflich Sozialhilfe-Empfänger bei der Arbeitsintegration begleitet sind die übrigen Geschworenen der ersten Sendung ein Landschaftsgärtner, ein Zügelunternehmer und eine Transportunternehmerin. Reale Bürger mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, nennt es SRF-Mann Hämmerly. «Das Format wurde im engen Austausch mit Juristen konzipiert.»

Und die Juristen haben den Geschworenen auch ein Feedback gegeben. In der ersten Folge geht es um sexuelle Belästigung. Beschuldigt ist die Personalchefin eines Unternehmens, das Opfer war ein Mitarbeiter. Wie so oft, ist der Fall nicht so eindeutig und ein Urteil schwer. Und die Geschworenen müssen zu einem einstimmigen Entscheid kommen. Hauswirth ist zufrieden mit dem Ergebnis.

«Die Rechtsanwälte fanden, wir hätten richtig entschieden.»

Die Sendung nähert sich der komplexen Materie der Rechtssprechung anschaulich, nicht belehrend aber auch nicht oberflächlich wie die bekannten Gerichtsshows im deutschen Privatfernsehen. Und sie vermittelt eine wichtige Botschaft: Rechtsprechung fusst nicht nur auf Gesetzen, sondern auch gesundem Menschenverstand.

«Sollte mehr nachdenken, bevor man Urteil fällt»

Die Justiz ist in der Schweiz übrigens keine Dunkelkammer. Die Verhandlungen an Strafgerichten sind grundsätzlich öffentlich und können von Erwachsenen besucht werden. Die Verhandlungstermine der meisten Strafgerichte, wie etwa in Basel-Stadt sind online einsehbar.

(lha)