Hund überfahren und geflüchtet

29. November 2019 04:52; Akt: 29.11.2019 04:52 Print

«Speedy ist in meinen Händen gestorben»

Am Mittwochabend erfasste in Basel ein Auto einen Jack-Russell-Terrier, der einen Fussgängerstreifen überqueren wollte. Das Tier verstarb an der Unfallstelle. Der Lenker beging Fahrerflucht.

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Als die achtjährige Jack-Russell-Hündin Speedy den Fussgänger streifen an der Birsstrasse in Basel überqueren wollte, erfasste sie ein Fahrzeug. Das Tier überlebte den Unfall nicht und der Lenker beging Fahrerflucht. Brav habe sie auf der Treppe Richtung Trottoir gewartet, erzählt ihr Herrchen Georg Ernst Billeter. Dann habe er ihr ein Zeichen gegeben, über die leere Strasse zu laufen. Als sie bereits auf der anderen Seite der Strasse war, sei ein Auto mit einem «Affenzahn», auf den Fussgängerstreifen zugefahren, auf dem Billeter lief, erzählt er. Sein Hund sei sofort zurück gerannt, um ihn zu «warnen». Das Fahrzeug erfasste zwar nicht den Mann, dem Tier konnte der Lenker oder die Lenkerin aber nicht mehr ausweichen. Billeter sei sofort zu ihr gelaufen und habe sie aufgehoben: «Ich spürte, wie ihr Herz noch schlug. Doch ihr Körper wurde immer schwerer und plötzlich merkte ich, wie ihr Herz aufgehört hat zu schlagen. Sie ist in meinen Händen gestorben.» Billeter meint, er und weitere Personen haben gesehen, dass das Tatfahrzeug in der 30er-Zone viel zu schnell gefahren sei. «Wenn der Fahrer normal gefahren wäre, wäre es bestimmt nicht so weit gekommen», sagt er. «Durch Speedy habe ich meine Lebensfreude nicht verloren. Sie hat mir so viel gegeben, wie ein Mensch nicht geben könnte. Plötzlich hatte ich eine Aufgabe, ich musste mit ihr zum Tierarzt und sie erziehen. Ich war wieder voll da. Jemand der keinen Hund hat, begreift das gar nicht», erzählt Billeter.

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Der Unfall ereignete sich kurz nach 21.30 Uhr an der Birsstrasse. Der Hund starb an den Folgen seiner schweren Verletzungen. Der Autolenker wird polizeilich gesucht.

«Speedy hat brav auf der Treppe vor dem Trottoir gewartet. Dann gab ich ihr ein Zeichen loszulaufen. Die Strasse war leer und wie ich es sie gelehrt habe, lief sie über den Fussgängerstreifen», erzählt Herrchen Georg Ernst Billeter am Tag nach dem tragischen Unglück.

Als sie schon auf der anderen Seite der Strasse war, wollte Billeter, der an Krücken geht, die Strasse überqueren. Plötzlich sei aus dem Nichts ein Auto auf ihn zugerast gekommen. «Speedy rannte sofort zurück, wahrscheinlich wollte sie mich vor dem Weiterlaufen warnen», erzählt der Rentner. Doch das Fahrzeug, das am Mittwochabend auf den Fussgängerstreifen an der Birsstrasse zusteuerte, konnte dem Tier nicht mehr ausweichen.

«Das werde ich meinen Lebtag nicht vergessen»

«Ich bin zu ihr gelaufen – und fragen Sie mich nicht, wie ich es trotz meiner Arthrose geschafft habe, mich zu bücken – und hob sie auf. Ich spürte, wie ihr Herz noch schlug», so Billeter und fährt weiter: «Doch ihr Körper wurde immer schwerer und plötzlich merkte ich, wie ihr Herz aufgehört hat zu schlagen. Sie ist in meinen Händen gestorben.»

Der Lenker des Fahrzeuges fuhr davon, ohne sich um das schwerverletzte Tier zu kümmern, bestätigt die Polizei Basel-Stadt. Billeter ist sich sicher, dass das Tatfahrzeug mit übersetzter Geschwindigkeit in der 30er-Zone unterwegs war. Er und weitere Personen könnten dies bezeugen. «Wenn der Fahrer normal gefahren wäre, wäre es bestimmt nicht so weit gekommen», sagt er. «Das Geräusch, den der Aufprall verursacht hat, werde ich meinen Lebtag nicht vergessen. Es fühlt sich an, als hätte mir jemand mit einem Messer ins Herz geschnitten und es herausgerissen.»

Speedy gab Billeter die Lebensfreude zurück

Vor vier Jahren war die achtjährige Speedy aus einem Tierheim zu Billeter und seiner Mutter in die Wohnung gekommen. Sein bester Freund Peter Weber sagt: «Wenn Georg den Hund nicht gehabt hätte, dann wäre er wahrscheinlich gestorben. Er hat nichts mehr gegessen, geschweige denn das Haus verlassen.» Doch als seine Schwester den Hund geholt habe, sei er plötzlich wieder «lebendig» geworden.

«Durch Speedy habe ich meine Lebensfreude nicht verloren. Sie hat mir so viel gegeben, wie ein Mensch nicht geben könnte. Plötzlich hatte ich eine Aufgabe, ich musste mit ihr zum Tierarzt und sie erziehen. Ich war wieder voll da. Jemand, der keinen Hund hat, begreift das gar nicht», erzählt Billeter.

(mhu)