Exzesse im Ausgang

06. Mai 2019 16:26; Akt: 06.05.2019 17:52 Print

«Täter sind durch Alkohol und Drogen enthemmt»

Die Basler Regierung hat Massnahmen präsentiert, wie sie gegen Gewaltdelikte vorgehen will. Die Polizeipräsenz soll steigen und möglichst in Echtzeit auf Ereignisse reagieren.

Regelmässig kommt es in Basel in den Ausgangsvierteln zu wüsten Szenen. Zu den Hotspots zählt die Heuwaage. (Video: Leser-Reporter)
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Basel ist laut Statistiken die gewalttätigste Stadt der Schweiz. In keinem anderen urbanen Zentrum des Landes werden so viele Gewaltdelikte begangen. Grund genug für die Regierung, am Montag Massnahmen zu kommunizieren, wie Basel von diesem wenig ruhmreichen Spitzenplatz verschwinden soll. Nebst Strategien wurden auch sogenannte Schwerpunkte festgelegt, die bei der Kriminalbekämpfung mit Nachdruck behandelt werden sollen. Laut Regierung sind dies: Gewaltdelikte, Einbruch und Menschenhandel.

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«Auf jeden Fall kann ein Teil der Gewaltstraftaten örtlich und zeitlich auf wenige Brennpunkte reduziert werden», steht in besagtem Schwerpunkte-Dossier. Es überrascht nicht, dass ein Grossteil jener Delikte meist im Zusammenhang mit ausgehenden Personen am Wochenende stehen.

Der am Montag publizierte Bericht zum Regierungsbeschluss untermauert diese Vermutung: Zu Schlägereien, Angriffen und Überfällen komme es vor allem von Freitagabend bis Sonntag, respektive Montag. Tatorte seien die neuralgischen Punkte der Innenstadt, also Clubs, Theaterplatz, Barfüsserplatz, Steinenvorstadt und Rheinbord. «Täter sind oft durch Alkohol- und Drogenkonsum enthemmt», heisst es im Bericht. Die Opfer hingegen seien aufgrund des Konsums meist hilflos.

«Granit» gegen Gewalt im Ausgang

Nun sollen die Gründe für die Häufigkeit von Gewalt mit einer wissenschaftlichen Studie analysiert werden. Als urbanster Kanton bleibt Basel laut Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr im Landesvergleich wohl immer am kriminellsten, doch mit genauem Blick etwa auf die Sogwirkung und die Hotspots suche man Handlungsmöglichkeiten.

In einem weiteren Schritt sollen im Rahmen des Aufbaus eines «kantonalen Bedrohungsmanagements» jene Gewaltdaten systematisch erhoben werden, die eine bessere Beurteilung der Massnahmen zur Gewaltbekämpfung ermöglichen.

Prävention und Polizeipräsenz gehen Hand in Hand bei der Bekämpfung von Gewaltd im Nachtleben. Die Polizei Basel-Stadt hat bereits eine Handvoll Präventions-Massnahmen ins Leben gerufen. Gewaltdelikte, die im Zusammenhang mit feiernden, alkoholisierten Menschen stehen, sollen etwa durch die Prävention «Granit» bekämpft werden. Die Beamten setzten dabei auf sichtbare Uniform Präsenz an den Wochenenden im Bereich der Innerstadt.

Neu: Projekt Zivilcourage

Laut Regierung sollen diese Massnahmen weitergeführt und je nach Erfahrung und Situation laufend angepasst werden. Zudem startet das Projekt «Zivilcourage», das sich direkt an die Bevölkerung wendet.

Die Polizeipräsenz werde laut Kriminalbekämpfungs-Dossier nach Möglichkeit weiter ausgebaut werden. «Ein aktuelles Lagebild soll eine Echtzeitsteuerung der personellen Ressourcen und damit ein sofortiges Eingreifen an Hotspots oder bei sich abzeichnenden speziellen Kriminalitätslagen ermöglichen», so der Regierungsrat.

(jd)