Baselbieter Dialekt

04. Mai 2017 05:50; Akt: 04.05.2017 10:40 Print

«Umpeissi? Nundefaahne, ich ha kei Ahnig»

Eine Ausstellung im Museum BL dreht sich um den Baselbieter Dialekt. Zusammen mit einem Dialektologen ging 20 Minuten den Besonderheiten auf den Grund.

20 Minuten hat die Probe aufs Exempel gemacht und Jugendliche nach einigen "alten" Dialektwörtern gefragt.
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«Was als fremd gilt und was als einheimisch, entscheidet die Zeit.» Im Museum BL ging es am Dienstagabend um den Baselbieter Dialekt, seine Feinheiten und Wurzeln. Rund 60 Personen lauschten gespannt den Worten des Dialektologen und Mundartredaktors Markus Gasser, bekannt als Experte der Radiosendung «Schnabelweid». «Mundart ist Heimat, Hochdeutsch eher nicht, Französisch auch nicht», doch bei genauerer Betrachtung erkenne man, dass das gar nicht immer stimmt. «Unsere Sprache ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Einflüssen», erklärte Gasser.

Umfrage
Kennen Sie das Wort «Umpeissi»?
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47 %
39 %
4 %
Insgesamt 1132 Teilnehmer

Er zeigte auf, wie Grenzen unsere Sprache beeinflussen oder die Zeit unsere Wörter verändert. So wird zum Beispiel das Wort «Ameise» zu «Umpeissi». Dieses Wort sei eigentlich das selbe, nur wurde es mit der Zeit leicht angepasst. «Bei Umpeissi wurde zum Beispiel das A zu einem U, da in vielen Regionen dieser Buchstabe einfach anders ausgesprochen wird», so Gasser.

Das Fremde wird Heimat

Die Ausstellung «Eingewandert, wie das Fremde Heimat wird» thematisiert den Baselbieter Dialekt ebenfalls. Mithilfe eines Kartenspiels etwa kann man dort lustige Begriffe des Baselbieter Dialekts kennenlernen, die man heute eher weniger braucht.

«bäffzge» (schimpfen), «zäämeramisiere» (zusammensuchen), «bybääpele» (verwöhnen), «dryychnüündle» (sich ins Zeug legen) oder chiifle (zanken) um nur einige zu nennen.

Laut Gasser werden Wörter teilweise einfach nicht mehr benutzt. «Doch wem das Wort Anke wichtig ist, der soll einfach Anke statt Butter sagen. Mehr kann man nicht machen.» Denn durch das Benutzen der Wörter werde die Sprache lebendig.

«Wir benutzen immer mehr deutsche Wörter und sagen zum Beispiel Hausmeister statt Abwart.» So würden die Wörter geografische Grenzen überwinden.

«Umpeissi? Keine Ahnung»

20 Minuten hat bei Jugendlichen die Probe aufs Exempel gemacht. Das Wort «Umpeissi» ist für sie nicht mehr geläufig. «Vielleicht ein Gegenstand für die Landwirtschaft», vermutete Olivia Sacker (19), eine Schülerin aus Frenkendorf.

Es gab jedoch durchaus auch Wörter, die noch benutzt und somit auch erkannt wurden. «Ürbsi», was den Kern eines Apfels beschreibt, oder «gyyre», was soviel wie quietschen oder ächzen heisst.

(stv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Baselbieter4410 am 04.05.2017 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mir wei luege

    Ich bin Baselbieter und kannte knapp die Hälfte. (Bin 23). Das mit der Ameise. Echt keinen Plan. Aber ich finde die Schriftversion ist sowieso total verbaslert. Also Basel-Stadt angepasst. Wenn man unter einander SMS oder sonstige Nachrichten in Dialekt schreibt, wird der Buchstabe "y" praktisch nie verwendet... dryychnüündle... pfff... das schreibt man so: drii chnünle.

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  • toni am 04.05.2017 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Leider überall

    ob Berner, Zürcher, Basler, usw., ja leider (wenn auch etwas weniger stark oder weniger fortgeschritten) auch die Walliser und die Deutschfreiburger (resp. Sensler) verlieren je länger je mehr ihre "Eigenheiten" im Dialekt. Das passt sich alles einander an. Ich finde das Schade, aber ist nunmal kaum aufzuhalten.

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  • Me_Be am 04.05.2017 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hampeissi heds hüür flätt ä huufä

    Bei uns in der Innerschweiz sind noch viele solcher Begriffe im täglichen Gebrauch. Natürlich dann im jeweiligen Kantonsdiakekt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • PatMag am 04.05.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Wörter gingen vergessen

    "Usestüüdele" für etwas auf die lange Bank schieben. "Rätsche" jemanden verpetzen. "Bumbele" die Hummel. "Duudele" rumtrödeln. "Böölimaa" Kinderschreck. "Klöpfer" die Servela im Rest der Schweiz.

  • S.Schober am 04.05.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ameise, oder doch nicht?!

    Also ich kenne nur den Begriff "Bäramsle" für die Ameise. Bin aus dem Laufental.

  • Regula am 04.05.2017 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Baselbiet

    ...und dr Summervogel,s Immbie,veielet und Schwöbli...aufgewachsen bei Liestal und nun seit 20 Jahren im Laufental zuhause... die Leute hier fragen immer nach was ein Immbie sei

    • Fabi am 04.05.2017 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Regula

      Wie sagen den die den Bienen?

    • Pascal am 04.05.2017 22:34 Report Diesen Beitrag melden

      Imker

      Die Imme sollte durchaus bekannt sein, da es ja auch Imker heisst, anstatt 'Bienker'! Na ja... Was hiesse dann -ker?

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  • Jemand am 04.05.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch egal

    Es ist doch egal, wer welchen Dialekt spricht. Ich glaube, wir Schweizer verstehen uns sicher. Jetzt ohne die üblichen Schäkereien über Dialekte. Das macht unsere Sprache aus und wir sollten sie auch pflegen. Selbst wenn wir einzelne Wörter nie selber gebrauchen würden, so verstehen wir sie zumindest im Zusammenhang, wenn wir den Satz hören. Und das finde ich auch schön an unserer Sprache. Sie gehört uns und ist ein wichtiger Teil von uns, und wir bewahren uns, was da uns gehört. Da gehört auch kein Hochdeutsch rein. Es ist unsere Sprache.

  • Loxx am 04.05.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bäffzgä

    Das heisst auch "bellen". Einen Hund nennt man ab und zu "Bäffzger".

    • PatMag am 04.05.2017 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Loxx

      Ja, das hat mein Vater immer bei den kleinen Hunden verwendet, welche dauernd am rumbellen waren! Loos emoll die zwei Bäffzgi a!

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