BVB-Angestellte lesen böse Post

21. März 2019 04:52; Akt: 21.03.2019 04:52 Print

«D'Busfahrer findes geil, Fahrgäscht stoh z'loh»

Jeder hat schon mal über den öffentlichen Verkehr geflucht. In einer Kampagne der Basler Verkehrs-Betriebe nehmen Mitarbeiter zu unfreundlicher Post Stellung.

BVB-Mitarbeiter lesen und beantworten böse Nachrichten. (Video: Basler Verkehrs-Betriebe/bearbeitet von 20 Minuten)
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Ein städtisches ÖV-Unternehmen bekommt nicht nur nette Post. So gehen auch bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) immer wieder negative Rückmeldungen ein. Nun haben sich Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen der Kritik gestellt – teils mit einem Augenzwinkern.

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Von «Bi euch schaffe gar keini Basler – numme no Schwoobe und anderi Usländer» über «Hüt muesch di schämme für d'BVB z 'schaffe» bis «D'Busfahrer findes geil, wenn si Fahrgäscht könne stoh loh» ist alles dabei, was Kritiker dem Unternehmen ankreiden. Im Rahmen der Kampagne «Ärnschthaft jetzt?» nehmen auch die BVBler kein Blatt vor den Mund.

Zum ersten Mal gesehen

«Die Mitarbeiter sahen die Kommentare zum ersten Mal und durften frei alles sagen, was sie denken», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid. Man habe ihnen so eine möglichst spontane Reaktion entlocken wollen.

Mit der Kampagne wolle das Unternehmen unter anderem von «verstaubten Stelleninseraten» wegkommen und es sich zu Nutze machen, dass «die BVB grundsätzlich niemanden kalt lässt und jeder eine Meinung zu den BVB hat». Schmids Fazit ist gut: «Die Videos kommen bei unseren Bewerbern und auch intern gut an.»

«Cool, aber gemessen wird woanders»

«Ich finde es cool» ist auch das Fazit von Stefan Eggenberger, Unternehmensberater und Dozent für Kommunikation an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich. Die Kampagne der BVB passe zu einer Stadt wie Basel, die auch mit der Fasnacht ein «frisches Frechsein» feiere.

«Die BVB zeigen sich als greifbarer, nahbarer Arbeitgeber. Allein im Video selbstkritisch und lustig zu sein, reicht aber nicht», so Eggenberger. Gemessen werde das Unternehmen an der Umsetzung. Das grösste Risiko sieht er darin, dass Personen, die sich vom präsentierten Bild angesprochen fühlen, am Ende eine ganz andere Führungskultur erleben.

Von bösen Tweets inspiriert?

Ein ähnliches Format, «Celebrities Read Mean Tweets» des US-Talkmasters Jimmy Kimmel, begeistert seit Jahren Zuschauer. Dabei lesen und kommentieren Stars vor der Kamera böse Tweets, die über sie geschrieben wurden.


Bei Jimmy Kimmel lesen Stars auch unfreundliche Post. (Video: Youtube)

«Auch hier sollen einem die Stars näher gebracht werden», sagt Eggenberger. Das Konzept der BVB-Kampagne sei ähnlich, die Ausrichtung aber anders: «Es steht weniger das Entertainment im Vordergrund als das Ziel, mögliche neue Mitarbeitende pointiert anzusprechen.»

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fahrer am 21.03.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Bei der Ausbildung zum Lokführer lernt man: Wer auf den Zug rennt, der ist nicht zu spät, sondern zu früh für den nächsten Zug.

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  • Rentner67 am 21.03.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Undankbar

    Liebe Balser Chauffeure. Lasst doch mal für einen Tag alle Busse im Depot, dann werden die Leute sofort merken was für einen guten Service geboten wird.

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  • Eisenbahner am 21.03.2019 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fahrplan

    Jeder Zug, jeder Bus, jedes Flugzeug würde immense Verspätung bekommen wenn man immer auf die Last-minute Sprinter warten müsste. Und wer einen Anschluss hat (welches Resemittel auch immer) schaut in die röhre, den der nächste ist sicher weg. Wer zu spät kommt hat gehabt, ganz einfach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Trotzki am 21.03.2019 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schimpfen macht frei

    All die wo jetzt so schimpfen sollten mal in anderen Ländern auf öV angewiesen sein ...

  • Emmet brown am 21.03.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie im dienst

    5 minuten vor der zeit , ist reisenders pünktlichkeit. Halte dir dass vor augen und dein tag ist bisschen stressfreier. Aus

  • Ratmal Werwol am 21.03.2019 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Klassischer Fehler

    Kundenkritik mit (mehr oder weniger guten) Argumenten abzuwimmeln versuchen.... das funktioniert auf Dauer nicht. Statt dessen wäre es zielführender, nach innen zu blicken und sich zu fragen, was man bei sich verändern müsste, um besseren Eindruck zu erzielen.

  • Luci S. am 21.03.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja es gibt gute und schlechte Fahrer/innen

    Heute morgen hat mich ein bvb Fahrer fast erwischt. Ich hatte ganz klar Vortritt aber so ein Seitenblick ist schon Zuviel verlangt... einmal blinken reicht nicht. Es gibt aber auch ab und zu ahnständige gute ;)

    • WilhelmTell41150 am 21.03.2019 19:22 Report Diesen Beitrag melden

      nur schlechte bei BVB

      @Luci Und weshalb bekommt die BVB nur die Schlechten?

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  • Franzl am 21.03.2019 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nicht nur in Basel so

    Es ist hier in der Ostschweiz ähnlich. Total am Kundenbedürfnis vorbei.

    • Toni am 21.03.2019 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Egoismus

      Es gibt halt sehr egoistische Kunden. Denen ist es egal, wenn der ganze Bus auf sie warten muss und evtl. den Anschluss verpasst.

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