Gender-Botschafter an der Berufsmesse

18. Oktober 2018 18:45; Akt: 18.10.2018 18:47 Print

«Informatiker sind sozial komisch und essen Pizza»

Bei der Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse sind erstmals Gender-Botschafter unterwegs, die den Klischees von typischen Männer- und Frauenberufen entgegenwirken wollen.

Das sagen Basler Schüler und Gender-Botschafter zu Klischees in der Berufswelt. (Video: 20 Minuten)
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Am Donnerstag eröffnete die siebte Berufs- und Weiterbildungsmesse in der Rundhofhalle der Messe Basel. Neben 100 Ausstellern, die rund 200 Berufe und mehr als doppelt so viele Ausbildungen präsentieren, findet sich im Eingangsbereich der Messehalle erstmals ein Stand mit Gender-Botschaftern.

«Wir wollen junge Leute dazu motivieren, ihren Horizont zu erweitern und nicht nur die Berufe anzuschauen, die dem Klischee entsprechen», so Clelia Meneghin (20), Informatikerin und Gender-Botschafterin. Sie habe selbst lange nicht gewusst, was sie machen möchte, und hat in zahlreiche Berufe hineingeschnuppert. Bis ihr jemand zur Ausbildung als Informatikerin geraten habe. Auch Clelia kannte die Stereotypen. «Informatiker sind diese sozial etwas komischen, die Pizza essen und rauchen.» Jetzt weiss sie: «Diese Sorte gibt es schon, aber es sind sehr wenige.»

«Kommt weg vom Schubladendenken»

Dass viele stereotype Berufsbilder wählen, liege unter anderem an fehlenden Vorbildern. «Wenn du es von zu Hause mitbekommst, dass sie Krankenschwester und er Informatiker ist, dann denkst du als Mädchen nicht direkt: Ich werde Informatikerin», sagt sie. Die Botschafter aus untypischen Frauen- und Männerberufen arbeiten mit der Abteilung Gleichstellung des Präsidialdepartementes des Kantons Basel-Stadt zusammen.

Auch Gabriele Grizzanti (19), Auszubildender zum Fachmann Betreuung, ist als Gender-Botschafter unterwegs. «Ich möchte, dass man vom Schubladendenken wegkommt. Man darf und muss für alles offen sein», sagt er. In Gesprächen mit Jugendlichen während der Messe höre er immer wieder das Argument der schlechten Bezahlung. «Vielen sagen, in typischen Frauenberufen verdient man weniger und gehen dann weg.»

Viele trauen sich nicht, untypische Berufe zu wählen

Am Messestand der Militärpiloten stehen am Donnerstagvormittag hauptsächlich Buben. «Vielleicht liegt es daran, dass sich Mädchen nicht so trauen, weil sie denken, das sei nichts für sie», so Sebastian Blanke (25), der den Beruf des Piloten vorstellt. Der Beruf stehe beiden Geschlechtern offen. «Es gibt einige Militärpilotinnen», sagt er.

Jessica Rey (18) dagegen stellt den Beruf der Bekleidungsgestalterin vor. Auch sie vermutet, dass Buben sich oft nicht trauen, am Stand nachzufragen. «Es gab heute noch keinen Jungen, der sich dafür interessiert hat. Vielleicht denken sie, wenn sie die Kleider sehen: Das ist nur ein Frauenberuf», sagt sie. Dabei seien Männer in der Modebranche sehr gefragt.

«Ich bin handwerklich nicht so begabt»

Viele Jugendlichen wissen noch nicht genau, was sie werden möchten. Die meisten geben an, dass sie generell einen Beruf, der für das andere Geschlecht typisch ist, machen würden. Trotzdem sehen sich die meisten Buben eher in technischen und die Mädchen oft in Pflegeberufen. «Ich finde, man sollte es nicht trennen in Männer- und Frauenberufe», sagt Tonka Schwerdtner (14) aus Basel. «Aber ich würde nicht auf der Baustelle arbeiten gehen, weil ich handwerklich nicht so begabt bin und doch lieber mit Menschen arbeite», sagt sie.

(lb)