Widerstand gegen Sparmassnahmen

01. November 2018 18:16; Akt: 01.11.2018 18:42 Print

«Wir spüren Stress und Leistungsdruck sehr gut»

Die Basler Uni muss sparen. Nun ist klar, wie die Massnahmen dafür aussehen. Viele Studierende fürchten sich nun vor sinkender Qualität und Beeinflussung durch Unternehmen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Mittwoch gab die Universität Basel die Sparmassnahmen für die kommenden Jahre bekannt. In deren Rahmen würden die Budgets der Fakultäten und Departemente um durchschnittlich 2,5 Prozent reduziert. Insgesamt sollen in der Leistungsperiode 2018 bis 2021 rund 80 Millionen Franken eingespart werden. Auf den Bereich Lehre und Forschung entfallen davon 22,1 Millionen Franken. Insgesamt 13 Professuren sollen laut «Tageswoche» verschwinden oder abgewertet werden.

Umfrage
Wie stehen Sie zu den Sparmassnahmen an der Uni Basel?

Studierende sind verärgert über die Massnahmen und sorgen sich um die Zukunft ihrer Bildung. Die Kritischen Studierenden, eine Gruppe, die sich mit Entwicklungen an der Uni Basel auseinandersetzt, hat am Donnerstag eine Mitteilung an die Medien verschickt. «Wir wehren uns gegen Angriffe auf unsere Studiums- und Lebensbedingungen», so die Studierenden.

«Schlechteres Betreuungverhältnis und höhere Studiengebühren»

«Wir fordern eine gesicherte finanzielle Unterstützung, die die Unabhängigkeit und Qualität der Lehre und Forschung gewährleistet», so ein Sprecher der Gruppe auf Anfrage. Am deutlichsten spürbar würden die Sparmassnahmen im schlechteren Betreuungsverhältnis und den höheren Studiengebühren.

«Die steigenden Bildungskosten für die Studierenden befeuern weiter die Selektion, die das Studium für finanziell weniger gut aufgestellte Menschen unzugänglicher und damit von der sozialen Herkunft abhängig macht», sagt er. Die stärkere finanzielle Belastung des Einzelnen erhöhe die Notwendigkeit, neben dem Studium zu arbeiten. «Den Stress bei der Arbeit und den Leistungsdruck in der Uni spüren wir sehr gut», so der Student im Namen der Gruppe.

Grössere Belastung für Studenten und Angestellte

Der Abbau von Professuren und Betreuungsstellen führe zudem zu einem höheren Druck auf die Angestellten selbst, die für mehr Studierende, Doktorierende und Assistierende zuständig seien. Auch die Unsicherheit, ob es gewisse Fächer noch auf Dauer geben wird, belaste die Studierenden. Schon im September hatten sie mit einer Aktion auf dieses Problem aufmerksam gemacht: «Wann wird dein Fach gestrichen?», war auf einem Banner zu lesen.

«Ganz generell befürchten wir einen weiter zunehmenden Einfluss der Marktwirtschaft auf die Uni», so die «Kritischen Studierenden». Wenn die öffentliche Hand nicht mehr bereit sei, Bildungsinstitutionen so zu unterstützen, dass diese ihre Leistungen selbst erbringen kann, werde zunehmend bei Unternehmen nach Geldern gefragt. «Durch verstärkte Drittmittelfinanzierung bestimmen Unternehmen über die Inhalte der Forschung und Lehre», befürchten sie.

Skuba und Förderverein mit Lob und Tadel

Auch Irina van Bürck, Vizepräsidentin der Studentischen Körperschaft der Universität (Skuba), steht den Sparmassnahmen kritisch gegenüber und macht sich Sorgen um die Qualität der Lehre. Was die Massnahmen für die Studierenden konkret bedeuten würden, sei derzeit schwer zu sagen. Positiv findet van Brück aber, dass die Uni die Umsetzung der Sparmassnahmen in engem Austausch mit den Fakultäten vorgenommen hat.

Der Vorstand des Fördervereins Universität Basel lobt in einer Medienmitteilung die Umsetzung der Sparziele. Man begrüsse insbesondere, dass die Massnahmen «nicht nach der Rasenmähermethode erfolgt sind», heisst es. Von den Regierungen der beiden Basel erwarte er aber, dass sie sich auf eine substantielle Steigerung der finanziellen Ausstattung der Universität einigen können. «Damit kann auch das schädliche Image einer reinen Sparuniversität überwunden werden.»

(lb)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • adieuschweiz am 01.11.2018 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Zukunft für die Schweiz

    Niveau an Schulen sinkt stetig, Weiterbildung ist fast unbezahlbar, Hochschulen werden finanzielle Mittel gestrichen, Forschung wird zurückgeschraubt, und man holt sich abertausende an ungebildeten Menschen ins Land. Eigene Ärzte haben wir auch nicht mehr, aber interessierten legt man Steine in den Weg. Was ist bloss aus der Schweiz geworden? Wo wird das noch hinführen?

  • wurks am 01.11.2018 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Propaganda oder was?

    Die Basler Uni muss sparen. Schulreisli müssen künftig von den Eltern finanziert werden, denn die Schulen müssen sparen. Die Migros baut 100 IT-Stellen ab, denn sie müssen sparen. Dabei wird doch überall in den Medien behauptet, wie sehr die Wirtschaft "brummt" und dass es uns so gut gehe wie noch nie! Warum muss denn derart gespart werden? Da passt doch einiges nicht ganz zusammen!

    einklappen einklappen
  • Ameliore am 01.11.2018 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    Naja solange Bertelsmann

    weiter an seinem Profil für "gute" Universitäten festhält und weiter oben in der Hierarchie weiterhin dafür sorgt, dass die Hebel entsprechend gestellt werden... Statt auf Kooperation wird unsere Welt auf Konkurrenz ausgelegt, Universitäten zu privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen umgekrempelt und schlussendlich fragt man sich, warum die Eliten immer elitärer werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • arbeieter unstudiert am 02.11.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    studieren ist nicht alles...

    dann studiert doch ganz einfach nicht.

  • Kofi am 01.11.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Komisch! Und bei den Fachhochschulen werden neueste teure Gebäude gebaut, die Dozentenzahl nahm und nimmt wohl noch immer extrem zu... Werbung für die Fachhochschulen an allen Ecken, sogar ganze Trämlis werden als Werbefläche bezahlt. Die könnens mit grossen Kellen ausgeben, das Geld. Mein Eindruck.

  • Bär14 am 01.11.2018 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forderungen......

    Nur immer fordern!!! Studiengebühren erhöhen Leistungdruck erhöhen und diejenigen die sich gestresst fühlen und sich nicht dem Stress aussetzen können sollten die konsequenten ziehen, das heisst........

  • Armin am 01.11.2018 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Studiengebühren zu billig

    Würde man die absolut billigen Studiegebühren etwas erhöhen und beiAusl. mehr verlangen so müsste an den Unis weniger gespart werden. Heute hat jeder das Gefühl er müss irgendetwas wenn auch zum voraus schon bekannt ein brotloses Studium sprich Hobby vom Steuerzahler finanziert bekommen. Frei nach dem Motto: da studiere ich mal eben Geschichte oder Germanistik, oder sonst was weil ich nicht weiss was ich überhaupt arbeiten will und wie ich in Zukunft den Lebensunterhalt verdienen will. Hotel Mama gibt es ja auch noch mit bald 30ig.

  • Pauline Jg 36 am 01.11.2018 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kurse gestrichen

    Oft werden jetzt Kurse gestrichen, ohne dass eine entsprechende Alternative da ist. (Mein Enkel ist an der Uni)