Elektro-Rollstuhl auf der A2

26. Juni 2019 12:06; Akt: 26.06.2019 12:17 Print

«War verwundert, dass die Autos so schnell sind»

Die Fahrerin eines Elektro-Rollstuhls verirrte sich auf die Autobahn A2. Der Lenker eines Lieferwagens reagierte geistesgegenwärtig und eskortierte die Frau, bis die Polizei kam.

Das Video, auf dem zu sehen ist, wie der Lieferwagen den Elektro-Rollstuhl eskortiert, kursiert derzeit auf Whatsapp. (Video: Leser-Reporter)
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Plötzlich tauchte am Dienstagmittag kurz vor 12 Uhr ein Elektro-Rollstuhl vor dem Lieferwagen von Sven R.* auf. Das Aussergewöhnliche daran: Er war auf der Autobahn A2 in Basel unterwegs. «Als der Lieferwagen vor mir ausscherte, sah ich eine Elektro-Rollstuhlfahrerin, die gerade auf die Autobahn auffuhr», erzählt er.

Er reagierte sofort, verlangsamte, stellte den Warnblinker an und fuhr mit seinem Lieferwagen schützend hinter dem Elektrorollstuhl her. Ein Video, das zurzeit auf Whatsapp kursiert, zeigt die ungewöhnliche Eskorte.

«Gleichzeitig rief ich die Polizei an und blieb in stetigem Austausch mit der Zentrale.» Die Elektrorollstuhlfahrerin fuhr unterdessen scheinbar unbeeindruckt weiter auf der rechten Spur. «Als sie in den Tunnel fuhr, machte die Frau sogar das Licht am Rollstuhl an. Sie schien mir nicht verwirrt», erzählt R.

Chauffeur bremste die Frau aus

Ganz so sorglos wie die Rollstuhlfahrerin war R. aber nicht. Gegen Ende des Tunnels verengt sich die Strasse auf eine Spur. «Ich fuhr also neben die Frau, sprach sie an und bat sie, anzuhalten», so R. Die Frau, die er auf Mitte 40 schätzt, fuhr rechts ran und hielt an.

Er habe sie gefragt, ob sie überhaupt wisse, wo sie sei. «Ja, auf der Strasse», habe sie geantwortet. Als er sie aufklärte, dass sie sich auf der Autobahn befinde, meinte sie: «Ich habe mich noch gewundert, dass die Autos heute so schnell unterwegs sind».

Die Frau erklärte, dass sie nur kurz im nahe gelegenen Grosshandel einkaufen wollte. Dabei war sie offensichtlich falsch abgebogen.

Kaum einer wollte helfen

«Es kam mir vor, wie Stunden, aber nach gut fünf Minuten war die Autobahnpolizei da», erzählt R. In diesen fünf Minuten seien unzählige Fahrzeuge an ihm und der Rollstuhlfahrerin vorbeigefahren. «Aber nur einer hat gefragt, ob er irgendwie helfen könne. Alle anderen haben nur geglotzt oder Videos gemacht. Das macht mich traurig und wütend.»

Die Verkehrspolizei sperrte schliesslich per Lichtsignal die Autobahn ab und eskortierte die Frau von der Autobahn. Sie muss nun mit einer Busse rechnen. «Genau so wie die Autofahrer, die die rote Ampel auf der Autobahn missachtet haben», betont Polizeiprecher Martin Schütz, der den Vorfall gegenüber 20 Minuten bestätigt.

Für R., der die verirrte Rollstuhlfahrerin eskortierte, findet er lobende Worte: «Es ist sehr wertvoll, wenn man in einer solchen Situation vorsichtig eingreift und unterstützt.»

*Name der Redaktion bekannt.

(kom)