Ärger über Kinder-Konzert

18. November 2019 18:44; Akt: 19.11.2019 16:22 Print

«Da fühle ich mich als Schweizer beleidigt»

Ein Konzert von Primarschülern in Pratteln BL wird kritisiert: Nur ein Schweizer Lied schaffte es ins Repertoire. Die Schule beschwichtigt.

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Ein Konzert von Primarschülern spaltet zurzeit in der Facebookgruppe «Du bisch vo Prattele wenn...» die Meinungen. Die Diskussion ins Rollen brachte der ausführliche Post eines Zuschauers, dem der Konzertauftritt von Primarschülern «zu global», «zu multikulti» uns «zu wenig schweizerisch» war.

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Was halten Sie von der Konzert-Kritik? Ein Schweizer Song, reicht das aus?

Den Auftakt des Konzertes vom 15. November habe ein türkisches Lied gemacht. Es folgten indische, albanische, spanische und portugiesische Interpretationen, wie er schreibt. «Ich habe einen Schweizer Song, beispielsweise Mani Matter, vermisst», so der Vater von drei Söhnen.

«Zu Beginn des Konzertes lief Musik aus den Boxen. Da war nichts mit Schweizerdeutsch darunter. Das ist schon ein wenig hanebüchen. Entschuldigung, doch da fühle ich mich als Schweizer beleidigt», nervt er sich. Seine Worte sollten als «kleiner Anreiz» dienen, bei einem zukünftigen musikalischen Anlass wieder vermehrt aufs Schweizer Liederrepertoire zurückzugreifen, so der Mann.

«Mehr Swissness»

Es gehe ihm per se nicht um das Konzert, sagt er gegenüber 20 Minuten. Die Kinder hätten einen «super Job» gemacht und der Anlass sei professionell aufgezogen worden. Für ihn sei es eine Grundsatzfrage, er fordert: «ein bisschen mehr Swissness.»

Auf diesen Facebook-Eintrag folgten, hitzige Kommentare: Vor allem von Personen, die ebenfalls angaben das Konzert besucht zu haben. «Was für eine respektlose und undankbare Schilderung den Kindern, deren Eltern und der Schule gegenüber, die sich sicher so sehr auf das Konzert gefreut und vor allem sicher viel geübt haben», schreibt eine Frau.

«Mehr auf tolle Leistung achten, statt sich aufzuregen»

Ein weiterer User äussert sich wie folgt: «Also ich war auch an dem Konzert und sie haben ein Lied von Andrew Bond gesungen, auf Schweizerdeutsch. Eventuell hättest du dich mehr auf die tolle Leistung der Kinder achten müssen statt dich aufzuregen.»

Die Kritik des Mannes erntet aber auch zustimmende Worte: «Bin genau deiner Meinung.» Eine andere Frau, schreibt, sie verstehe nicht, wieso der Mann von einigen Usern angegangen werde, «nur weil ein Schweizer es wagt, zu fordern, dass auch unsere Tradition mehr zur Geltung gebracht und gepflegt wird».

Motto «We are the world»

Die Schulleitung habe von der Diskussion rund um das Konzert ihrer Schüler nichts mitbekommen, wie es auf Anfrage heisst. Die Kritik am Konzert, sei schwer nachzuvollziehen. Denn: Der Anlass habe unter dem Motto «We are the world» stattgefunden. «Wir haben eine sehr internationale Schülerschaft», so die Schulleiterinnen Daniela Gloor und Kathrin Schwerzmann. Auch das Publikum sei sehr vielfältig.

Vier Schulleitungen seien am Projekt beteiligt gewesen und hätten
das Programm auf die Beine gestellt. «Wichtig waren Lieder, die motivieren und die leistbar sind für die Kinder», so die Leiterinnen. Das Programm habe sowohl klassische als auch moderne Stücke beinhaltet. «Sie hatten eine riesen Freude und es war eine gelungene Mischung», so Gloor und Schwerzmann.

Die Kritik des Besuchers, der gegenüber der Öffentlichkeit anonym bleiben möchte, bezog sich auf den eingespielten Vorspann des Konzertes und nicht auf die Darbietung der Schüler selbst, die absolut super gewesen sei, wie der Mann gegenüber 20 Minuten betont. Er legt Wert auf die Feststellung einzig bemängelt zu haben, dass im Vorspann des Konzerts kein Schweizer Liedgut integriert wurde.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grisu am 19.11.2019 04:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Motto?

    Das Motto sagt ja schon alles. Weshalb genau sollen da also mehr Lieder aus der Schweiz dabei sein?

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  • Markus Thommen am 19.11.2019 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konstruktive Kritik ja aber nicht um jeden Preis

    Ich war auch am Konzert, denn mein Grosskind hat mitgesungen und bin sehr erfreut über die grosse Arbeit und den Auftritt der Kinder. Die Song Auswahl war sehr abwechslungsreich und der Auftritt der vielen Kinder hat mich erfreut und sehr berührt. Alles kann man kritisieren aber man sollte die Freude und die Erfahrung für die Kinder in den Vordergrund stellen. Musik und Emotionen Musik kann uns zum Weinen bringen. Sie kann uns beim Sport zu Höchstleistungen treiben. Sie beruhigt uns, macht uns traurig ängstlich oder glücklich. Nur eines tut Musik nie; Sie lässt uns niemals kalt.

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  • Juli A. am 19.11.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Tatsache ist doch, dass von uns Schweizern in der Schweiz erwartet wird, dass wir offen sind anderen Kulturen gegenüber.Aber wehe wir erwarten dies auch...tja, so verkehrt läuft Integration.Die Schulen sind das beste Beispiel dafür.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrej Mauster am 19.11.2019 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daneben

    Das der Auftakt mit Türkisch anstelle, von Schweizerlied gemacht wurde, find ich sowieso daneben. Zum einen sind wir in der CH, und nicht in der Türkey. Was nach nachher kommt ist egal. Und ein letztes Lied sollte auch Schweizerisch sein. War nicht dort. Muss dem Kritiker voll recht geben. Trotz dem "guten Kinder Auftritt". Der Fehler liegt in der Lieder Reihenfolge , und somit dem Leiter. Wir sind eben Meister darin unsere eigene Kultur zu untergraben. Kein land tut das.

  • Farsight am 19.11.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    schlimm so was

    und heute morgen schalte ich das Radio ein und es läuft Musik mit Englischen Texten. Ein Skandal für einen Schweizer Radiosender.

  • San.me am 19.11.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teil der Welt?!

    Es ist schon unglaublich es wird sich nur noch beschwert, genörgelt und gemotzt mit jedem Thema rennt man zu den Medien und spielt sich damit auf... wieso kann ein solches Konzert nicht einfach genossen werden? Das Thema steht unter dem Motto "We are the World" da ist die Welt das Thema und nicht die Schweiz allein... das traurige ist doch das wir in allem den Verlust von Schweizer Werten sehen oder unsere Tradition an den A.... geht. Keine Angst die Schweiz bleibt die Schweiz sie geht nicht unter nur weil wir ein Teil der Welt sind.

  • L T am 19.11.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kulti multi

    Basel ist die Stadt mit der höchsten Verbrecher Quote, warum? Warum werden keine Schweizer Lieder gespielt, warum? Merkt jemand was? (Übrigens Basel Land oder Stadt ist "Hans was Heiri")

  • Der echte Schweizer am 19.11.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder, gut gemacht.

    Mehr "Swissness" findet der "beleidigte Schweizer" an vielen Orten, zum Beispiel:" Zuhause und offline oder auch im Kuhstall".