Kein Platz in Kitas

05. Dezember 2018 15:32; Akt: 05.12.2018 22:43 Print

«Eine Lösung zu finden, bleibt an Frauen hängen»

Eine Basler Mutter nervt sich auf Twitter, weil sie keinen Kita-Platz für ihr Kind findet. Von offizieller Seite riet man ihr, doch einfach nicht arbeiten zu gehen.

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Lange Wartefristen für Kita-Plätze sorgen bei Eltern für Empörung. (Bild: Keystone/Christian Charisius)

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Fünf Besuche, sechs Telefonate und nur Absagen: Pascale Hofmeier, Redaktorin und Mutter eines drei Monate alten Sohnes, erlebt momentan die Schwierigkeit, Job und Familie unter einen Hut zu bringen, denn bislang bekam sie nur Absagen von Basler Kindertagesstätten, wie die «Basler Zeitung» schreibt.

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Grossmütter anstatt Kitas

Schon vor der Geburt ihres Sohnes begann Hofmeier mit der Suche nach einem Kita-Platz, denn die Mutter plant, am 1. März ihre 60-Prozent-Stelle an ihrem Arbeitsplatz beim Schweizerischen Nationalfonds wieder aufzunehmen.

Bei der Basler Fachstelle Tagesbetreuung suchte Hofmeier nach Rat, erhielt aber stattdessen nur wenig hilfreiche Vorschläge: «Es kam der Input, eine der Grossmütter könnte ja vielleicht die Betreuung übernehmen», erzählt sie der BaZ. Wenn das jedoch nicht klappen sollte, könne sie ja den Arbeitseinstieg verschieben. Für Hofmeier ist das aber keine Option: «Ich muss und will zurück zur Arbeit. Eine Lösung zu finden, bleibt einmal mehr an den Frauen hängen.»

Auf Twitter machte die Mutter ihrem Ärger Luft: «Wenn dir die Fachstelle Tagesbetreuung ernsthaft rät, doch später wieder arbeiten zu gehen, weil alle #Kitas voll sind. Willkommen in @BaselStadt #2018 äh 1820 #fail.»


«Kind zum falschen Zeitpunkt geboren»

Hofmeier ist mit ihrer Kritik an der Fachstelle Tagesbetreuung nicht alleine. Eine andere junge Mutter hatte ein halbes Jahr vor der Geburt ihres Kindes einen Kita-Platz beantragt. Sie erzählt gegenüber 20 Minuten, man habe ihr später auf Nachfrage vor Ort einfach gesagt, dass es nun mal schwierig sei, für ihr im Oktober geborenes Kind auf Anfang Januar einen Betreuungsplatz zu finden. «Es war eine absurde Situation, weil man mir indirekt unterstellt hat, dass ich mein Kind doch zu einem anderen Zeitpunkt hätte bekommen sollen», so die Mutter.

SP-Grossrätin Kerstin Wenk versteht den Ärger der Mütter: «Den Ratschlag von der Fachstelle finde ich schlecht. Natürlich sollte das in Zukunft nicht mehr der Fall sein, momentan zeigen solche Fälle aber ein Spannungsfeld, das noch nicht gelöst ist.»

In Basel seien solche Fälle bekannt, in Zukunft sehe sie aber eine Verbesserung der Situation: «Ich hoffe auf eine Lösung durch das Tagesbetreuungsgesetz, mit dem die Regelung besser werden soll und mehr Kita-Plätze entstehen sollen.»

Viele Kita-Plätze

Das Basler Erziehungsdepartement (ED) verteidigt indessen das Kita-Angebot. Basel habe mit über 4000 Kita-Plätzen schweizweit die höchste Angebotsdichte, so ED-Sprecher Simon Thiriet: «Die Vermittlung wird schwieriger, wenn jemand ein bestimmtes Tagesheim wünscht oder die Betreuungszeiten beispielsweise noch nicht kennt.» Wer sich rechtzeitig bei der Vermittlungsstelle Tagesheim melde, erhalte Unterstützung und einen Platz in einem Tagesheim innert angemessener Frist.

Diese Antwort scheint Hofmeier nicht zu genügen, wie sie auf Facebook deutlich macht: «Wenns doch genügend Plätze gäbe, warum finden wir dann keinen?»


(mis )

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GIL am 05.12.2018 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das würde ich nicht übers Herz bringen

    3 Monate und schon in die Kita!! In ständiger sorge würde nicht arbeiten können. Das wohl des Kindes hat oberste Priorität.

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  • Sulee am 05.12.2018 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5er und s'Weggli

    Viele wollen den 5er und das Weggli ( Arbeit und Kinder). Ich habe nach der Geburt unseres 1. Kindes 6 Jahre nicht gearbeitet obwohl es finanziell eng war.

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  • Sulejka am 05.12.2018 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    über die Bücher gehen

    Frau Hofmeier sollte mal über die Bücher gehen und ausrechnen wieviel sie verdient, wie viel mehr Steuern sie bezahlen muss und wieviel sie für die Kita noch hinblättern muss, danach wird sie wohl nicht mehr arbeiten wollen, denn die paar Franken die übrig bleiben rentieren eh nicht .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lena am 22.12.2018 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Welches Jahrhundert?

    OMG!!! Seid Ihr wirklich so intolerant gegenüber Eltern, die Kitas oder Kindergrippe in Anspruch nehmen? 21. Jahrhundert, schonmal davon gehört?vdas ist ein absolut privater Entscheid!!!!!

  • Edmo am 06.12.2018 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Spielen wir doch ein wenig DDR

    Frisch fröhlich auf eigene Initiative Kinder in die Welt setzen und dann laut jammern, wenn man sie nicht umgehend in der staatlichen Obhut deponieren kann. Eigenverantwortliches Handeln war früher. Heute spielen wir lieber DDR.

  • E.G. am 06.12.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eigeninitiative?

    Ich habe meine Tochter alleine grossgezogen, ohne Kita, Oma nur mit Nachbarinen, wir haben uns selbst organisiert. Warum soll der Staat für alles zuständig sein? Wir sind doch auch Selbstverantwortliche Wesen. Viele Frauen- Mütter beklagen sich über mangelnden Sozialen Kontakt. Bitte selber Aktiv werden. Sicher in einer Stadt nicht so ein grosses Problem. Nach nur 3- 6 Monaten auf dieser Welt, schon Fremdbetreut, also ich weiss nicht warum man mit dieser Einstellung ein Kind auf die Welt stellt, Egoismus???

  • Sonne am 06.12.2018 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Vorverurteilung nicht angebracht

    Ich finde die gehässigen Kommentare daneben. 1. Niemand weiss aus welchen Gründen die Frau so schnell wieder arbeiten gehen will. 2. Werden im Ausland Facharbeiter gesucht. Es wird darüber nachgedacht, dass Frauen die halbtags arbeiten mehr Arbeitszeit übernehmen. Also wieso diese Hürden bei einer Frau die ihre Arbeitskraft zur Vergfügung stellen will? 3. Nicht jedes Mammi hat eine Familie die helfen kann. 4. Alle Mütter die zu Hause beim Kind bleiben können, sollten glücklich darüber sein und andere Frauen, die das nicht können, nicht verurteilen

  • Linda am 05.12.2018 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Was macht ihr Mann?

    Kind anschaffen, kein Mann aber 60% arbeiten wollen mit einem Kleinkind das noch nicht einmal in den Kindergarten geht und dann sind alle anderen schuld. Das ist leider typisch geworden. Sie hatte es in der Hand vor ihrer Schwangerschaft abzuklären ob sie Lebensumstände hat die ein Kind erlauben oder nicht.