Diesel- statt Gasbusse

19. März 2014 16:21; Akt: 19.03.2014 17:38 Print

«Wir müssen nehmen, was der Markt anbietet»

von Lukas Hausendorf - Mit der Beschaffung von Dieselbussen stossen die Basler Verkehrsbetriebe einen Volksentscheid aus dem Jahr 2007 um. Die Unternehmensführung verteidigt ihre Strategie.

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Dieser Bus wird in Zukunft das Stadtbild prägen. Die BVB beschaffen bis in drei Jahren 46 dieser Dieselgelenkbusse vom Typ Citaro 530G von Mercedes. (Bild: BVB)

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Am Mittwochmorgen gaben die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) die Details zur Beschaffung von 46 Dieselbussen der neusten Generation für den Ersatz ihrer bestehenden Flotte bekannt. Für 31 Millionen Franken werden bis Ende des nächsten Jahres 46 Gelenkbusse des Typs Citaro 530G von Mercedes beschafft. Zudem besteht eine Option auf 60 weitere Busse des gleichen Typs. Der 18 Meter lange Bus wird mit 40 Ledersitzen ausgestattet und bietet 100 Stehplätze.

Der Deal machte schon im Februar Schlagzeilen, weil er dem 2007 geäusserten Volkswillen widerspricht. Damals hatte das Basler Stimmvolk den Gegenvorschlag zur Trolleybusinitiative angenommen, der die sukzessive Umrüstung der Busflotte auf Bio- und Erdgas bis zum Jahr 2016 versprach. Zudem überwies der Grosse Rat vergangenen Herbst eine Motion der SP, die innert zehn Jahren einen Busbetrieb ausschliesslich mit regenerativen Energien verlangt.

Diesel ist die beste Variante

Die BVB-Führung verteidigt ihre Beschaffungsstrategie und weist den Vorwurf zurück, den Volksentscheid zu ignorieren. «Wir sind bemüht, den Volkswillen bei den gegebenen Rahmenbedingungen umzusetzen», so Interimsdirektor Michael Bont. «Die Frage ist am Ende: was kann der Markt liefern», präzisiert Marcel Kuttler, Leiter Technik des Unternehmens. Und dieser liefert Dieselbusse, welche die neueste Abgasnorm Euro VI einhalten. «Damit kommen wir ökologisch noch besser weg als mit Erdgasbussen», so Bont.

Vom Tisch sind vorerst auch Biogasbusse. Diese seien keine Option, weil dafür nicht genügend Treibstoff in der Region produziert werden könne. Für die im Einsatz stehenden Fahrzeuge ist die Versorgung mit den Industriellen Werken Basel (IWB) bis 2020 abgesichert. Und ausserdem seien die Betriebskosten im Vergleich zum Diesel teurer, führt Bont aus.

Tüfteln am Bus der Zukunft

In vier Jahren steht bei den BVB bereits wieder die nächste grosse Busbeschaffung ins Haus. Dann wird die Gasbusflotte ersetzt. Bis dahin wird mit anderen städtischen Transportunternehmen und dem Bau- und Verkehrsdepartemen am Bus der Zukunft getüftelt. Die Richtung ist noch nicht klar. «Es kann Hybrid, Elektro oder auch eine anderer Antriebstechnologie sein», sagt Bont. In den kommenden vier Jahren will man nun auch mit Versuchsbetrieben und gemeinsam mit der Industrie Entscheidungsgrundlagen erarbeiten.

Mit Elektromotoren wird bereits nächstes Jahr ein Versuch auf den Kleinbuslinien gestartet. Die ersten vollelektrischen Fahrzeuge sollen bereits 2016 auf dem Liniennetz verkehren.

Kritik reisst nicht ab

Grossrat Jörg Vitelli (SP), der 2007 erfolglos für Trolleybusse gekämpft hatte, will jetzt nicht tatenlos zusehen, wie die BVB sich über den Volksentscheid hinwegsetzt. Der Co-Präsident des Komitees Pro Trolleybus verlangt die unverzügliche Wiederinstallation der heruntergerissenen Fahrleitungen und statt der Option für 60 Dieselgelenkbusse die Beschaffung von 60 Trolleybussen. «Die einzige Option für einen umweltfreundlichen, leisen und mit erneuerbaren Energien verkehrenden Bus ist der elektrische Trolleybus», sagt Vitelli. Er behält sich auch vor, dafür wieder Unterschriften sammeln zu gehen. Vorerst will er aber abwarten.

In einer gestern versandten Interpellation drückt auch Grossrätin Brigitte Heilbronner (SP) ihren Unmut über die Beschaffungsstrategie des staatseigenen Verkehrsbetriebs aus. «Der Grosse Rat und das Basler Stimmvolk kommen sich verschaukelt vor, wenn die Regierung als Eigner der BVB zulässt, dass die BVB schon nach kurzer Zeit ihre Strategie ändern dürfen», moniert sie darin. Bissig fragt sie die Regierung, ob ihr die Grossratsbeschlüsse und die Abstimmung vom Juni 2007 noch bekannt seien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bo-beo am 19.03.2014 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    7 Jahre....

    Ich kenne mich mit den Technologien gut aus und bin nicht Basler. Ich kann nur sagen, dass Gas-Busse im Unterhalt und Betrieb teurer sind als die Diesel-Busse. Zudem kommt hinzu, dass bei Gas FZ die Euro 6 Norm nicht gilt... Und in 7 Jahren ist Diesel viel weiter gekommen als die Stimmbürger damals dachten....

  • Luzern/Zug/Zürich am 20.03.2014 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes Benz Diesel

    Kann die ganze Aufregung gar nicht verstehen. Bin täglich in Zürich, Zug und Luzern. Hier wurde noch nie über irgendwelche Busse abgeatimmt. Es waren immer alle zufrieden. In Zug und Luzern verkehren immer mehr neuste Merz-Diesel-Busse. Sind wie ehrlich, Merz hat schon immer die schönsten und besten Busse geliefert. Und naja Paris mt der CH zu vergleichen ist wohl lächerlich.man schaue sich schon nur die Einwohnerzahlen von Paris und Aglo an.

  • Hans Thommen am 20.03.2014 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinliche Politiker. Technik entwickelt sich tägli

    Diese Politiker haben keine Ahnung. Das machen diese Äusserungen so peinlich. Gas ist für den öV vom Tisch. Das hat nichts mit Politik zu tun. Das ist Technik. Trolleybusse sollen da laufen, wo die Infrastruktur vorhanden ist. Das war sie in Basel mit gerade mal einer Linie nie. Die neuen Euro 6 Normen sind absolut neuester Stand. Bevor ich also auf ein Podium oder vor ein Mikrofon stehe, sollten sich Politiker informieren. Das ist halt aufwändiger als dieses ecklige Gekreische.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Luzern/Zug/Zürich am 20.03.2014 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mercedes Benz Diesel

    Kann die ganze Aufregung gar nicht verstehen. Bin täglich in Zürich, Zug und Luzern. Hier wurde noch nie über irgendwelche Busse abgeatimmt. Es waren immer alle zufrieden. In Zug und Luzern verkehren immer mehr neuste Merz-Diesel-Busse. Sind wie ehrlich, Merz hat schon immer die schönsten und besten Busse geliefert. Und naja Paris mt der CH zu vergleichen ist wohl lächerlich.man schaue sich schon nur die Einwohnerzahlen von Paris und Aglo an.

  • Tim am 20.03.2014 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdgas ist schlecht

    Erdgas hat keone kraft das bringt nix.. Wen gas dan lpg wie in anderen ländern mehr kraft und auch noch höhere reichweite.

  • S. Icher-Nicht am 20.03.2014 02:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuern f. selbstherrliche Beamte?

    «Wir müssen das Geld ausgeben das der Arbeitsmarkt so hergibt, Steuern zu begleichen ist dabei nicht vorgesehen...» ...dies ist eine logische Konsequenz aus der selbstverständlichen Missachtung des Volkswillens !!!

  • Silvano am 20.03.2014 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Ebtscheid

    Alternative Energien bringen IMMER einen Nachteil mit sich. Bei Strom ist es das Tempo, bei Gas die Unterhaltskosten. Alternative Antriebe sind noch zu unausgereift um jeden Tag damit zu arbeiten. Die Basler sollen ruhig beim Diesel bleiben. Wir St. Galler nerven uns jedenfalls fast täglich ab den Trolleybussen.

  • Hans Thommen am 20.03.2014 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peinliche Politiker. Technik entwickelt sich tägli

    Diese Politiker haben keine Ahnung. Das machen diese Äusserungen so peinlich. Gas ist für den öV vom Tisch. Das hat nichts mit Politik zu tun. Das ist Technik. Trolleybusse sollen da laufen, wo die Infrastruktur vorhanden ist. Das war sie in Basel mit gerade mal einer Linie nie. Die neuen Euro 6 Normen sind absolut neuester Stand. Bevor ich also auf ein Podium oder vor ein Mikrofon stehe, sollten sich Politiker informieren. Das ist halt aufwändiger als dieses ecklige Gekreische.