Allein unter Schnäuzen

24. Februar 2015 05:54; Akt: 24.02.2015 05:54 Print

«Wir werden auf Händen getragen»

von Lukas Hausendorf - Die Fasnachtsgesellschaft Olympia ist seit 1908 eine Männerbastion. Am Montag marschierten erstmals zwei Damen am Cortège mit. Die Quotenfrauen sind begeistert.

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«Schnauze Fräulein!», lautet das diesjährige Motto der Fasnachtsgesellschaft Olympia. Die Männerclique spielt frech mit der Frauenquote und lässt sich von der Damenwelt die Leviten lesen. Von einer «Dütschen» notabene. Ihren Zeedel liessen sie sich von einer Gastautorin mit «Germanisationshintergrund» und wohnhaft bei Zürich dichten, die höchstens in die Küche geht, um ihren Nacktputzer zu instruieren.

Teil des Sujets war bei den Olympern heuer auch ein Tabubruch: Erstmals in der 107-jährigen Geschichte sollen auch Frauen mitmarschieren. Zum Vogel Gryff wurde dies publik. «Wir lasen es damals im 20 Minuten und dachten uns: Einmal im Leben bei der Olympia, das wäre der Wahnsinn», erzählt Sabina Glaser. Flugs meldete sie sich mit ihrer Schwester Eveline an. «Sie gaben ein super Dossier ab, mit Fotos und Lebenslauf», sagt Olympia-Obmaa Oscar Olano.

Rundum-Sorglos-Paket für die Damen

Glaser und ihre Schwester waren am Montag nach der ersten Etappe am Cortège voll des Lobes. Allein unter Schnäuzen? Gar nicht schlimm, finden sie. «Wir werden auf Händen getragen. Das sind also alles echte Ehrenmänner hier», sagt Sabina Glaser. Als Pfeiferin musste sie sich auf die Fasnacht mit der Olympia gut vorbereiten. 80 Prozent des Cliquenrepertoires müsse man beherrschen, hiess es in der Ausschreibung. Als langjährige Fasnächtlerin, die im nicht minder traditionsreichen Barbara-Club das Piccolo-Spielen lernte, war sie mit vielem schon vertraut. Trotzdem sei sie vor der Fasnacht täglich eine Stunde in die Waschküche üben gegangen.

Einfacher hatte es ihre Schwester, die im Vortrab mitmarschierte. Das Handwerk des Zeedel-Verteilens braucht weniger Übung. Für ihren Einsatz erhielten beide ein massgeschneidertes Goschdym, eine Larve und ein feines Nachtessen. Obendrauf noch eine Einladung zum Bummel und eine Olympia-Chronik.

Erlesene Damen unter Ehrenmännern

Die Geschwister Sabina und Eveline werden am zweiten Cortège am Mittwoch durch zwei anderen weibliche Ehrengäste ersetzt. Für die insgesamt vier Plätze, die die Olympia den Damen für die Fasnacht zu vergeben hatte, sind insgesamt zehn Bewerbungen eingegangen. Eine wurde allerdings zurückgezogen. Angeblich, weil ihre Stammclique die Dame dazu gedrängt hatte. Das glaubt Olympia-Obmaa Olano aber nicht. Vielleich habe sie der Mut verlassen, mutmasst er.

Vielleicht lag es auch am Goschdym. Zeedel-Gastautorin Dr. Pia O. Lymp sagt es ganz unverblümt: «Das ist rosa, hallo!? Warum seid ihr Mädchen nicht gleich im Tutu aufmarschiert? Das olympische Heer der Ballerinas!»