Strafgericht Basel-Stadt

17. Februar 2020 17:54; Akt: 17.02.2020 17:54 Print

«Wurde von den Baslern zusammengetschuttet»

Zwölf Personen wurden im Zusammenhang mit der Hooligan-Schlacht vom 19. Mai 2018 in Basel vom Strafgericht befragt. Die meisten sagten wenig, doch das Gesagte liess tief blicken.

Am Montag wurden die Beschuldigten befragt. (Video: mhu/las)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Montag begann der Prozess gegen zwölf Personen, die an der Strassenschlacht zwischen Hooligans am 19. Mai 2018 in Basel beteiligt gewesen sein sollen. Laut der Anklageschrift sollen sich gewaltbereite Anhänger des FC Zürich, des Grasshoppers Club Zürich und des Karlsruher Sport-Clubs zusammengerottet haben, um auf Fans des FC Basel loszugehen.

Die Konfrontation endete damit, dass die Angreifer von den Baslern in die Flucht geschlagen wurden. Es wurden mehrere Personen auf beiden Seiten verletzt. Ein heute 30-jähriger FCB-Anhänger erlitt zahlreiche Hautschürfungen und einen Sprunggelenkbruch, als er niedergeschlagen und getreten wurde. Die Staatsanwaltschaft geht in dem Fall von versuchter schwerer Körperverletzung aus.

Wortkarge Beschuldigte

Aus den mutmasslichen Schlägern, heute im Alter zwischen 23 und 36 Jahren, war am Montag kaum etwas herauszukriegen. Einige von ihnen gaben zu, an der Schlacht beteiligt gewesen zu sein. Sie dementierten aber alles, was sich nicht offensichtlich beweisen liess. Exemplarisch dafür war folgender Austausch zwischen der Gerichtspräsidentin und einem 31-jährigen Beschuldigten: «Sagt Ihnen ZKH (Zürichs Kranke Horde, Anm. d. Red.) etwas?», wollte sie wissen. «Nein», sagte er. «Sie haben aber ein ZKH-Tattoo», entgegnete sie. «Keine Aussage», sagte er.

Die Befragung der Männer ging den ganzen Tag so weiter. Zwei von ihnen wurden von der Polizei angehalten, als sie sich im Gebüsch versteckten. Wieso sie das taten, wollten sie nicht sagen. Einer von ihnen stellte sich gar als Opfer dar: «Ich war da», gab er zwar zu. «Aber ich wurde von den Baslern zusammengetschuttet, nachdem ich aus dem Auto ausgestiegen war», gab er zu Protokoll. Was er an dem Tag in Basel machte, war ihm nicht zu entlocken. Auch die Personen, mit denen er auf Überwachungsvideos zu sehen ist, will er nicht kennen. «Wohl Spaziergänger», sagte er. Die Ermittler gehen davon aus, dass zwei der «Spaziergänger» am Montag neben ihm auf der Anklagebank sassen.

Stur bis zum Schluss

Bei vielen der Beschuldigten ist zumindest ihre Teilnahme an der Schlacht unbestritten. Es wurden Kampfutensilien wie Quarzhandschuhe, Bandagen und Mundschütze mit ihrer DNA am Tatort gefunden. Offen ist noch, welche Tathandlungen den Männern spezifisch zugeordnet werden können. Im Falle von Schuldsprüchen haben sie jedenfalls die Chance auf eine Minderung des Strafmasses verwirkt, die ihnen bei einem Geständnis und dem Zeigen von Reue hätte zugestanden werden können. Ob dies schlichtweg eine Strategie der Verteidiger war, oder sie nicht gegen ihre Kollegen auspacken wollten, muss offen bleiben.

Die Staatsanwaltschaft wird ihr Plädoyer am Dienstag um 14 Uhr halten. Dann wird sie auch genauer auf die Verfahrensakten und die Tathandlungen eingehen. Auch die Strafanträge werden dann gestellt. Klar ist bereits jetzt, dass einem 24-jährigen Deutschen und einem 25-jährigen Syrer Landesverweise drohen. Zudem sind die meisten der Beschuldigten vorbestraft, einige haben gar in der Probezeit delinquiert. Dies dürfte das Strafmass bei Schuldsprüchen noch verschärfen.

(las)