Strafgericht BS

08. April 2019 09:34; Akt: 08.04.2019 10:37 Print

«Zeig deinen Penis und hol dir einen runter»

Ein Lehrer einer Baselbieter Sekschule soll systematisch Buben via Webcam zur Selbstbefriedigung aufgefordert haben. Auch eigene Schüler zählten zu seinen Opfern.

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Am Dienstag steht ein 38-jähriger Sekundarlehrer vor dem Basler Strafgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen 2003 und 2013 Buben auf Chatplattformen massiv unter Druck gesetzt zu haben. Angeklagt ist er unter anderem wegen mehrfacher Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Pornographie.

Während mindestens einem Jahrzehnt habe der in Basel-Stadt wohnhafte Mann in den Chats ein Ziel verfolgt: An Bilder und Videoaufnahmen von Buben zu gelangen, die zeigen, wie sie sich ausziehen und sexuell befriedigen. Um zu bekommen was er wollte, scheute er nicht davor zurück, die Kinder zu erpressen. Während der Unterhaltungen mit seinen Opfern, soll er laut Anklage in die Rolle eines jungen Mädchens geschlüpft sein. Wusste er von der Homosexualität seines Gegenübers, gab er sich als junger Mann aus. Erschreckend: Auch vor seinen eigenen Schülern habe er nicht Halt gemacht. Er unterrichtete zum Tatzeitpunkt an einer Baselbieter Sekundarschule.

Er gab sich als junges Mädchen aus

Er köderte seine jungen Opfern mit der Aussicht auf heisse Aufnahmen von Nicole, Camilla oder Luci, wie er sich selber nannte. Laut der Basler Staatsanwaltschaft habe er mit wenigen Ausnahmen immer bekommen, was er wollte: Live-Übertragungen, die zeigten, wie die Kinder sexuelle Handlungen an sich vornahmen. Dabei ging er sehr offensiv vor und forderte seine Opfer explizit zu sexuellen Handlungen auf: «Zeig deinen Penis und hol dir einen runter», lautete laut Anklage einer der Befehle.

Zögerten seine Opfer, ihm das zu geben, was er von ihnen forderte, begann er «unmittelbar Druck auf die Kinder auszuüben, indem er sie nicht nur beschimpfte und verhöhnte, sondern ihnen mit der Veröffentlichung der pornografischen Bilder und der Videos im Internet oder deren Weiterleitung an Bekannte der Opfer drohte», so die Staatsanwaltschaft.

Drohung, die Nacktbilder zu veröffentlichen

Der Anklage ist eine Konversation zu entnehmen, wie er bei den Erpressungen vorgegangen ist. «Erste Option: Du schickst mir das Bild. Zweite Option: Du wirst berühmt im Internet», drohte er. Systematisch erhöhte er den Druck auf sein Opfer: «Ich habe nicht gesagt, dass ich deine Bilder ausdrucken werde, nach Oberwil fahre und sie in deinem Schulhaus aufhänge, oder? Ich habe aber auch nicht gesagt, dass ich es nicht mache.»

Während der zehn Jahre seiner Machenschaften haben sich jede Menge Dateien mit kinderpornografischem Inhalt angesammelt. Bei der Hausdurchsuchung 2014 stiessen die Ermittler auf über 47'000 Bilder sowie 5000 Videos mit Kinderpornografie.

Um 8.15 Uhr startet am Dienstag die Verhandlung gegen den 38-Jährigen. Der Prozess dürfte auf ein grosses Interesse stossen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

(jd)