Kurz vor Lehrbeginn

24. Juli 2014 17:36; Akt: 24.07.2014 19:13 Print

Überangebot auf dem Basler Lehrstellenmarkt

von Paula Jezkova - Vielen anspruchsvollen Branchen mangelt es an Lehrlings-Nachwuchs. Als mögliche Gründe werden der Berufsstatus und zuwenig Transparenz im Ausbildungsangebot vermutet.

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Das Angebot auf dem Lehrstellenmarkt ist weiterhin gross, aber viele Jugendliche wollen keine anspruchsvolle Lehre machen. (Bild: Keystone/Urs Flueeler)

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Es herrscht ein Lehrstellen-Überangebot in den beiden Basel. Laut dem Online-Lehrstellennachweis (Lena) der Region sind aktuell 545 Stellen offen – somit haben auch Lehrstellensuchende, die bisher keinen Lehrvertrag unterschreiben konnten, noch die Möglichkeit, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Tatsächlich dürfte die Zahl offener Lehrstellen aber noch höher sein, da die Betriebe nicht verpflichtet sind, ihre Lehrstellen im Lena zu listen.

Der Angebots-Überhang an Lehrstellen erscheint noch krasser, wenn man die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge berücksichtigt. Hier wird ein Rekordwert verzeichnet. «Aktuell wurden im Baselbiet so viele abgeschlossene Lehrverträge registriert wie noch nie zuvor», sagt Jürg Schneider, Leiter der Hauptabteilung Betriebliche Ausbildung im Kanton Baselland. So wurden bis jetzt rund 1895 Lehrverträge unterschrieben – zur gleichen Zeit im Vorjahr waren es 1697 gewesen.

Gute Schüler entscheiden sich gegen Lehre

Das hohe Angebot an Lehrstellen ist jedoch nicht für alle Branchen erfreulich. «In gewissen Berufsfeldern stehen weiterhin mehr Lehrstellen offen als in anderen. So unter anderem auch in eher anspruchsvollen Ausbildungen wie zum Beispiel Polymechaniker und Lehren im Bausektor», erklärt Schneider. Gewisse Ausbildungen scheinen bei den Jugendlichen beliebter zu sein als andere. Mögliche Gründe dafür könnten etwa der Status einer Tätigkeit oder aber auch die Scheu vor physisch anspruchsvolle und sogenannte «Wind-und-Wetter Berufe» sein, so Schneider weiter. Sehr begehrt seien weiterhin kaufmännische Ausbildungen.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch René Diesch, Stellvertretender Leiter Mittelschulen und Berufsbildung im Kanton Basel-Stadt. Es fehle an Bewerbern für anspruchsvolle Berufen. «Ein Grossteil der leistungsstarken Schülerinnern und Schüler entscheiden sich immer noch eher für eine weiterführende Schule als für eine Lehre», so Diesch.

Mehr Transparenz soll Lehre attraktiver machen

Man könnte daraus schliessen, dass die Lehre an Attraktivität verliere. Diesch sieht jedoch einen anderen möglichen Grund: «Es besteht nach wie vor grosser Informationsbedarf gegenüber den Eltern und den Schülern, aber auch bei den Lehrpersonen über die Möglichkeiten, welche die Lehre bietet. Mit einer Berufsmaturität ist es möglich, auf eine Fachhochschule und zusätzlich über die sogenannte Passerelle auch an eine Universität zu gehen.»

Die Ausbildungsangebote und Möglichkeiten der beruflichen Grundbildung müssten noch transparenter gemacht werden. «Jugendliche wollen Klarheit über die Inhalte, die Anforderungen und die Perspektiven in den einzelnen Berufsfeldern», so Diesch. Dazu gehöre auch die Durchlässigkeit in weiterführende Schulen.