Mit Velo auf Trottoir gefahren

01. Dezember 2019 14:17; Akt: 01.12.2019 17:01 Print

11-Jährige erhält von Polizei «Marschbefehl»

Die Tochter eines Basler Anwalts wurde zur Belehrungsstunde bei der Polizei im Verkehrsgarten aufgeboten. Der Brief sorgt im Netz für Spott.

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«Bei unentschuldigtem Fernbleiben erfolgt eine Meldung an die Jugendanwaltschaft Basel-Stadt», schliesst das «Aufgebot zur Belehrungsstunde», das beim Familie Ordas Ende November im Briefkasten landete. Im Schreiben der Basler Polizei werden die Eltern einer 11-jährigen Tochter darauf aufmerksam gemacht, dass das Kind am 15. Januar beim unerlaubten Befahren eines Trottoirs erwischt wurde, also Monate bevor der Brief kam. Deshalb müsse das Kind nun zur Belehrungsstunde in den Vekrehrsgarten der Polizei kommen.

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Mit dem Velo auf dem Trottoir fahren...

Daniel Ordas, Adressat des Schreibens, hat den Brief nach Erhalt mit einem bissigen Kommentar auf Facebook gestellt. «Da galoppiert der Amtschimmel aber gewaltig durch die gelangweilten Büros der Obrigkeit», schreibt er. Die Jugendanwaltschaft habe tatsächlich zehn Monate gebraucht, die Vorladung bei der Polizei in Auftrag zu geben. Diese ist obendrein noch fehlerhaft. Aus der Tochter wurde im Schreiben ein Sohn. Das gab bei Ordas anfänglich Anlass für Zweifel, so dass die Echtheit des Briefs zunächst überprüft werden musste.

Normalerweise kommt Brief innert drei Wochen

«In diesem Fall ist das Schreiben offensichtlich lange liegen geblieben. Das tut uns leid und wir gehen dem nach», erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz gegenüber dem «Regionaljournal» von Radio SRF. Normalerweise geschehe das innerhalb von drei Wochen, um den maximalen erzieherischen Effekt zu erzielen.

Eine solche Vorladung erhielten alle Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren, die von der Polizei bei einem Verkehrsvergehen erwischt werden. Ziel der Übung ist laut Schreiben, «die heranwachsenden Schüler und Schülerinnen vor Verkehrsunfällen zu bewahren».

Ist die Übertretung schon verjährt?

Ordas findet das übertrieben. Seine Tochter sei schon damals sehr beeindruckt gewesen von der «uniformierten Staatsmacht» und schiebe ihr Velo jetzt unterwürfig auf besagtem Strassenstück. «So ein Marschbefehl nach 10 Monaten ist schlicht ein Verwaltungsüberhitzer», findet er. Sein Post löste auf Facebook ein grosses Echo aus. Vor allem zereissen sich viele das Maul über den Brief. Einer fragt, ob das Vergehen denn nicht schon verjährt sei. Und ein anderer wirft ein, dass sich die Tochter bestimmt nicht bessern werdeb, wenn nach jedem ihrer Vergehen ihr Bruder in eine Belehrungsstunde muss.

(lha)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas P. am 01.12.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kennen wa schon

    Musste ich auch mit 12, ebenfalls wegen fahrrad fahren in verbotener zone. Sehe nichts falsches daran :)

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  • Ausgeträumter am 01.12.2019 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach bequemer

    Schnappen wir uns die Kleinen, wenn wir die Grossen eh dank unserer tollen Justiz laufen lassen müssen.....

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  • Mane am 01.12.2019 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum so ein Geschrei bei Erziehung?

    Auch Kinder von Anwälten müssen sich die Verkehrsregeln halten. Ich war nicht dabei aber wenn ein Kind hinreichend frech ist, kann eine Belehrungsstunde schon angebracht sein. 11 Jahre hin oder her.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp am 03.12.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Beamtenfilz

    lassen sich Zeit. Entweder sind sie im Urlaub oder wegen Teilzeitarbeit reicht die Zeit nicht aus um Sachen rechtzeitig zu erledigen. Ich bin für die Privatisierung solcher Staatsbetriebe.

    • Anton Sorgenvoll am 04.12.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp

      Das geht auch nicht besser, man wird dann an die tel. Warteschleife verwiesen. Beispiel Drachenparkhaus Basel. Hilfe? Nente, soviel zu privaten! Beamte haben einfach das Previleg soooo lansam zu Arbeiten. 18Jahre um ein Gerichtsfall Swiss-Air zu erledigen. Mir kommen die Tränen bei unseren Beamten.

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  • Mario am 02.12.2019 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist da sicherer?

    "Ziel dieser Massnahme ist die Verkehrssicherheit zu fördern und die heranwachsenden Schüler und Schülerinnen vor Verkehrsunfällen zu bewahren". Ok, was ist für die 11 jährige nun weniger gefährlich, wenn sie statt auf dem Trottoir auf einer stark befahrenen Hauptstrasse mit LKW, Autos, Bussen, Trams und Lieferwagen fährt? Inwiefern "bewahrt sie sich so vor Verkehrsunfällen?" Das möchte ich gerne von der Verkehrsprävention wissen.

    • Mike Wunderlin am 04.12.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

      Sacha gits

      Nun Mario, die Chance ist sehr gross, dass die Kleine von einem Wutbürger auf dem Trottoir vom Rad geprügelt wird. Dass will man verhindern.

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  • Die Pessimistin am 02.12.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Korrekt

    Verfügungen müssen korrekt sein, ansonsten verlieren sie ihre Gültigkeit. Was ist es nun, eine Tochter oder ein Sohn?

  • Auch Vater am 02.12.2019 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Augenmass und Verstand

    Die Strafe ist wohl etwas übertrieben, vor allem wenn der Bruder vorgeladen wird, weil die Schwester an einer gefährlichen Stelle auf den Bürgersteig umgestiegen ist. Man sollte die beiden Fahrradwege an der Stelle verbinden. Unsinnig ist, es sowas nach einem Jahr zu büsen, egal ob jetzt der Bruder oder die Schwester hin müssen. Gut, dass die Eltern zu ihren Kindern stehen.

  • cyrill am 02.12.2019 05:27 Report Diesen Beitrag melden

    soso

    schuldunfähigkeit? nein hören sie zu , ich habe sie einfach satt. das dürfen sie nicht persönlich sehen, sie sind mir einfach zu wenig. ausserdem nicht wird so heiss gegessen wie es gekocht wird, aber jetzt wo ich realisiert habe dass ich sie alle in der hand habe, denken sie doch nicht dass ich ihnen alles nicht zurückzahlen werde? ganz werden sie eh nicht ausgerottet. aber teilweise trifft das dennoch ganz massiv zu. ich habe gestern aus diesem grund ein wenig gearbeitet, sie wissen doch dass sie viel zu viele sind.