Strafgericht BS

03. Februar 2020 14:38; Akt: 03.02.2020 17:27 Print

«Ich vermummte mich wegen des Tränengases»

Am 10. April 2016 lieferten sich Basler Ultras auf der Fanplattform des St. Jakob Parks eine Schlacht mit der Polizei. 16 der Hooligans stehen nun vor dem Basler Strafgericht.

Die Ausschreitungen wurden auf mehreren Videos dokumentiert. (Video: Telebasel)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Kaum einer will es gewesen sein. «Als wir aus dem Stadion kamen, flog schon Gummischrot. Aus keinem ersichtlichen Grund», gibt ein 37-jähriger Fan am Montag vor dem Basler Strafgericht zu Protokoll. An den Ausschreitungen vom 10. April 2016 rund um die Fan-Plattform der Muttenzerkurve will er «in keinster Weise» beteiligt gewesen sein. Die Anklage sieht das anders.

Ein Unbeteiligter verlor damals wegen eines Gummigeschosses der Polizei sein Augenlicht, neun Polizisten wurden verletzt und ein Sachschaden von über 130’000 Franken. Rund 150 Basler Ultras lieferten sich eine regelrechte Schlacht mit der Polizei, es flogen Steine, Petarden, Flaschen und Gummigeschosse und Tränengas.

16 Männer, die an der Randale beteiligt gewesen sein sollen, müssen sich seit Montag vor dem Basler Strafgericht wegen Landfriedensbruch, Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte verantworten. Einzelnen Personen werden zudem Widerhandlungen gegen das Waffengesetz, das Betäubungsmittelgesetz und das Vermummungsverbot zur Last gelegt.

Vorbildlicher Lebenswandel seit Randale

Bei den Angeklagten handelt es sich um vierzehn Schweizer, einen Deutschen und einen Spanier. Sie sind teilweise vorbestraft und mittlerweile zwischen 23 und 37 Jahre alt. Der Prozess dauert insgesamt neun Tage.

Vier der Beschuldigten sind einschlägig vorbestraft, haben sich seit den Vorkommnissen vom 10. April 2016 aber nichts mehr zuschulden kommen lassen. In der Befragung durch Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger betonten alle ihren seither vorbildlichen Lebenswandel und ihre Läuterung. Ein 23-jähriger Kaufmann erzählt von seinem Zivildiensteinsatz mit betagten Menschen. Andere haben ihre Zeit seit dem Vorfall 2016 in ihre Weiterbildung investiert oder eine Familie gegründet.

Die Beschuldigten wurden allesamt mit einem dreijährigen Stadionverbot belegt und gaben an, dass sie nicht mehr zur Fan-Szene gehören, wenn auch einzelne wieder regelmässig im Stadion anzutreffen sind.

Kritik an Vorgehen der Polizei

Ein Grossteil der Beschuldigten will nur passiv an den tumultartigen Ereignissen auf der Fan-Plattform beteiligt gewesen sein. Einzelne kritisierten vor den Schranke des Gerichts gar die Polizei und kritisierten den «unverhältnismässigen» Einsatz. «Ich vermummte mich wegen des Tränengas’ der Polizei», erklärte ein 33-Jähriger Beschuldigter.

Nur gerade zwei «Fans» gestanden einzelne Anklagepunkte zu. «Es ist so, wie es auf dem Video zu sehen ist», sagte ein 28-Jähriger aus dem Kanton Bern. An Drohungen mag er sich «nicht erinnern», diese waren wohlweislich auch nicht anhand der Videoaufnahmen nachweisbar. Einen Beamten habe er zwar gepackt, aber nicht geschüttelt. Ein 25-jähriger Deutscher gestand eine Sachbeschädigung zu, aber auch nicht mehr.

Unkommentiert liessen die Beschuldigten die Videoaufnahmen des Geschehens, die am Nachmittag gezeigt wurden. Stoisch schauten sie auf die Leinwand, berichtet Telebasel. Obwohl mehrere Videos die Ausschreitungen dokumentierten, sei die Zahl der Kameras, die brauchbares Material lieferten aber beschränkt gewesen.

«Als wir aus dem Stadion kamen, flog Gummischrot»

(lha/sda)