Blinde Passagiere

20. März 2018 16:50; Akt: 20.03.2018 17:39 Print

Flüchtlinge reisten unbehelligt durch Schweiz

Am Dienstag entdeckten die Behörden im Umschlagbahnhof Weil am Rhein (D) 16 Flüchtlinge in einem Planencontainer. Sie wurden zuvor schon in Muttenz gesichtet.

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Ein Kranführer des Umschlagbahnhofs in Weil am Rhein schöpfte am Dienstagmorgen Verdacht, als er Schäden in einem Planencontainer bemerkte, den er gerade abgeladen hatte. Mehrere Personen versteckten sich in der Wechselpritsche. Die Bundespolizei entdeckte bei der Überprüfung des Zugs in zwei weiteren Planencontainern menschliche Fracht.

Insgesamt 16 Personen (14 Männer und zwei Frauen), die aus Nigeria und Guinea stammen, versuchten auf diesem Weg unerlaubt nach Deutschland einzureisen, wie die Bundespolizei am Dienstag mitteilte. Die blinden Passagiere wurden vom Deutschen Roten Kreuz und einem Notarzt vor Ort medizinisch versorgt. Sie waren schon über einen Tag bei Minusgraden in den Containern unterwegs und waren leicht unterkühlt.

Sämtliche Personen stellten noch vor Ort ein Asylgesuch und wurden am Dienstagvormittag zur Bundespolizeiinspektion nach Efringen-Kirchen (D) gebracht. Dort werden sie laut Mutter befragt, dann bringen die Behörden sie ins Erstaufnahmezentrum in Karlsruhe.

Schon in Muttenz aufgefallen

Die Asylsuchenden waren mit dem Güterzug von Norditalien her kommend über die Schweiz nach Deutschland eingereist. «Vergangene Nacht machte der Zug noch einen Betriebshalt in Muttenz», erklärte Helmut Mutter, Sprecher des Bundespolizeireviers Weil am Rhein. «Bereits dort wurden Personen festgestellt, weshalb in der Folge die Oberleitung abgestellt werden musste.» Sie wurden also bemerkt. Die Baselbieter Polizei erhielt laut Sprecher Adrian Gaugler um 6.15 Uhr morgens eine entsprechende Meldung. Eine Patrouille konnte vor Ort aber keine Personen feststellen.

Die SBB verweist ihrerseits auf Anfrage an die Grenzwache, weil sie für grenzpolizeiliche Aufgaben nicht zuständig sei. «Weiter äussern wir uns zum Thema nicht», so ein Sprecher. Die Grenzwache ihrerseits hatte ebensowenig Kenntnis vom Zwischenfall auf dem Rangierbahnhof Muttenz wie der Schweizer Zoll.

Neues Phänomen

Die blinden Passagiere reisten gegen 7 Uhr morgens unbehelligt weiter nach Deutschland, wo sie dann beim Entladen der Fracht entdeckt wurden. Laut Mutter ist es «eher ein Einzelfall», dass Flüchtlinge in einer so grossen Gruppe migrieren. Auch dass sie in Bahncontainern in ihr Zielland reisen, sei in der Region Südbaden neu.

Auch die Schweizer Behörden kennen dieses Phänomen noch nicht gut. Das Schweizer Grenzwachtkorps greife den grössten Teil der Migrantinnen und Migranten in Personenzügen auf. Dahinter folgten der Strassenverkehr und die grüne Grenze, teilt die Eidgenössische Zollverwaltung auf Anfrage mit. «Migrantinnen und Migranten auf Güterzügen wurden in der Schweiz bisher nur vereinzelt festgestellt», so Sprecherin Martina Wirth.


Der Umschlagbahnhof liegt nur wenige Kilometer nördlich der Schweizer Grenze. (Google Maps)

(lha/daf)