Reinach BL

10. Januar 2020 04:50; Akt: 10.01.2020 09:15 Print

17 Skelette lagen unter Wohnhaus

Bei Bauarbeiten in Reinach BL stiess man auf menschliche Überreste aus dem Frühmittelalter. Sie lagen unter einem Haus, das einer Überbauung weichen musste.

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Eine Notgrabung brachte den wertvollen Fund in Reinach BL zu Tage. Für einen Neubau wurde im Rahnkof zwischen Neumatt- und Baslerstrasse ein Liegenschaft abgerissen, unter der bereits Gräber vermutet wurden. Und siehe da, die Archäologen landeten einen Volltreffer. 17 Gräber samt Beigaben ruhten unter der Erde. Nur zwei Monate hatten die Archäologen Zeit, ihre Funde zu sichern und zu dokumentieren. Die Entdeckung schliesse eine wichtige Kenntnislücke, hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

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Die Neufunde stammen aus der Frühzeit des Friedhofs und zeigen, dass sich bereits um das Jahr 550 Menschen aus dem Oberrheingebiet in der Region ansiedelten. «Diese seltene Verbindung von Siedlungs- und Grabfunden in einer ereignisreichen Epoche ist für die archäologische Forschung weit über die Region hinaus von grosser Bedeutung», halten die Forscher fest.

«Die Gräber sind besonders wertvoll, da sie aus dem bisher ältesten Teil des Friedhofs stammen. Zugleich sind es auch die mit den reichsten Beigaben.» Dazu gehörten Lang- und Kurzschwerter, Lanzen, eine «Franziska» (fränkische Wurfaxt) und zahlreiche Keramikgefässe. Die Archäologen schliessen daraus, dass es sich bei den Beigesetzten nicht um Einheimische handelte.

Siedler brachten Entwicklungsschub

Die Neufunde seien wissenschaftlich von grossem Interesse, da sie einen Einblick in eine entscheidende Phase in der Geschichte des heutigen Ortes geben würden. Rinacum – oder Reinach – wie die Gemeinde jetzt nach dem alten vorgermanischen und gallorömischen Namen heisst, konnte die Zeiten nur überdauern, weil der Ort seit fast 2000 Jahren, also seit der Römerzeit, kontinuierlich bewohnt blieb.

Diese Kontinuität verlief allerdings nicht ohne Brüche. Wie die neuen Funde belegen, kamen offensichtlich um das Jahr 550 Siedler aus dem Oberrheingebiet hinzu, die der Entwicklung der damals nur noch dünnen Besiedlung neuen Schub verliehen.

In den neu entdeckten Gräbern werden die damaligen Zuzüger nun zum ersten Mal direkt fassbar. Neben dem nun neu entdeckten Gräberfeld-Ausschnitt seien knapp 40 Bestattungen bekannt. Die Archäologie geht aber davon aus, dass noch etliche weitere im Boden ruhen.

(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • j.little am 10.01.2020 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leichtgläubig

    Entschuldigung, aber wir leben alle irgendwie auf einem Friedhof. Was glauben denn die Menschen, wo die vielen Toten der letzten Jahrtausende begraben wurden? Die Siedlungen haben sich dauernd verschoben, also ist es klar, dass auch Friedhöfe überbaut wurden.

  • Verblüffter am 10.01.2020 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ups...

    Hatte mal eine Freundin, die hiess Franziska. Wusste nicht, dass ihr Name von einer antiken Wurfaxt her stammt...

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  • KC Ryback am 10.01.2020 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vo Schönenbuch bis Ammel

    Könnten aber auch reiche Basel Städter gewesen sein, die seinerzeit aufs Land gezogen sind, weil sie wussten, dass es im Baselbiet viel schöner ist zum Leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Boy am 11.01.2020 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Erde ist eine gwunder Tüte

    Vom. Zweiten Weltkrieg möchte ich nicht anfangen zu graben , da Kämme noch vieles zum Vorschein Auf den ganzen Welt . Ein Mensch ist gar nicht wert , eines Tages werden wir alle verschrottet

  • Neandertaler am 11.01.2020 02:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ausgrabung

    Ich hätte da noch einen Ort in Reinach wo man graben könnte ? Auf dem ehemaligen Fussballplatz des FC REINACH. Wer weiss was da vielleicht alles darunter liegt.

  • Leichen am 10.01.2020 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder

    Wer hat keine Leichen im Keller vergraben?

  • Franz am 10.01.2020 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nanu?

    Hat man in der Schweiz bislang nicht gewusst, dass Franken und Alemannen zuwandernde Fachkräfte gewesen waren?

    • Werni am 10.01.2020 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franz

      Gewusst schon, aber verdrängt. Man sieht lieber die Helvetier als Ahnen an.

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  • Sepp Hitz am 10.01.2020 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Skelette

    Diesen Bau jetzt sofort stoppen? Vielleicht liegt da noch eine Münze unter den Knochen? Falls dann eine Münze gefunden wird gehört dass Grundstück vermutlich dem Staat? Mir tut der Käufer von dieser Parzelle jetzt schon leid denn das Gelände gehört jetzt dem Staat.

    • Pat1 am 10.01.2020 22:27 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Panik

      Wir sind Eigentümer einer der Wohnungen von diesem Grundstück und mussten noch nichts abgeben. Kannst beruhigt schlafen gehen...

    • Mosche am 11.01.2020 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      @ pat

      Ja pat, da musste ein schöner Baum weichen, so dass Sie da wohnen werden! Der andere Baum darf stehen bleiben und serbelt später auch ab, weil seine Wurzeln durch die Bauarbeiten beschädigt werden? So geachehen inder Stockackerstrasse: Der Baum durfte stehen bleiben, er wurde nach seinem langsamen Tod Ende 2019 gefällt, es war eine alte Hängebirke.....

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