Anzeige wegen Hausfriedensbruch

08. Dezember 2019 17:29; Akt: 08.12.2019 18:15 Print

20 Vermummte stürmen «sexistischen Anlass»

Aktivisten unterbrachen am Samstag einen Anlass, der das Frauenbild des Philosophen Friedrich Nietzsche thematisierte. Der Organisator ist ob der Störaktion eher belustigt.

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Peter Busers Symposium mit dem Namen «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne» wurde am 7. Dezember von rund 20 Personen gestört. Der Anlass sorgte im Vorfeld für Kritik. Wohl auch wegen Busers Auftreten. Eine unbekannte Person habe einen Brandfehlalarm ausgelöst, worauf das Gebäude evakuiert wurde und die Feuerwehr ausrückte. SP-Frauen und Juso werfen Buser Sexismus vor. «Wenn ein solcher Eindruck entstanden ist, so kann dies daran liegen, dass mich zum Ärger vieler Bürger oft junge Frauen begleiten, die mein ödes 82 Jahre altes Junggesellenleben etwas auffrischen», erklärt Peter Buser in einem offenen Brief an Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann. Buser selber dementiert die Sexismusvorwürfe. Schliesslich habe er auch Feministinnen zum Podium über Nietzsches Ansichten zu Geschlechterfragen geladen. Auch Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) ist von der Veranstaltung nicht angetan. Ihr drohte Buser mit einer Klage wegen Rufschädigung. Er hat die Magistratin aber auch eingeladen am Podium mitzudiskutieren. Das Podium findet zeitgleich mit einer Ausstellung des Historischen Museums Basel zu Friedrich Nietzsche statt. Diese hat Buser mit 400'000 Franken mitfinanziert. Die Ausstellung über den radikalen und streitbaren Philosophen findet seit dem 16. Oktober bis 22. März statt. Das Podium fand am Samstag, 7. Dezember 2019 im Naturhistorischen Museum Basel statt. Laut dem «Regiojournal» des SRF besteht eine Verbindung zwischen der Zahlung an die Ausstellung und der Veranstaltung. Buser und das Museum dementieren dies. Nietzsche lebte in jüngeren Jahren in Basel, wo er im Alter von 24 Jahren eine Professur für klassische Philologie bekleidete. Nietzsches Ansichten waren radikal und streitbar. Er kritisierte die herrschende Moral und Religion scharf und stellte auch die Wahrheit selbst infrage. Er wurde damit zum Wegbereiter postmoderner philosophischer Konzepte.

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Der vom Solothurner Financier Peter Buser (82) initiierte Anlass mit dem an ein Nietzsche-Zitat angelehnten Titel «Ein Spielzeug sei das Weib dem Manne» warf bereits im Vorfeld hohe Wellen. Die SP-Frauen und die Juso Basel-Stadt forderten gar die Absage des «sexistischen» Symposiums.

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Am Samstagnachmittag, 7. Dezember sabotierten «Vermummte» die Podiumsdiskussion, so Nietzsche-Verehrer Buser zu 20 Minuten. Wie die Kantonspolizei Basel-Stadt bestätigt, seien gegen 13.30 Uhr rund 20 Personen ins Naturhistorische Museum, in dessen Aula die Gesprächsrunde stattfand, eingedrungen und protestierten. Schliesslich hätten sie das Gebäude wieder verlassen.

Aktivist löste Fehlalarm aus

Einer der Protestierenden löste einen Fehlalarm aus, worauf das Gebäude evakuiert wurde und die Feuerwehr ausrückte. Vor dem Museum hätten zivile Polizisten elf Personen kontrolliert und deren Personalien aufgenommen. Das Museum habe Anzeige wegen Hausfriedensbruch eingereicht.

Laut Polizeisprecher Martin Schütz sei es kein Zufall, dass zu gegebener Zeit zivile Beamte vor Ort waren. «Wir wussten natürlich auch, dass hier eine Veranstaltung stattfinden würde, die nicht allen gleichermassen gefällt», sagt er. Über den genauen Ablauf der Ruhestörung könne er aber keine Angaben machen, da es sich um eine private Veranstaltung gehandelt habe.

«Habe schon Schlimmeres erlebt»

Veranstalter Buser schildert 20 Minuten den Protest: «Auf einmal wurde die Türe aufgerissen und es kamen Krawallanten hereingestürzt.» Die maskierten Personen hätten ein Transparent hochgehalten und etwas verlesen. «Ich konnte es aber nicht lesen oder verstehen», so Buser. «Wir haben die Aktion eher belustigt zur Kenntnis genommen. Alle Teilnehmer des Podiums haben schon Schlimmeres erlebt.»

Der Anlass mit «gewichtigen Experten» sei ausgesprochen erfolgreich verlaufen, sagt Buser. «Ich habe zahlreiche positive Rückmeldungen der Teilnehmer erhalten.» Obwohl die Protestierenden vor dem Gebäude wohl einige Besucher verängstigt hätten, sei der Saal dennoch gut besucht gewesen.

Juso erfreut über Zeichen

Doch wer steckte hinter den Masken? Nino Russano, Präsident der Juso Basel-Stadt, sagt: «Wir haben nichts mit der Störungsaktion zu tun.» Er erklärt aber: «Grundsätzlich sind wir erfreut darüber, dass ein Zeichen gegen diese Veranstaltung gesetzt wurde.» Den Brandmelder auszulösen, halte er aber nicht für nötig.

Anna Holm von der Juso Baselland fügt an: «Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung inhaltlich Gegenposition bezogen, um aufzuzeigen: Wir sind auch da. Denn wir überlassen den Diskurs nicht dieser von einem rückständigen Menschenbild geprägten Position.» Holm betont: Die Art der Störung entspreche aber nicht dem Stil der Juso.

«Hälfte der Bevölkerung wird beleidigt»

Grossrätin Michela Seggiani von den SP-Frauen sieht es durchwegs positiv, dass gegen die «frauenfeindliche Veranstaltung» demonstriert wurde. «Museen gehören der Bevölkerung und es ist nicht in Ordnung, wenn darin die Hälfte der Gesellschaft beleidigt wird», sagt sie.

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne), die das Symposium im Vorfeld als nicht zeitgemäss bezeichnete, konnte am Sonntag nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Gemäss «Basler Zeitung» habe das Podium, entgegen der Aussage von Buser, nicht viele Besucher angelockt.

(obr)