Itingen BL

16. Juli 2019 12:01; Akt: 16.07.2019 12:01 Print

27-Jährige stirbt zwei Wochen nach Badeunfall

Ende Juni musste eine junge Frau nach einem Badeunfall in Itingen reanimiert werden. Zwei Wochen danach verstarb sie im Spital. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Vergangenes Wochenende verstarb in einem Spital in der Region Basel eine 27-jährige Frau. Das berichtete am Dienstag die «Basler Zeitung». Sie war am 29. Juni nach einem Badeunfall in Itingen eingeliefert worden und hatte das Spital seither nicht mehr verlassen.

Der Unfall passierte an jenem Morgen im kleinen Gartenbad der Oberbaselbieter Gemeinde. Die Frau war mit ihrem Freund in der Badi und ging alleine schwimmen. Plötzlich fiel auf, dass sie regungslos im Wasserbecken trieb. Andere Badegäste gingen davon aus, dass sie tauche.

Ihr Freund wurde misstrauisch, als ihr Kopf längere Zeit unter Wasser blieb und eilte zum Becken. Mithilfe von anderen Badegästen gelang es ihm, seine Freundin aus dem Wasser zu ziehen.

Starb sie an Folgen des Unfalls?

Die Frau wurde vor Ort reanimiert und konnte daraufhin wieder selbständig atmen. Sie wurde durch die Sanität ins Spital gebracht, wo sie sich seit dem Unfall bis zu ihrem Tod befunden hat.

Unklar ist, ob der Badeunfall und seine Folgen die Todesursache sind. «Genau dies ist Gegenstand der Untersuchung», erklärt Thomass Lyssy, Sprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft gegenüber der «Basler Zeitung». Die Srafverfolgungsbehörde hat nun ein Verfahren eröffnet, um die Umstände des Todes abzuklären.

Was genau passiert ist, möchten auch Angehörige der verstorbenen 27-Jährigen wissen. Im Schwimmbad wurden Flugblätter mit einem Zeugenaufruf aufgehängt. Für die Verfasser des Aufrufs scheint klar zu sein, dass die Frau «an diesen schweren Verletzungen verstorben» ist.

Gemeinde kann sich keinen Badmeister leisten

Pikant an der Geschichte: Der Bademeister fehlt. Und das, obwohl das Baselbieter Sportamt das Bad als «speziell für Familien geeignet» auf seiner Website aufführt.

Eine professionelle Badeaufsicht fehlte jedoch nicht nur am Morgen des 29. Juni, sondern es gibt sie in der Itinger Badi nicht. «Das Schwimmen im Schwimmbad Itingen erfolgt auf eigene Gefahr, es ist keine Bade-Aufsicht anwesend», ist dort ebenfalls zu lesen.

Der Grund: Die Gemeinde kann es sich schlicht nicht leisten, jemanden dafür anzustellen. Dazu ist sie auch nicht verpflichtet, denn: Die Einwohner Itingens können das Bad gratis besuchen, für Auswärtige steht eine Kasse vor Ort, bei der «um einen angemessenen Beitrag» gebeten wird.

Besucher wissen, worauf sie sich einlassen

Dieser Umstand befreie die Gemeinde davon, eine offizielle Badeaufsicht stellen zu müssen, erklärt der Itinger Gemeindepräsident Martin Mundwiler. Der tragische Unfall macht ihn betroffen. Es sei das erste Mal in der über 50-jährigen Geschichte der Badi, dass so etwas passiere. Er betont zudem, dass die Badi den Richtlinien der Beratungsstelle für Unfallverhütung entspreche und die Infrastruktur alle zwei Jahre überprüft werde.

Am Eingang des Bads weist auch eine Tafel prominent auf das Fehlen einer Aufsichtsperson hin und warnt: «Sie betreten das Areal auf eigene Verantwortung.»

(kom)