Basler Strafgericht

18. Oktober 2019 12:40; Akt: 18.10.2019 12:40 Print

6-Jähriger wird von Vater zu Sex gezwungen

Ein rückfälliger Pädophiler, der seinen Sohn zu Sex nötigte, muss für drei Jahre ins Gefängnis. Nach seiner Haftstrafe muss der gebürtige Iraker die Schweiz verlassen.

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Der Angeklagte, der am Donnerstag beim Basler Strafgericht vorgeladen war, streitet die schweren Vorwürfe ab, wie die «bz Basel» am Freitag, dem 18. Oktober berichtete: «Er ist mein Blut, das geht überhaupt nicht. Ich bin seit vier Monaten im Gefängnis und möchte entschädigt werden», soll der 34-Jährige gesagt haben. Eine Erklärung dafür, weshalb sein Sohn derartige Anschuldigungen äussern sollte, hat er nicht.

Im März dieses Jahres waren sowohl der Sohn wie auch der 34-Jährige zu Besuch in der Basler Wohnung der Mutter. Als die Frau kochte, zwang der Vater seinen Sohn zu Oralsex. Einige Tage später wendete sich der 6-Jährige an eine Betreuerin seines Wohnheims, die den Vorfall mit dem Einverständnis des Kindes weiterleitete. Bereits zu diesem Zeitpunkt merkte der 6-Jährige, dass ihm seine Mutter sowieso nicht glauben würde. Das Dreiergericht beurteilte die Erzählungen des Sohns als glaubwürdig.

Schwierige Familienverhältnisse

Die Verhältnisse innerhalb der Familie sind prekär. Da die Mutter des Knaben in psychiatrischer Behandlung ist und erst seit Anfang 2019 in einer eigenen Wohnung lebt, kam der 6-Jährige nach der Geburt direkt ins Heim. Zwar machten die Behörden deutlich, dass er nur dann seine Mutter in der Wohnung besuchen darf, wenn der 34-jährige Vater nicht gleichzeitig anwesend sei – die Eltern schienen das mit den Regeln allerdings nicht so eng zu sehen.

Die Vermutungen des Knaben bestätigen sich indessen vor dem Gericht: Die Mutter, die ebenfalls als Zeugin befragt wurde, ist von den Vorwürfen ihres Sohnes nicht überzeugt: «Er ist so enttäuscht von seinem Vater, er hat nicht bekommen, was er erwartet hat», soll sie gesagt haben. «Ich liebe ihn, aber ich weiss nicht, ob er mich auch liebt», war ihre Antwort auf die Frage des Gerichtspräsidenten bezüglich ihrer Zukunftspläne mit dem Angeklagten.

Mann bereits wegen Pädophilie aktenkundig

Als Flüchtling aus dem Irak kam der 34-jährige Angeklagte 2006 in die Schweiz. Nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden war,
erhielt er die vorläufige Aufnahme und damit den Aufenthaltsstatus «F».

Es ist nicht das erste Mal, dass der Mann wegen Pädophilie vor Gericht musste. Bereits vor einem Jahr, im Februar 2018, stand er vor dem Bezirksgericht Brugg. Auch damals ging es um sexuelle Handlungen mit einem Kind. Das Bezirksgericht beliess es damals noch bei einer bedingten Strafe von zwölf Monaten und verlängerte die Probezeit auf drei Jahre.

Der 34-Jährige schilderte den Fall am Donnerstag so, dass er von seiner Stieftochter um eine Massage gebeten worden sei und dass er sie deshalb am Oberarm berührt habe. Mehr, so der Angeklagte, sei damals nicht vorgefallen. Auch drei Vorstrafen wegen Körperverletzung gehen auf das Konto des Mannes.

Täter muss die Schweiz verlassen.

Da die neuen Übergriffe auf den Stiefsohn vom vergangenen März in die Probezeit fallen, entschied das Basler Strafgericht, dass der Mann nun auch die damalige Strafe absitzen muss. Die Haftstrafe beträgt 34 Monate, wegen Fortsetzungs- und Fluchtgefahr verlängerte das Gericht gestern auch die Sicherheitshaft.

Ungeachtet seines 13-jährigen Aufenthalts in der Schweiz sah das Gericht keinen Härtefall und ordnete einen Landesverweis von acht Jahren an. Ob dieser vollzogen werden kann, ist allerdings ungewiss.

(20min)