Strafgericht BS

29. März 2019 04:50; Akt: 29.03.2019 10:48 Print

Warum stach 80-Jähriger Randständigen nieder?

Ein Schweizer (80) soll 2018 einen Obdachlosen (38) mit einem Messer lebensbedrohlich verletzt haben. Der Randständige habe ihn provoziert, sagte der Beschuldigte vor Gericht.

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Vor dem Strafgericht in Basel wurde am Donnerstagmorgen ein Fall behandelt, der eigenartiger kaum sein könnte: Ein 80-jähriger Schweizer sass auf der Anklagebank, weil er am 28. Juli 2018 einem rumänischstämmigen Obdachlosen (38) ein Messer in den Bauch gestossen haben soll.

Der betagte Täter wirkte unbeholfen, als er den Saal des Strafgerichts in Basel betrat. «Nicht gut», antwortete der Schweizer auf die Frage der Gerichtspräsidentin, wie es ihm gehe. Auch wollte er keine Aussagen zu seiner Kindheit oder Jugend machen.

«Mit dem Messer im Schlepptau»

Die Tat, die sich am 28. Juli am Centralbahnplatz abgespielt hatte, warf etliche Fragen auf. Täter und Opfer waren sich über den Tathergang nicht einig. Laut Staatsanwaltschaft soll der 80-Jährige ein fast 30 Zentimeter langes Küchenmesser benutzt haben. Damit hatte er dem Mann eine 2,5 Zentimeter tiefe Schnittverletzung zugefügt. Ohne die umgehende Notfalloperation hätte das Opfer die Verletzung laut Anklageschrift nicht überlebt.

Nach Angaben des Beschuldigten hatte er das Opfer zwei Tage vor der Tat am Centralbahnplatz getroffen. Dabei sei es zu einem handgreiflichen Streit gekommen, der damit geendet habe, dass der 38-jährige Rumäne dem 80-Jährigen den Sommerhut entwendet habe und anschliessend darauf herumgetrampelt sei.

Der Beschuldigte gab an, dass er daraufhin seine Psychopharmaka nicht genommen habe. Auch gab er zu, dass er sich am Tag der Tat «mit dem Messer im Schlepptau» in Richtung Centralbahnplatz aufgemacht hatte. Auf die Frage der Richterin nach dem Grund für seinen Ausflug an den Bahnhof sagte er: «Zum Käfelitrinken.» Das spätere Opfer habe er dort nach eigenen Angaben jedoch nicht treffen wollen. Zudem habe er bei seiner Tat aus Notwehr gehandelt.

«Ich wollte ihn nur ein wenig ritzen»

Laut Staatsanwaltschaft handelte der Beschuldigte sehr wohl vorsätzlich – um sich Respekt zu verschaffen und seinem Gegenüber einen Denkzettel zu verpassen. «Ich wollte ihn doch nur ein wenig ritzen», soll er an einer früheren Bestandsaufnahme gesagt haben.

Darum plädierte die Staatsanwaltschaft dafür, den Beschuldigten wegen versuchten Mordes schuldig zu sprechen. Auch forderte sie, dass der Mann in eine stationäre psychiatrische Klinik eingewiesen werden sollte, bevor er die Freiheitsstrafe von zwei Jahren antritt.

An der Verhandlung war der Beschuldigte eingeschlafen. Als die Richterin ihn mehrmals fragte, ob er noch etwas zu sagen habe, antwortete er verwirrt: «Ich weigere mich, auszusagen.»

Das Urteil soll am Freitag, 29. März, um 11 Uhr gefällt werden.

(jes)