Auf Mallorca

05. Juli 2018 05:44; Akt: 05.07.2018 05:44 Print

Schweizer zieht zu Hippie-Guru in besetzte Finca

Ein Aussteiger namens Max Mino hat seine Familie, Freunde und den gut bezahlten Job im IT-Bereich hinter sich gelassen. Jetzt lebt er mit «Jesus Bruder Bauchi» auf Mallorca.

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Seit Juni hat die ehemalige Finca «Son Coll» auf Mallorca einen neuen Bewohner. Der Aargauer Max Mino, wie er sich nennt, lebt nun gemeinsam mit weiteren Aussteigern auf dem Anwesen. «Viele Leute denken, dass das nur eine grosse Schmarotzerei ist, das stimmt aber nicht», erklärte der Aargauer kurz vor seiner Auswanderung.

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Aus den Medien hat er vom deutschen Hippi-Guru «Jesus Bruder Bauchi» erfahren, der im Mai in die Villa «einzog», die einst Boris Becker gehört haben soll, wie verschiedene Medien berichteten. Der Guru sieht sich weniger als Besetzer denn als Missionar. Er möchte die Villa wieder herrichten, sagte Bauchi vor kurzem dem Mallorca Magazin. Das möchte Mino nun auch: «Mir geht es nicht einfach darum, kostenlos zu wohnen. Vielmehr möchte ich Lebensraum erhalten und verhindern, dass die schöne Finca zerfällt.» Auf Mallorca seien Tausende Menschen obdachlos, da sei es kaum zu ertragen, dass leerstehende Wohnhäuser einfach zerfallen.

Von heute auf morgen gekündigt

Ende Mai sei er ein erstes Mal auf die Insel geflogen, um «Bauchi» zu treffen. «Da fiel dann der Entschluss ein neues, abenteuerliches Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen», so der Computer-Spezialist, der auch Spanisch spricht.

Seinen sicheren und vor allem gut bezahlten Job bei einer IT-Firma hat der 27-Jährige von heute auf morgen gekündigt, wie er sagt. Nun möchte er etwas bewegen: «Statt gleich die ganze Menschheit retten zu wollen, sollte man erstmal in seinem eigenen Umfeld anfangen. Wir stellen keine Besitzansprüche an die Finca. Wir möchten dort nur so lange leben dürfen, solange wir Sorge zum Land und der Immobilie tragen, und darauf aufmerksam machen, was man mit ein bisschen Kreativität erreichen kann», erklärt Mino.

Sein Geld möchte er mit IT-Services verdienen. Das ginge ja auch vom heimischen PC aus.

Nachbarn bringen Essen und Wasser

Das Anwesen ist trotz seines heruntergekommenen Zustandes immer noch beeindruckend: Laut dem Mallorca Magazin hat das Grundstück eine Fläche von über 200'000 Quadratmetern, die Villa selber eine Wohnfläche 3000 Quadratmetern.

Bauchi habe inzwischen mittels zweier Solarpaneele für Strom gesorgt und Wasser käme aus Zisternen. «In Spanien sind die Menschen viel offener und herzlicher im Umgang miteinander», schwärmt Mino. So würden Anwohner ihnen Essen, Wasser aber auch Gartengeräte vorbeibringen. Letztens hätten sie Gemüsesaaten gebracht, damit Beete angelegt werden können.

Hausbesetzungen auf Mallorca normal

Wegen einer schwammigen Gesetzeslage hätten es Hausbesetzer in Spanien etwas leichter als in anderen Ländern. Würden Besitzer nicht innerhalb von 72 Stunden Anzeige erstatten, könnte sich ein richterlicher Räumungsbeschluss schlimmstenfalls über Jahre hinziehen. Soweit will Mino es aber nicht kommen lassen: «Sollte man uns zum Gehen auffordern, werden wir die Finca natürlich verlassen», verspricht er. Niemand solle zu Schaden kommen.

Wem die Finca momentan tatsächlich gehört, ist unklar. Laut dem «Stern» versuchte Becker sie bis zu seiner angeblichen Insolvenz im Jahr 2017 zu verkaufen. Boris Becker widerspricht: Er twitterte kürzlich, dass er keine Finca besässe.


(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kachina am 05.07.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesetzesänderung

    Spanien sollte die Gesetze schleunigst ändern, da kann man als Spanier ja nicht einmal in die Ferien ohne zu befürchten, dass das eigene Haus danach besetzt ist.

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  • Marlies2018 am 05.07.2018 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausbesetzer

    Wegen einer schwammigen Gesetzeslage hätten es Hausbesetzer in Spanien etwas leichter als in anderen Ländern. Ergo kaufe nie ein Haus in Spanien.

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  • Marco C am 05.07.2018 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Geld alle, dann

    holt ihn einfach nicht mit öffentlichen Gelder zurück!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pedro (Menorca) am 05.07.2018 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Das Altersdomizil war fast schon weg

    Leider ist das so, dass man jemanden braucht, der das Domizil auf Mallorca regelmässig kontrolliert, oder bei Wohnungen muss man die Nachbarn um Hilfe bitten. Das mit der 72 Stunden Regel hat schon so mancher bitterlich erfahren müssen. Bekannte von uns verloren ihr Häuschen an ein paar verwahrloste Leute, die sonst mit Wohnwagen unterwegs sind. Das Interieur war geplündert, alles mit Fäkalien verschmutzt, was nicht niet und nagelfest ist, war weg. Keine Hilfe von der Polizei oder Behörden. Es kostete mehrere 10'000, um ihr Altersdomizil wieder herzurichten, in das sie dieses Jahr einziehen

  • hgidl am 05.07.2018 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie sind was Sie sind

    Er kann noch so schöne Worte suchen das ganze noch so blumig umschreiben - schlussendlich schmarotzen diese Typen einfach! Es sind Schmarotzer, das ist die einzig korrekte Bezeichnung dafür!

  • Thomas am 05.07.2018 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Immer weniger....

    Na dann bleibt zu hoffen, dass dem Max auch die Abstimmungsunterlagen nach Mallorca geschickt werden ansonsten hätte die SP schon wieder einen Wähler weniger!

  • Heidi Heidnisch am 05.07.2018 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jesus war ein Hippie

    Also ein Hippie-Guru namens Jesus, mit dem Bauch eines lachenden Buddha, der Besitzlosigkeit predigt, bringt mich auf den Gedanken, dass Jesus eigentlich ein Hippie war, vielleicht der erste überhaupt...

  • Andrea am 05.07.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schild gültig?

    Kann man in Spanien am eigenen Hauseingang ein Schild anbringen "Dieses Haus darf nicht besetzt werden", wenn man z.B. verreist? Das sollte doch klar genug sein, dass niemand erwünscht ist. Falls nein, ist es eine Katastrophe.

    • Pedro (Menorca) am 05.07.2018 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Andrea

      Kann man ein Schild anbringen auf dem steht: in dieses Haus darf nicht eingebrochen werden? Ja klar kann man. Das ist doch auch klar genug und trotzdem würden sich Einbrecher davon nicht abhalten lassen. Sehr naiv Andrea.

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