Clubsterben in Basel

30. März 2015 06:12; Akt: 30.03.2015 14:45 Print

Am Marktplatz soll ein neuer Club entstehen

Es zeigt sich eine Reaktion auf das Clubsterben in Basel: In den Räumlichkeiten des Kultkino Club am Marktplatz könnte bald getanzt werden.

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Im Untergeschoss des Singerhaus-Gebäudes soll auf rund 217 Quadratmetern ein neuer Club entstehen. (Bild: cs)

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Es ist ruhig geworden am Marktplatz, seit der Nachtclub im Singerhaus im letzten Jahr die Pforten geschlossen hat. Jetzt könnte neues Leben einkehren: Im Singerhaus-Gebäudes soll ein neuer Club entstehen. Das Kultkino Club, das zurzeit dort beherbergt ist, zieht Ende August ins Kultkino Atelier in der Theaterpassage, das bis im Juni fertig umgebaut werden sollte. Wie Telebasel berichtet, würden die noch unbekannten neuen Betreiber derzeit mit der L&B Liegenschaftsverwaltung AG, der Verwalterin der Liegenschaft Marktplatz 34, Verhandlungen führen. Zur Unterschrift fehlten aber noch einige essenzielle Formalitäten, wie zum Beispiel die Betriebsbewilligung. Diese sei beim Kanton noch nicht beantragt worden. Für nähere Informationen war die L&B Liegenschaftsverwaltung AG am Sonntag nicht zu erreichen.

«Habe nicht das Gefühl, dass Vermieter keine Clubs wollen»

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Mirjam Ballmer von «Kulturstadt Jetzt» zeigt sich erfreut über die Ankündigung eines neuen Clubs in der Innerstadt. Da in den kommenden zwei Jahren mit dem Nordstern, dem Hinterhof, der Garage und der Ladybar gleich vier Clubs schliessen, sei die Ankündigung einer Neueröffnung ein gutes Zeichen. Erst Anfang Monat hatte sie im Parlament eine Interpellation eingereicht. Darin fordert sie Antworten von der Regierung, wie das Bewilligungsverfahren für Clubbetreiber vereinfacht werden könnte. Bis jetzt muss zum Beispiel in Lokalen mit Platz für über 100 Personen ein Blitzableiter gebaut werden, in kleineren Lokalen jedoch nicht. Solche Regelungen bezeichnet Ballmer als skurril. In zwei Wochen wird die Antwort der Regierung erwartet. «Ich habe auf jeden Fall nicht das Gefühl, dass Vermieter in Basel prinzipiell keine Clubs wollen», sagt Ballmer.

Marktplatz war ein schwieriges Pflaster

Cem Kilic war früher Inhaber des Tanzcafés Singerhaus im ersten Stock des Singerhaus-Gebäudes am Marktplatz 34. Er erinnert sich, dass der Betrieb nicht immer einfach war. «Man hat keinen Platz, um die Leute in einem Innenhof rauchen zu lassen. Wenn dann ein paar Leute auf der Strasse herumstehen, entsteht automatisch Sekundärlärm.» Auch sei das Gebäude nicht optimal für einen Club, da es unter Denkmalschutz stehe.

Im Quartier sieht eine Anwohnerin der Cluberöffnung mit Argwohn entgegen. «Mit dem Tanzcafé Singerhaus hatten wir ständig Probleme.» Die Rede ist von Lärm, Verschmutzungen und Schlägereien. Auch die Kommunikation zu den Clubbetreibern sei grösstenteils schwierig gewesen. «Bei einem neuen Club würden wir es wohl nicht mehr so weit kommen lassen», so die Anwohnerin. Entweder klappe die Kommunikation mit den Betreibern gleich am Anfang gut, sonst müsse man andere Schritte ins Auge fassen.

«Ich hoffe auf Toleranz»

Optimistischer sieht Carol Baltermia, Präsident der jungen FDP Basel-Stadt, die Errichtung eines neuen Clubs am Marktplatz. «Die Lage ist super. Ich erinnere mich gern an die Studentenpartys im ehemaligen Tanzcafé Singerhaus. Ich hoffe, die Toleranz in der Bevölkerung gegenüber dem Nachtleben ist gestiegen.» Wie Ballmer ist auch er der Meinung, dass das Bewilligungsverfahren der Regierung vereinfacht werden sollte. «Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Baudepartement zu wenig Dienstleistungsdenken an den Tag legt», so Baltermia.

(mak)