Gewalt am Zoll

12. Februar 2015 18:34; Akt: 12.02.2015 18:34 Print

Angriffe auf Zollbeamte nehmen markant zu

Basler Zöllner haben alle Hände voll zu tun. Rekordhohe Schmuggelzahlen, tausende Einkaufstouristen und Übergriffe auf Beamte erschweren die Arbeit.

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Basler Zöllner haben mehr Arbeit und werden immer häufiger Opfer von Angriffen. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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152,6 Grenzkilometer sind das Hoheitsgebiet der Grenzwachtregion I / Basel. Deren Jahresbilanz hat es in sich: Mehr Schmuggel, mehr Gewaltübergriffe, markante Zunahme von Verstössen gegen das Waffengesetz und Verkehrschaos an den Wochenenden halten die Zollbeamten in Atem. Durch die Verlängerung der 8er-Tramlinie und den starken Franken hat der Einkaufstourismus auf hohem Niveau noch zugelegt.

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Gewalt gegen Grenzwächter

Sorgen bereitet der Grenzwache die zunehmende Gewalt gegen ihre Angestellten. 83 Fälle von Gewaltanwendung wurden 2014 verzeichnet. Dazu gehören auch gefährliche Wendemanöver vor der Grenze oder das Durchbrechen einer Sperre. Die Anzahl tätlicher Angriffe und Drohungen gegen Zöllner haben sich auf 21 Fälle verdoppelt - Tendenz steigend. Um einen Viertel auf 505 Fälle erhöhten sich zudem die Vergehen gegen das Waffengesetz. «Auffallend ist, dass sich die Waffen in Privatfahrzeugen befinden – das erhöht die Gefahr von bewaffneten Übergriffen auf Zöllner an der Grenze», resümiert Roger Zaugg, Kommandant der Grenzwachtregion I.

Zöllner als Verkehrspolizisten

Die Arbeit der Grenzwächter wird an den Wochenenden durch das hohe Verkehrsaufkommen speziell an der deutsch-schweizerischen Grenze erschwert. «Die Strassen können den Ansturm an Einkaufstouristen nicht mehr schlucken», erklärt Zaugg. Pannenstreifen werden zu Parkplätzen. Die Grenzbeamten müssen neben ihrer Tätigkeit auch noch den Verkehr leiten.

Mit der Verlängerung der 8er Tramlinie nach Weil am Rhein sind zusätzliche Kontrollaufgaben für die Grenzwache hinzugekommen. Der Ansturm der Einkauftouristen erschwert auch im ÖV die Arbeit. «Die Trams sind zum Teil so voll, dass wir kaum durchkommen», sagt Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter Grenzwache und Zoll.

Fleischschmuggel boomt

5857 Fälle von Schmuggel musste die Grenzwache im letzten Jahr verzeichnen. Das entspricht einer Zunahme von rund 16,5 Prozent. Die Busseneinnahmen übertrafen zum ersten Mal die Millionengrenze. «Fleisch ist der absolute Marktleader beim Schmuggel», sagt Zaugg. Allein in den letzten beiden Januarwochenenden wurden 111 Schmuggelfälle mit insgesamt 840 Kilogramm Fleisch registriert. 2014 konnten insgesamt 34 Tonnen Schmuggelfleisch sichergestellt werden.

Beunruhigend ist auch die Anzahl Lastwagenfahrer, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss die Grenze zu passieren versuchten. 74 Chauffeure wurden letztes Jahr der Polizei übergeben. Das entspricht einer Zunahme von rund 50 Prozent.

Mehr Arbeit, gleich viel Personal

Ein grosses Fragezeichen ist der Personalbestand der Grenzwache. Bei steigendem Arbeitsaufwand bleibt dieser gleich. Roger Zaugg betont zwar, dass man versuche, mit dem bestehenden Personal das Maximum zu erreichen – die angekündigten Sparmassnahmen des Bundes bereiten aber Sorgen. «Wir hoffen, dass wir von den Kürzungen um ein Prozent beim Bundespersonal nicht betroffen sind», sagt Roger Zaugg.

(mk)