In nur zehn Tagen

24. Juli 2019 12:24; Akt: 25.07.2019 09:07 Print

Nach 2896 Fotos wurde dieser Blitzer angezündet

Sollte nur der Hälfte von ihnen die Mindestbusse von 40 Franken aufgebrummt werden, hat der Basler Blechpolizist in knapp mehr als einer Woche 57'920 Franken verdient.

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Die Polizei Basel-Stadt habe bereits am Sonntagmorgen Bescheid gekriegt, dass ein Blitzer besprayt wurde. Ein Mitarbeiter des Ressort Radars habe das Gerät dann gereinigt. Unter dem Post des besprayten Blitzers in der Facebook-Gruppe «Basel fir Basler» kommentieren die Nutzer beispielsweise: «Hattest du vom Basteln noch zu viel Farbe übrig?» Das ist bereits der zweite Blitzer, der in knapp einem Monat beschädigt wurde. Ersterer wurde angezündet. In den zehn Tagen, in denen der Blitzer an der Binningerstrasse stand, wurde er 2896 mal ausgelöst. In der Nacht auf den 19. Juli wurde er in Brand gesteckt. Wie die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt mitteilte, wurde der Kasten mithilfe von Brandbeschleuniger angezündet. Ein Leser-Reporter sass im Tram und entdeckte den Radar, der zu diesem Zeitpunkt schon in Flammen stand: «Plötzlich war ein Explosionsgeräusch zu hören und es gab eine grosse Stichflamme. Das war ein beunruhigendes Gefühl». Im Vorfeld sorgte genau dieser Blitzer für Unmut. Seit dem 3. Juli wurden damit Autofahrer im Baustellenbereich auf der Binningerstrasse diszipliniert. Die Autofahrer rasselten Reihenweise in die Fotofalle. «Eigentlich handelt es sich dort um eine 60er-Zone. Plötzlich, für eine Strecke von nur 50 Metern, wechselt die angegebene Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h. Das ist eine Sauerei», ärgerten sich Leser. Falls es sich bei den Vandalen um verärgerte Autofahrer handelt, dürften die sich gleich nochmal ärgern. Die Staatsanwaltschaft schliesst zur Zeit nicht aus, dass der Blitzer bald wieder einsatzfähig ist.

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Der Blitzer, der in der Nacht auf den 19. Juli in Basel von Brandstiftern angezündet wurde, hatte bis dahin 2896 Fotos gemacht – und das innert zehn Tagen. Die Anlage stand im Bereich einer Baustelle an der Binningerstrasse, wo das Tempolimit von 60 auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert ist.

«Bisher haben wir rund die Hälfte der Fälle ausgewertet», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz auf Anfrage von 20 Minuten. Gegen 21 Verkehrsteilnehmende wird soweit Anzeige erstattet. Sie waren demnach mindestens 21 km/h zu schnell unterwegs. Die Polizei gehe aber davon aus, dass nicht alle der knapp 3000 Geblitzten gebüsst werden. Hochgerechnet von den bisher ausgewerteten Daten dürften es rund 200 «Ausschlüsse» sein. Dazu zählen auch E-Bikes, die zu schnell gefahren sind, dafür aber nicht gebüsst werden.

Nicht ganz billig

Wenn nur die Hälfte der Temposünder eine Mindestbusse von 40 Franken aufgebrummt bekommt (für Übertretungen von 1 bis 5 Kilometern pro Stunde), hat die Anlage innert zehn Tagen 57'920 Franken verdient. Zum Vergleich: Der Median-Jahreslohn in der Schweiz betrug im Jahr 2016 gemäss Bundesamt für Statistik 84'526 Franken.

Sollte ein geblitzter Verkehrsteilnehmer hinter dem Brand stecken, hat Yerguz schlechte Nachrichten für die Täterschaft: «Die Anlage übermittelt ihre Daten sofort», sagt er. Die Attacke auf den Blitzer wird die Person in dem Fall also nicht vor einer Busse – oder Schlimmerem – bewahren.


Hier wird der angebrannte Blitzer abtransportiert. (Video: Telebasel)

(las)