Basel

18. September 2018 12:21; Akt: 18.09.2018 12:21 Print

Trickste Polizei bei Tesla-Beschaffung?

Die Finanzkontrolle rügt in einem vertraulichen Bericht die Beschaffung der Basler Polizei-Teslas. Das Departement hätte auch Hybrid-Fahrzeuge prüfen müssen.

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Im Herbst sollen die ersten Teslas bei der Basler Kantonspolizei als Alarmpikett-Fahrzeuge ihren Dienst aufnehmen. Die Beschaffung der sieben Elektro-Limousinen des Modells X-100-D machte weltweit Schlagzeilen und selbst Tesla-Boss Elon Musk lobte die smarten Basler auf Twitter überschwänglich. Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr durfte sich freuen, der coolsten Polizei der Welt vorzustehen.

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Weniger cool findet die Beschaffung die Basler Finanzkontrolle, die in einem vertraulichen Bericht, dessen Inhalt Prime News am Dienstag publik machte, harsche Kritik am Vorgehen des Justiz- und Sicherheitsdepartements übt. So wurde die Ausschreibung auf das Wunschmodell von Tesla offenbar massgeschneidert, so dass gar kein anderer Hersteller in Frage kam. «Insbesondere die Einschränkung des Wettbewerbs konnte nicht nachvollzogen werden. Diese Kritik wurde von den Verantwortlichen des JSD nicht ernst genommen», heisst im Untersuchungsbericht der Finanzkontrolle.

Warum wurden keine Hybridfahrzeuge geprüft?

Es wurde auch auf eine Marktanalyse verzichtet, was auch schon die kantonale Fachstelle für öffentliche Beschaffungen gerügt hatte. Diese bemängelte gegenüber dem JSD bereits, dass auch nicht ersichtlich sei, welche Spezifikationen das neue Alarmpikett-Fahrzeug erfüllen müsse und das Departement auch nicht beantworten konnte, warum ein Elektrofahrzeug zwingend notwendig sei, obschon es löblich sei, die Umweltfreundlichkeit zu berücksichtigen.

Das Argument des JSD, dass nur Tesla die Anforderungen erfüllen könne, wischte die Fachstelle weg: Das zeige vielmehr, «dass der Markt noch nicht soweit ist, dass er für dieses spezielle Segment geeignete Fahrzeuge anbieten kann». Deswegen hätten auch Hybridfahrzeuge in die Evaluation einbezogen werden müssen. Dann hätte auch der Wettbewerb gespielt und Konkurrenzofferten wären möglich gewesen.

Schwer nachvollziehbar erscheint auch die Exkursion der Mitarbeitenden der Polizeigarage an den Autosalon Genf mit dem Auftrag, alle möglichen Elektrofahrzeuge ausfindig zu machen, die bis 2020 auf den Markt kommen. Zum Zeitpunkt der Beamtenreise im März 2018 war der Entscheid für den Tesla aber schon gefallen.

Departement gesteht Mängel ein, steht aber zum Tesla

Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) hat den Bericht der Finanzkontrolle bereits kommentiert. Er räumt ein, dass die Beschaffung ungenügend dokumentiert war. Am materiellen Entscheid hätte aber auch eine vollständige Dokumentation nichts geändert, erklärt er abschliessend.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg am 18.09.2018 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeldverschwendung

    Eine Dienstreise an den Autosalon in Genf?? Zum Glück zahl ich meine Steuern in einem anderen Kanton!!

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  • roland moser am 18.09.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Für diesen Betrag hätte es...

    ...21 Fiat Punto gegeben... Die genügen auch italienischen Carabinieri.

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  • Jerome am 18.09.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Kona oder sonst was

    Tesla ist sowas von 2014. Damals wow, heute hat gar Hyundai ein Top Stromer SUV ab Stange. @BS POL: Bitte kauft mit meinen Steuergelder anständige Autos und nicht solche Proletenmachinen mit einem perversen Bremsweg (ja auch bei diesem Modell). Es dankt ein Basler Steuerzahler.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schiffsjunge Bartli am 27.09.2018 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsbeschaffungen

    Staatsbeschaffungen sehen so aus, man geht ins Internet sucht sich das schönste und teuerste aus und am Schluss zahlt der Steuerzahler.

  • Cisco am 26.09.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber "E" als "D"

    Lieber E-Power von Tesla als D-Power (Diesel aus Deutschland). Zudem ist so ein Diesel-Schleuder aus Deutschland mit Schummelsoftware bei guter Ausstattung und vernünftigem Motor etwa gleich teuer. Dabei haben sie schlechtere Garantien und mehr Verschleissteile als ein E-Auto von Tesla. Somit macht die Wahl der Basler durchaus Sinn!

  • RL am 24.09.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    ungeeigneter Polizeitrumm

    Als Tesla Fahrer muss ich sagen, dass dieser riesige 2,6 T Trumm wegen Unzuverlässigkeit,Grösse, Trägheit und Kompliziertheit völlig ubgeeignet ist! Wahrscheinlich wurde er im Polizeialltag ungenügen getestet und nicht mit anderen Fz verglichen! Kann mir diesen Fehlentscheid nur so erklären.

    • Thomas am 28.09.2018 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RL

      So ein Quatsch! Du hast Keinen Tesla sonst würdest Du das nicht schreiben! Ich habe einen und viiiiel weniger Probleme als mit Benzin oder Diesel aus D oder Schweden.

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  • The Name of the Game am 22.09.2018 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    Sachlich betrachtet korrekte Entscheidun

    Die Karre spart schon mal 45000 Franken an Benzinkosten ein bis 300000km Einsatzzeit gegenüber einem vergleichbar motorisierten Erdölmobil. Service und Unterhalt ist auch günstiger. Der E-Motor holt 4x mehr aus der gleichen Energie raus (im Stadtverkehr ist der Unterschied noch grösser). Vergleichbare Fahrzeuge gibt es nicht also war die Entscheidung offensichtlich richtig. (Den elektrischen (etwas kleineren) Jaguar gab es zum Entscheidungszeitpunkt noch nicht). Eine andere Marke die ein Ladenetz hat, gibt es bis heute nicht (wobei die ca. 400km Reichweite längst reichen für die Stadt).

  • Nicola Unterberger am 21.09.2018 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Führung

    Eine Departement so grottenschlecht führen, so kann man nur beim Staat oder bei der Stadt arbeiten. Überall sonst wär man schon lange rausgeflogen