Fünfter Geburtstag

25. Februar 2016 05:52; Akt: 25.02.2016 14:13 Print

Anyway – der Treff für Anderssexuelle hat Zulauf

Die Basler Jugendgruppe Anyway hat Zulauf wie noch nie. Seit fünf Jahren kümmern sich die Treff-Leiter um Anderssexuelle. Damit locken sie sogar junge Menschen aus dem nahen Ausland an.

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Ein Coming-out ist wohl der bedeutendste Schritt im Leben eines Jugendlichen. «Nach wie vor wird Anderssexualität tabuisiert und die Gesellschaft macht es jungen Menschen nicht leicht, einen Weg zu finden, mit der eigenen Sexualität unbeschwert umzugehen», so Yannick Frommherz, Leiter von Anyway, dem Treff für homo-, bi-, trans- und asexuelle 16- bis 25-Jährige. In wenigen Tagen feiert die Jugendgruppe ihr fünfjähriges Bestehen. «Während dieser Zeit hat Anyway unzählige junge Menschen begleitet und unterstützt», erzählt der 21-Jährige, der den Treffpunkt bereits als Teenager besuchte und die Gruppe mittlerweile mit rund einem Dutzend Kollegen leitet.

Jeden zweiten Donnerstag versammeln sich rund 25 Menschen, die nicht der «Hetero-Norm» entsprechen, in dem Jugendhaus Neubad, um zu quatschen, Vorträgen zu lauschen oder einfach zusammen zu essen. Und: Es werden stetig mehr. «Die Nachfrage ist ungebrochen gross und wir sehen von Mal zu Mal neue, unbekannte Gesichter», so Frommherz. Da im grösseren Umkreis kein vergleichbares Angebot existiert, nehmen einige Besucher einen langen Weg auf sich. Frommherz: «Die jungen Erwachsenen kommen aus den beiden Basel, dem Aargau, Solothurn und sogar aus Deutschland und dem Elsass.» Die Abende hätten sich schnell etabliert und in den verschiedenen Szenen herumgesprochen.

Jugendtreff beliebt trotz Social Media

In der Vergangenheit hätten viele gedacht, dass es es keine Jugendtreffs brauche, da die Diskussionen mit Gleichgesinnten ins Internet abwandere. «Aber das Bedürfnis nach einem direkten Austausch ist bei den jungen Menschen trotz Social Media immer noch sehr stark. Uns braucht es», sagt Frommherz.

Anyway ist eine Herzensangelegenheit der Leiter, die das Projekt nebst Ausbildung oder Job in der Freizeit stemmen: «Um stets mit offenen Ohren für die jungen Erwachsenen und ihre Erfahrungen da zu sein und sie in dieser Phase zu unterstützen.» Vermehrt werden sie auch von Lehrpersonen in die Klassen geladen, um aus dem Leben als Anderssexueller zu erzählen und den Schülern Rede und Antwort zu stehen. «In unseren Augen ist es sinnvoll, dieses Thema offen an Schulen anzusprechen. Wenn sich Lehrer damit unwohl fühlen, leisten wir diese Aufklärungsarbeit sehr gerne.»

(jd)