Narkose

07. Februar 2011 23:04; Akt: 08.02.2011 00:18 Print

Arzt wegen Tod von 7-Jährigem vor Gericht

von Jonas Hoskyn - Ein Bub starb im Unispital Basel, nachdem er Narkotika für Erwachsene erhalten hatte. Nun muss sich der Oberarzt vor dem Strafgericht verantworten.

Fehler gesehen?

Der sieben Jahre alte Raphaël war mit einem Schädelbruch aus dem Spital Moutier überwiesen worden. Er war kurz ­zuvor auf dem Schulweg von einem Auto angefahren worden. Noch am selben Abend wurde der Bub operiert – er schien Glück im Unglück gehabt zu haben. Drei Tage später verschlechterte sich sein Zustand jedoch massiv – er hatte Atemprobleme, einen epileptischen Anfall und schliesslich einen Herzstillstand. Kaum war die Reani­mation abgeschlossen, entdeckten die Ärzte ein Blut­gerinnsel im Gehirn. Auch eine Notoperation konnte den Jungen nicht mehr retten. Am 2. Juni 2004 starb Raphaël.

Aufgrund der Komplexität des Falles kommt es erst jetzt zum Prozess. Der Anklagepunkt: Zur Betäubung des Buben wurde das Mittel Propofol verwendet, das eigentlich nur für Erwachsene zugelassen ist. «Off-Label» sei es damals aber auch bei Kindern routine­mässig verwendet worden, so der Angeklagte vor Gericht. Der 58-jährige Intensivmediziner, der seit 1992 am Unispital in leitender Funktion arbeitet, war damals in der Pfingst­woche 2004 für Anästhesie-Fragen verantwortlich. Gemäss einem Gutachten des ­Instituts für Rechtsmedizin ist der Tod im klaren Zusammenhang mit den Propofol-Infusionen zu sehen. Entsprechend lautet die Anklage auf fahrlässige Tötung. Der An­geklagte bestritt vor Gericht eine Kausalität: «Das Gerinnsel könnte auch eine Folge des Unfalls oder der OP gewesen sein.» Das Urteil wird nächste Woche erwartet.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noro elle am 08.02.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis aber.....

    Ich kann verstehen, dass die Eltern verzweifelt über den Tod ihres Kindes sind und einen Schuldigen suchen. Jdoch finde ich dieses Ärzteverklagen recht bedenklich.Klar passieren Fehler, aber die Menschen sind keine Götter. Wie viele Leben hat dieser Arzt wohl in seiner Karriere gerettet und jetzt kommt er wegen eines Fehlers dran?Vorallem-ohne die Ärzte wäre der Bub sofort gestorben. Das vergisst man immer wieder. Es geht um den menschlichen Körper und nicht um einen IPod.

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  • miketofind am 12.02.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ursachen?

    Ich finde es unglaublich, dass man in diesem Fall eine Ursache sucht wo sie schon klar ist: das Kind wäre bei schweren Schädel Hirn Trauma ohne medizinische Hilfe sicher gestorben. Warum denken die Menschen immer nur, dass sie ein Recht auf Gesundheit und Heilung haben? Wenn es dann nicht besser wird, ist es immer das Versagen der Mediziner. In diesem Falle ist es etwas so, als ob ein Feuerwehrmann bei dem Versuch einen Waldbrand zu löschen sein Feuerzeug im brennenden Wald aus der Tasche verloren hätte. Es tut mir leid für den Mann, der seit 19 Jahren Tausende Kinder gerettet hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • miketofind am 12.02.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ursachen?

    Ich finde es unglaublich, dass man in diesem Fall eine Ursache sucht wo sie schon klar ist: das Kind wäre bei schweren Schädel Hirn Trauma ohne medizinische Hilfe sicher gestorben. Warum denken die Menschen immer nur, dass sie ein Recht auf Gesundheit und Heilung haben? Wenn es dann nicht besser wird, ist es immer das Versagen der Mediziner. In diesem Falle ist es etwas so, als ob ein Feuerwehrmann bei dem Versuch einen Waldbrand zu löschen sein Feuerzeug im brennenden Wald aus der Tasche verloren hätte. Es tut mir leid für den Mann, der seit 19 Jahren Tausende Kinder gerettet hat.

  • Noro elle am 08.02.2011 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis aber.....

    Ich kann verstehen, dass die Eltern verzweifelt über den Tod ihres Kindes sind und einen Schuldigen suchen. Jdoch finde ich dieses Ärzteverklagen recht bedenklich.Klar passieren Fehler, aber die Menschen sind keine Götter. Wie viele Leben hat dieser Arzt wohl in seiner Karriere gerettet und jetzt kommt er wegen eines Fehlers dran?Vorallem-ohne die Ärzte wäre der Bub sofort gestorben. Das vergisst man immer wieder. Es geht um den menschlichen Körper und nicht um einen IPod.

    • Die Ausnahme am 08.02.2011 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      Ärzte nicht strafen? und Fluglotsen?

      Andere, die Fehler machen kommen auch dran. Lastwagenfahrer haben eine sehr geringe Verantwortung. Das sieht man am niedrigen Lohn. Ärzte haben eine hohe Verantwortung. Das sieht man am hohen Lohn (nicht nur). Wenn Lastwagenfahrer Fehler machen gibts Tote - bei Ärzten ebenfalls. Wenn Fluglotsen Fehler machen, dann gibt es hunderte Tote. Der schuldige Fluglots bei Überlingen hat vorher vielleicht viele Kollisionen verhindert und damit Leben gerettet.

    • RB am 12.02.2011 12:58 Report Diesen Beitrag melden

      Auto oder Arzt?

      Ich frage mich bloss, ob die Eltern nicht begreiffen können, dass ihr Kind von einem Auto getötet wurde und nicht von einem Arzt.

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