Kein Platz

21. Dezember 2011 23:08; Akt: 22.12.2011 02:26 Print

Asylbewerber müssen draussen schlafen

von Jonas Hoskyn - Weil es an freien Unterkünften mangelt, mussten die Aufnahmezentren in den letzten Wochen rund 30 Asylbewerber abweisen – ohne Alternative.

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Kamen gerade noch unter: Janosh Nikolic mit seiner Frau Ninja Saciri und deren Tochter Amela. Hier (kleines Bild) wollte eine Gruppe von Asylbewerbern übernachten. (Bild: hys)

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Wäre die Szene nicht so tragisch, könnte man sie schon fast surreal nennen: Eine Woche vor Weihnachten trifft die Basler Menschenrechtsaktivistin Almut Rembges bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt im Wald in einer Scheune auf eine Gruppe von 20 Asylbewerbern, darunter fünf Kinder im Alter zwischen fünf Monaten und zehn Jahren.

«Als wir mit ihnen ins nahegelegene Aufnahmezentrum gingen, wurden wir abgewiesen», so Rembges. Erst nach langen Diskussionen seien die Frauen und Kinder aufgenommen worden. Für die Männer war kein Platz. Kein Einzelfall: «In den letzten Tagen mussten wir in der ganzen Schweiz zwischen 20 und 30 Männer abweisen, weil wir schlichtweg keinen Platz mehr haben», so Joachim Gross vom Bundesamt für Migration. Am schlimmsten ist die Lage in Basel. Die Unterkünfte – für 320 Leute konzipiert – platzen mit 500 Asylsuchenden aus allen Nähten. Wie «10vor10» berichtete, fanden mehrere Männer Unterschlupf im Männerwohnheim, andere übernachteten aus Not am Bahnhof.

Immerhin: Ab heute steht ein zusätzlicher Zivilschutzkeller mit 100 Plätzen im nahe gelegenen Pratteln zur Verfügung. «Damit ist die Situation nur entschärft, aber nicht gelöst», so Heidi Mück vom Grünen Bündnis. «Der Bund will die Situation aussitzen, statt zu handeln.»

Bett nur dank der 3-Jährigen

Die Ankunft in der Schweiz hatte sich Janosh Nikolic anders vorgestellt: Zusammen mit seiner Frau Ninja Saciri und deren dreijähriger Tochter Amela ist er vor zwei Tagen aus dem Kosovo eingetroffen, um in der Schweiz Asyl zu beantragen. Beim Empfangszentrum Basel stand er allerdings vor verschlossenen Türen: «Sie sagten, es tue ihnen leid, es sei alles voll», so Nikolic. Dafür erhielt er den Tipp, am Bahnhof zu schlafen: Dort sei es einigermassen warm. Erst als er gesagt habe, er habe ein dreijähriges Mädchen dabei, habe man die Familie hereingelassen. «In unserem Zimmer leben 15 Personen. Aber wenigstens sind wir zusammen», so Ninja Saciri.

Zurück in seine Heimat will Nikolic auf keinen Fall: «Ich lebe im Grenzgebiet, dort ist es immer noch sehr gefährlich», so Nikolic. «Wir möchten einfach in Ruhe leben können.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 22.12.2011 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid

    Die Leute wurden nicht gezwungen in unser Land zu kommen und ich verstehe nicht, wieso ich diese mit meinen Steuern unterstützen sollte oder gar so sehr verpflegen, dass es ihnen fast besser geht als mir. Schlussendlich arbeite ich 100 % und muss ebenfalls gut mit meinem Geld haushalten. Wenn ich ende Monat nichts mehr habe hilft mir auch keiner. Obs nun Selbstverschuldet oder Fremdverschulden ist. Dann heissts auch hungern... Aber leider schreit der durchschnitts Schweizer wir müssen denen helfen wir sind reich... Aber genau so werden wir arm. Man brauchts sich nur mal die EU anzuschauen.

  • Egger Tanja am 22.12.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unklar

    Ich habe ja wirklich Verständnis für Flüchtlinge und es ist mir auch bewusst, dass wir hier die Lage in solchen Ländern nicht wirklich einschätzen können. Aber wenn das Grenzgebiet so gefährlich ist, wieso zieht er dann nicht weiter ins Landesinnere, wieso muss es gleich ein anderes Land sein? Das leuchtet mir nicht ein.

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  • gefälltmiraber ganzbestimmtnicht am 22.12.2011 06:02 Report Diesen Beitrag melden

    komisches gefühl

    und warum kommen diese leute eigentlich ausgerechnet in die schweiz?? ?? . . .es gibt noch viele andere Länder die näher lägen oder vielleicht noch platz hätten . . .österreich , slowenien, kroatien, tschechien oder italien oder was weiss ich. . . es tut mir leid für diese menschen, aber es scheint einen grund zu geben, weshalb sie in dieses kleine land gehen möchten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Noah am 23.12.2011 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Schweiz...wird erwachsen

    Es ist immer schön zu sehen, wie gewisse Personen über Asylsuchende urteilen und diskutieren, obwohl sie überhaupt KEINE AHNUNG haben! Und nur zur info "Asylanten" sagt mach nicht korrekter Ausdruck; Asylsuchende

  • Luc Dissier am 23.12.2011 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich...

    ...diese Kommentare! Wir sind das reichste Land der Welt und können uns nicht leisten ein Obdach für diese Menschen zu bieten? Zumindest solange bis der Asylentscheid gefallen ist. Unglaublich dieser Egoismus! Es wiedert mich an solche unüberlegten moralisch fragwürdigen Kommentare zu lessen. Eine junge Familie mit einer kleinen Tochter sucht ihr Glück...und jeder von euch hat das gefül Richter zu sein! Hochmut kommt vor dem Fall! Jeder ist sich selbst der nächste. In diesem Sinn schöne Weihnachten ihr super Christen!

  • Tom Huber am 23.12.2011 04:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht so schlimm sein.

    In der Rekrutenschuls mussten wir auf über 1000 müM in einem leeren Stall schlafen. Draussen herrschten Minustemperaturen. Es war nicht besonders angenehm. Aber ich habe deswegen weder psychisch noch physisch einen Schaden davon getragen. Ich mag mich nicht erinnern dass damals jemand mit uns bedauern hatte.

  • Danny am 22.12.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht so nicht weiter

    Die Ex.Ju-Staaten sollen mit ihrem gegenseitigen Rassismus aufhören, der immer wieder vorgeschobener Grund ist, um hier Asyl zu bekommen. Die Schweiz. 4 Landessprachen, Juden, Katholiken, Protestanten, Calvinisten. Wir sind uns auch nicht immer "grün" gewesen. Aber wir diskutieren die Probleme aus. Das sollen die auch lernen (auch Kurden und Türken, Hutu und Tutsi und, und, und). Es kann nicht sein, dass wir diese Geschichten und Animositäteten aus aller Welt auszubaden haben

  • Karin Studer am 22.12.2011 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das Gleiche

    Jeden Tag geht es nur um Asylzahlen, ich habe auch die Nase voll davon! Wieso schmeissen wir soviel Geld raus, und haben für unsere eigenen Familien, Kindern und Alleinerziehern nichts übrig! Viele sind von der Armut bedroht weil sie durch die horrenden Ausgaben leiden! Aber lieber "verschenken" wir das Geld....

    • Jris am 23.12.2011 23:01 Report Diesen Beitrag melden

      und der Ständerat gibt sich mehr Lohn

      Ganz meine Meinung Karin und das Bundeshaus kann sich mehr Lohn geben. Die Schweizer Bevölkerung nagt daneben am Hungertuch. Einsparungen überal für Schweizer daneben jede menge Geld auch für das Asylwesen anstadt endlich in diesem Problem lösungsorientiert zu arbeiten und nicht ewig nur verzetteln.

    • Euro am 25.12.2011 00:19 Report Diesen Beitrag melden

      Europäer in Reservate

      Mir gehts auch so. In Tunesien verfolgen Sie jetzt Alleinerziehende. Alles ist ohne Ende. Immer mehr kommen. Wir werden so das neue Afrika. Inkl. deren Probleme. Habe es satt all die Probleme zu Importieren und es zu unseren machen. Es nimmt kein Ende.

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