Basler Steuerstatistik

08. Juli 2014 18:09; Akt: 08.07.2014 19:02 Print

Auf dem Bruderholz wird sechsstellig versteuert

von Lukas Hausendorf - Zwischen dem reichsten und dem ärmsten Basler Quartier beträgt das Einkommensgefälle im Schnitt 63'362 Franken. An den Kleinbasler Schulen kämpft man gegen die Vererbung der Armut.

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Die Steuerstatistik zeigt, wo im Kanton Basel-Stadt das Geld zuhause ist. Die neusten Zahlen zum Veranlagungsjahr 2011 überraschen kaum. So wohnt man etwa auf dem Villenhügel des Bruderholz-Quartiers oder in der vornehmen Altstadt und im St. Alban teuer. In diesen Quartieren werden auch die grössten Einkommen versteuert. Auf dem Bruderholz sind es pro Person im Durchschnitt 105'709 Franken netto. Am wenigsten wurde im Klybeck versteuert: Dort sind es im Durchschnitt nur 42'347 Franken.

Basel ist punkto Vermögensverteilung eine Stadt der Gegensätze. Über zehn Prozent der Veranlagungen weisen ein Einkommen von über 120'000 Franken auf – diesen gegenüber stehen fast 31 Prozent oder 34'743 Personen, die ein steuerbares Einkommen von weniger als 30'000 Franken ausweisen. Das Durchschnittseinkommen im Kanton liegt bei 64'817 Franken. In diesem Bereich rangieren die Quartiere Am Ring, Gotthelf und Wettstein.

Armutskonzentration im Kleinbasel

Die meisten der Geringverdiener im Kanton wohnen in den unteren Kleinbasler Quartieren Matthäus, Klybeck und Kleinhüningen. Im Matthäus verdienten 2011 sogar fast 41 Prozent der steuerpflichtigen Personen weniger als 30'000 Franken. Entsprechend ist die Konzentration der Armutsbetroffenen in diesen Quartieren auch am grössten und auch der Ausländeranteil mit über 50 Prozent am höchsten.

«Migranten sind überproportional vertreten, aber eher im Bereich der Working Poor. Sie arbeiten zwar, bringen aber nicht genug Geld nach Hause», sagt Philipp Dubach vom Büro Bass für arbeits- und sozialpolitische Studien, das den Basler Armutsbericht 2010 verfasst hat. Er warnt aber davor, bei den stark armutsbetroffenen Vierteln von Grossstadtghettos zu reden: Für die Aufwertung dieser Quartiere sei in den letzten Jahren viel unternommen worden.

Tagesstrukturen für bessere Bildungschancen

Das grösste Risiko der Armut ist ihre Vererbbarkeit und das effizienteste Mittel dagegen die Bildung. Der Kanton ist bemüht, mit der Einrichtung von Tagesstrukturen an den Schulen den schlechten Chancen von Kindern aus bildungsfernen Familien entgegenzuwirken. «Hier spüren wir Fortschritte», sagt Pierre Felder, Leiter der Basler Volksschulen. Pro Jahr steigen die Ausgaben für Tagesstrukturen derzeit um zwei Millionen Franken an. Die Abdeckung auf der Primarstufe hat mittlerweile 24 Prozent der Schüler erreicht.

Eine weitere Massnahme ist die sprachliche Frühförderung, zu der 380 Familien verpflichtet wurden. Mit den Tagesstrukturen erreicht man aber längst nicht alle Familien, deren Kinder davon profitieren würden. Kinder aus bildungsbürgerlichem Haushalt seien übervertreten, so Felder. Aber verpflichten könne man die Familien nicht.

One-Stop-Shop für Arme

Für die schwächsten der Gesellschaft engagiert sich auch die Christoph-Merian-Stiftung, die den Armutsbericht in Auftrag gegeben hat. Mit diesem Engagement steht sie aber nicht alleine da. Das Netzwerk an Inititativen zur Armutsbekämpfung in Basel-Stadt ist kaum zu überblicken. Die CMS arbeitet zurzeit aber mit dem Kanton an einer Bündelung der Angebote an einer zentralen Anlaufstelle. «Wir haben dazu auch Best-Practice-Beispiele aus nordischen Ländern und England untersucht», so Walter Brack, Leiter Soziales und Stadtentwicklung der CMS. Bereits im nächsten Halbjahr sollen erste Resultate folgen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Xoff Pardey am 10.07.2014 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwertung

    UnterAufwertung wird im unteren Kleinbasel das Renovieren von günstigem Wohnraum verstanden, der dann teurer vermietet wird und somit die Armen aus dem Quartier vertreibt. Am Schluss hat's dann weniger Arme und das Quartier ist damit aufgewertet. Toll!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Xoff Pardey am 10.07.2014 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwertung

    UnterAufwertung wird im unteren Kleinbasel das Renovieren von günstigem Wohnraum verstanden, der dann teurer vermietet wird und somit die Armen aus dem Quartier vertreibt. Am Schluss hat's dann weniger Arme und das Quartier ist damit aufgewertet. Toll!