Basel

04. Mai 2018 11:39; Akt: 04.05.2018 11:43 Print

Auf Tram wird zum Mord an Erdogan aufgerufen

In Basel haben Unbekannte einen Schriftzug auf ein Tram gesprayt, der zum Mord am Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, aufruft. Die linksautonome Szene hat sich zur Tat bekannt.

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Am Sonntagabend waren auf einem Tram der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) in grossen Lettern die Wörter «Kill Erdogan» zu lesen. Wie die «bz Basel» am Freitag berichtet, sprayten Unbekannte den Schriftzug gegen 23.30 Uhr an der Endhaltestelle Neuweilerstrasse auf das Tram der Linie 8.

Das Fahrpersonal habe die Aktion nicht bemerkt, so die BVB gegenüber der Zeitung. Das Tram legte fuhr daraufhin weiter, bis die Mitarbeiter die Schmiererei bemerkten. Dann hätten sie das Tram so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen, so die BVB. Das Tram wurde anschliessend im Depot gereinigt. Der Sachschaden dürfte sich auf rund 5000 Franken belaufen, sagt BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid gegenüber 20 Minuten. Seit Anfang Woche sei das Tram wieder im Verkehr. Die BVB hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigt dies auf Anfrage. Ob sie ein Verfahren eröffnen wird, steht noch nicht fest.

Folgt ein politisches Nachspiel?

Aus welchem Umfeld die Täter stammen, ist mittlerweile bekannt. Die Sprayer haben am Donnerstag auf der linksautonomen Online-Plattform Barrikade ihre Tat begründet: Man wolle damit «die Ignoranz in der Schweiz durchbrechen». Gemeint sind damit militärische Auseinandersetzungen in der Türkei und im syrischen Grenzgebiet, für die die Aktivisten den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verantwortlich machen. Diesen Krieg wolle man «auch hier sichtbar machen».

Ob der Zwischenfall ein politisches Nachspiel haben wird, wird sich zeigen. Die Vergangenheit zeigt, dass dies durchaus der Fall sein könnte: Als vergangenes Jahr in Bern Teilnehmer einer Kundgebung ein Transparent mit den Worten «Kill Erdogan ... with his own weapons» in die Höhe hielten, folgte die Reaktion aus der Türkei auf dem Fuss. Man berief in der türkischen Hauptstadt Ankara noch am selben Tag die stellvertretende Leiterin der Schweizer Botschaft ein, auch der Schweizer Botschafter selbst wurde noch einbestellt.

Proteste gegen Ausschaffungsgefängnis

Die Aktion ist nicht die erste ihrer Art in Basel. Die linksautonome Szene bekämpft seit Monaten den Erweiterungsbau des Basler Ausschaffungsgefängnisses Bässlergut. Fahrzeuge von beteiligten Baufirmen, aber auch Polizeiwagen wurden angezündet und Reifen eingestochen. Die Situation ist in Basel dementsprechend aufgeheizt und die Behörden diesbezüglich in Alarmbereitschaft: Laut der bz hat sich bezüglich der Attentate der Nachrichtendienst des Bundes eingeschaltet. Die Basler Staatsanwaltschaft hat zudem über 60 Verfahren eröffnet.

(daf)