150'000 Franken Sachschaden

18. April 2019 04:49; Akt: 18.04.2019 04:49 Print

Autovandale bringt Tal zum Verzweifeln

Über 100 Fälle und ein Sachschaden von mehr als 150'000 Franken: Ein Autokratzer hält das Waldenburgertal in Atem. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck.

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Seit rund einem Monat werden in Waldenburg und Niederdorf systematisch Autos demoliert. Mit einem spitzen metallenen Gegenstand wird der Lack beschädigt, teilweise werden sogar Schrauben in die Reifen gedreht.

Über 100 Anzeigen sind inzwischen bei der Polizei eingegangen, der Sachschaden beläuft sich auf über 150'000 Franken. Seit 20 Minuten die Serie Anfang April publik gemacht hatte, kamen Dutzende neue Fälle hinzu.

Das Unbehagen, die Ohnmacht und die Wut im Tal sind gross. «Ich überlege mir gut, wo ich mein Auto unbeaufsichtigt abstelle», sagt ein Bewohner. «Ich bin in Waldenburg nur noch mit meinem zerkratzten Auto unterwegs, den Zweitwagen lasse ich in der Garage.» Es gebe auch Leute, die derzeit komplett darauf verzichteten, das Auto im Dorf zu benutzen.

Geschädigte können sich Reparatur nicht leisten

Bei der Carosserie Scuderi in Niederdorf ist der grosse Ansturm der Geschädigten bisher ausgeblieben. Elf zerkratzte Autos hätten sie neu lackiert, sagt Fabio Scuderi auf Anfrage von 20 Minuten. Das liege auch daran, dass sich viele Betroffene die Reparatur nicht leisten könnten.

Die Parkschutzversicherung, die Vandalismus abdecken würde, laufe oft nur für die ersten Jahre nach dem Kauf. Wer also keine Vollkaskoversicherung hat, bleibt auf den Kosten sitzen. Auch mit der Versicherung bleibt der Selbstbehalt, in der Regel 1000 Franken, die die Geschädigten selbst berappen müssen. Da die Lackierungen der Autos in den letzten Jahren immer aufwendiger geworden seien, sei auch der Aufwand und damit die Kosten der Reparatur höher, so Scuderi.

Mehr Patrouillen

Auch die Politik ist inzwischen aktiv geworden. Gegenüber der «Volksstimme» sagte Waldenburgs Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann, dass der Vandalismus inakzeptabel sei. Weiter kündigte sie an, dass die Sicherheitsfirma, mit der die Gemeinde zusammenarbeite, verstärkt patrouillieren werde. Von der Polizei erwarte sie mehr Präsenz.

Laut der Baselbieter Polizei ist die letzte Anzeige wegen eines mutwillig beschädigten Autos vor ein paar Tagen eingegangen, sie ermittelt weiterhin mit Hochdruck. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr dazu gesagt werden.

(kom)