Frisch gestrichen

08. September 2019 10:38; Akt: 08.09.2019 12:24 Print

«Wundere mich, dass die SBB daraus nichts lernt»

Kaum war die Pratteler Bahnhofunterführung frisch gestrichen, ist sie wieder beschmiert. Das wundert in der Gemeinde niemanden.

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«We love you ...»: Relativ harmlose Wandbeschmierer waren an den einst weissen Wänden in der Pratteler Bahnhofunterführung am Werk. Das Mitglied der Pratteler Facebook-Gruppe, das den Beitrag mit den Fotos der beschmierten Wände gepostet hat, meint: «Ich habe schon gedacht, dass so was passiert. In Pratteln bleibt nichts lange weiss.» Auch in den Kommentaren ist längst eine Diskussion ausgebrochen. Die meisten Mitglieder der Gruppe regen sich darüber auf. Das Ganze sei «einfach nur hirnlos und asozial». Die SBB begründet die Frage von 20 Minuten, wieso sie die Wände nicht dunkler oder bunter streichen lassen habe: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Helligkeit in Unterführungen zu weniger Beschmierungen führt.» Ausserdem sei die verwendete Farbe besser abwaschbar. Dabei wurden bereits vielerorts gute Erfahrungen mit Street-Art gemacht, um Schmierereien vorzubeugen. So liess die IWB mehrere Trafohäuser in Basel bemalen, die vorher regelmässig verschmiert worden waren. Borer Oberer verwandelten den ehemaligen Unort im September 2014 in ein farbenprächtiges Kunstwerk. Ästhetisch entwertet werden auch regelmässig Kabelverteilkästen der IWB. Auch damit lässt sich etwas machen. Pascal Kehl kreierte mit Schablonen ein niedliches Motiv in den IWB-Farben und schuf auch gleich eine Verbindung zum Briefkasten der Post. In Dornach wurde ein verschandelte Unterführung mit ortstypischen Motiven künstlerisch aufgewertet. Die Gemeinde sparte sich so wiederkehrende hohe Reinigungskosten.

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Kaum sind die Wände in der Pratteler Bahnhofunterführung sauber weiss gestrichen, sind sie schon wieder beschmiert. Jedoch waren die Vandalen mit Sprüchen wie «Häppi Börsdei FCB!!» oder «We love you ...» zumindest inhaltlich eher harmlos. Trotzdem ist klar: Weisse Wände sind für Künstler und Schmierfinken eine Einladung. «Ich wundere mich, dass die SBB daraus nichts lernt. Schade für den Aufwand», kommentiert eine Userin in der Facebookgruppe «Du bisch vo Prattele wenn...» die Fotos der frisch verzierten Wände.

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Das sehen auch die Mitglieder der Community so. Ein Nutzer meint: «Ich habe mir schon gedacht, als ich mitbekommen habe, dass die Wände in der Unterführung gestrichen wurden: In Pratteln bleibt nichts lange weiss.» Andere kommentieren den Beitrag mit den Fotos der beschmierten Wand mit Aussagen wie «Das ist voll assi» oder «Wäre sie farbig oder schwarz gestrichen worden, wäre das wahrscheinlich nicht passiert».

Die SBB meint zu dem Vorschlag mit der schwarzen Bemalung der Wand: «Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass Helligkeit in Unterführungen zu weniger Beschmierungen führen.» Ausserdem sei die verwendete Farbe besser abwaschbar.

Street-Art gegen Vandalismus

Allerdings konnten andernorts mit Auftragswerken von Graffiti-Künstlern gute Erfahrungen gemacht werden. Der Basler Galerist Philipp Brogli, der in der Szene bestens vernetzt ist, hat schon diverse solche Projekte realisiert. Die Industriellen Werke liessen mehrere ihrer Trafohäuser, die regelmässig verschmiert worden waren, mit urbaner Kunst aufwerten.

Die Wände werden so von weiteren Schmierereien verschont. «Die Bilder geniessen Respekt», sagt Brogli. So finanzieren die IWB die Street-Art aus dem Budget für Reinigungskosten. Urbane Kunst war auch am Bahnhof Dornach ein wirksames Rezept gegen Schmierereien. Der einstige Schandfleck wurde dort im Auftrag der Gemeinde von den Künstlern Daniel Zeltner und Raphael Roth mit regionalen Motiven zu einem Kunstwerk aufgewertet.

(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex dEr Nichtversteher am 08.09.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Es ist bezeichnend, dass in der heutigen Zeit in diesem Artikel die SBB an den Pranger gestellt wird und nicht die Spray-Vandalen...!

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  • Expat am 08.09.2019 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die erwischt man wenn man will

    Gelten Gesetze nur für Autofahrer und normale Bürger. Die Schmierfinken die man erwischt sollten neben den Reinigungskosten 10'000Franken Busse bezahlen, im Wiederholungsfall das doppelte.

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  • Einerdereswissentut am 08.09.2019 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vandalismus

    Da die zuständige Staatsanwaltschaft BL immer wieder solche Täter laufen lässt, muss man sich nicht wundern, dass die frisch fröhlich weiter machen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • T.P. am 09.09.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos!

    ich habe auch nur Kopf schütteln ist nicht ok ganze Arbeit um sonst einfach nur sehr Traurig und Respektlos. Nicht nur in den Unterführung auch an anderen Orten dafür gibt es keine Worte.

  • Gero F am 09.09.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    SBB Management bei Jeans

    SBB Management bei Jeans: An jeder wichtigen Stelle eine Niete.

  • Ueli M. am 09.09.2019 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nix dazugelernt

    Da merkt man schon , dass die Verantwortlichen bei der SBB nicht begreifen, was es braucht, dass es funktioniert. Das weiss ja jeder, dass weisse Wände Schmierfinken geradezu herausfordern. Wieder mal Geld auf Steuerzahlers Kosten verschleudert. Wer das in Auftrag gegeben hat sitzt am falschen Pult.

  • Typhoeus am 09.09.2019 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderne Kunst heist

    möglichst nicht verstehen.

  • DG am 08.09.2019 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmierereien.....

    Wieso sollte sie ? Der Bund hat genug Geld zum verschleudern. SBB gleich Bund. Da wird sich NIE etwas ändern.