«Wir sind ohne Groll»

12. November 2019 16:36; Akt: 12.11.2019 17:48 Print

Vosselers Familie vergibt dem Lastwagenfahrer

Am 23. Oktober kam der bekannte Umweltaktivist Martin Vosseler bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Im Basler Münster fand am Dienstag eine öffentliche Abdankungsfeier statt.

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Im Basler Münster nahmen Angehörige und Freunde am Dienstagnachmittag Abschied vom Umweltaktivisten Martin Vosseler. Unter anderem hielt sein Göttimeitli Mirjam Ballmer eine Ansprache. Neben zahlreichen Einzelrednern sprach auch die Klimajugend, der sich Vosseler sehr verbunden fühlte, und es wurde viel gesungen. Die Anteilnahme am tragischen Unfalltod Vosselers in Basel war sehr gross. Jahrzehntelang setzte er sich kompromisslos für die Umwelt ein. Der Umweltaktivist verstarb am Mittwoch, 23. Oktober, an den Folgen eines tragischen Velounfalls in Basel im Alter von 71 Jahren. Der ehemalige Basler Regierungspräsident Guy Morin (links) und Vosseler (M.) waren jahrzehntelange Weggefährten. «Ohne ihn wäre ich gar nie in die Politik gekommen», sagt Morin. Kompromisslos und konsequent wie kaum ein anderer habe sich Vosseler für den Umweltschutz und den Frieden eingesetzt. «Er war ein Vorbild», so Morin. Der Basler Arzt setzte sich seit Jahrzehnten mit grosser Vehemenz und Konsequenz für die Umwelt ein. 1993 trat er gemeinsam mit Bruno Manser (r.) vor dem Bundeshaus in den Hungerstreik, um gegen den Import von Tropenholz zu protestieren. Er war auch federführend beim Protest gegen die Zollfreistrasse zwischen Weil am Rhein (D) und Lörrach (D) entlang dem Fluss Wiese. Nachdem das Protestcamp aufgelöst wurde, kettete sich Vossler im Februar 2006 an einen Baum und trat in den Hungerstreik. Die Polizei versuchte Vosseler zum Abzug zu bewegen. Obwohl er die Mehrheit der Basler Bevölkerung hinter sich wusste, konnte er den Bau der Strasse nicht verhindern. Im Oktober 2006 legte er in Basel mit dem Solar-Katamaran Sun21 gen New York ab. Es war das erste solarbetriebene Schiff, das den Atlantik überquerte. Die Crew David G. Senn, Michel Thonney, Beat von Scarpatetti, Martin Vosseler und Mark Wuest (von links) nach dem Einlauf im Hafen von Le Marin in Martinique am 2. Februar 2007. Nach der Rückkehr nach Basel konnte sich Vosseler in das goldene Buch der Stadt eintragen. Den roten Teppich rollte man Vosseler auch aus, als er am 11. August 2011 von seiner Sandalenwanderung nach St. Petersburg zurückkehrte. Für den asketisch veranlagten Umweltaktivisten wurde ein kleiner Staatsempfang bereitet. Martin Vosseler verstarb am Mittwoch, 23. Oktober, bei einem Velounfall in Basel im Alter von 71 Jahren.

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Punkt 15 Uhr begann das Orgelspiel für Martin Vosseler im Basler Münster. Dort fand am Dienstagnachmittag die öffentliche Abdankungsfeier für den am 23. Oktober bei einem tragischen Velounfall verstorbenen Friedens- und Umweltaktivisten statt. Die Anteilnahme war gross, die Kirche praktisch bis auf den letzten Platz besetzt. Die Feier wurde sogar im Internet übertragen.

«Wir sind traurig», eröffnete Münsterpfarrer Lukas Kundert die Abdankung. «Wir sind ohne Groll, auch nicht gegen den Lastwagenfahrer», sagte er im Namen der Trauerfamilie. Diese Botschaft sei ganz wichtig für den Lastwagenfahrer.

An der Zeremonie im Münster hielten mehrere Menschen aus Vosselers Umfeld Ansprachen, mit denen sie sein Leben und Wirken würdigten. «Was das Leben von Martin erfüllt hat, ist nicht spurlos an uns vorbeigegangen», so Kundert.

Ein Leben für die Sonne

«Ich habe geliebt und bin geliebt worden. Ich hatte reiche Zeiten mit vielen Eindrücken und unvergessliche Begegnungen. Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben, wenn ich sterbe», zitierte Beat Vosseler «schöne und tröstende Worte» seines verstorbenen Bruders. Dieser widmete sein Leben ganz der Sonne.

Zeichen dafür war ein gelber Sonnenschirm, den sein Göttimeitli Mirjam Ballmer für ihre Ansprache mitbrachte. Dieser sei eben auch ein Sonnenschirm. So viele Erinnerungen an ihn seien mit der Sonne verbunden.

«Er gab uns die Sicherheit, dass das Menschliche überlebt», sagte der Dichter Franz Hohler, ein Freund. «Martin wurde gehört», sagte ein Vertreter der Klimastreik-Bewegung, der Vosseler zuletzt sehr verbunden war.

(20 Minuten)