«Basel Kills World»

27. März 2018 15:49; Akt: 27.03.2018 15:49 Print

Blutgold-Protest an der Baselworld gestoppt

Das Gold, das an der Schmuck- und Uhrenmesse gehandelt wird, stammt aus schmutzigen Quellen, monieren Aktivisten. Die Polizei ging konsequent gegen ihren Protest vor.

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Mit viel Glamour und Politprominenz wurde am vergangenen Donnerstag die 101. Ausgabe der Baselworld eröffnet. Abseits des Rummels rund um Hollywood-Star Julianne Moore und Bundesrätin Doris Leuthard gingen Aktivisten gegen die Veranstaltung auf die Barrikaden. Sie warfen der Messe vor, eine Plattform für den Handel mit schmutzigen Edelmetallen zu bieten.

Unter dem Motto «Basel Kills World» wollten sie während der Eröffnungsveranstaltung ein rund acht Quadratmeter grosses Transparent an zehn Ballonen befestigt zum Boden der City-Lounge hochsteigen lassen. Die Basler Polizei unterband die Aktion jedoch frühzeitig.

Polizei griff sofort ein

«Ohne den Dialog zu suchen, schnappten sie sich das Transparent und zerstörten alle Ballone», schreiben die Aktivisten auf Anfrage. Ihr Grundrecht auf freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt worden. Dass die Staatsgewalt im Bereich der Messe wenig Spielraum für politische Aktionen lässt, ist seit der Pappteller-Affäre (20 Minuten berichtete) bekannt. Im Jahr 2014 wurden 34 Personen vor einer geplanten Kunstaktion während der Art Basel verhaftet – samt Schaulustigen.

Polizeisprecher Toprak Yerguz bestätigt den Einsatz vom Donnerstag gegenüber 20 Minuten. Personen seien bei einer Vorbereitungshandlung für eine Protestaktion beobachtet worden. Fünf von ihnen wurden kontrolliert und das Banner beschlagnahmt.

Kriege und Menschenhandel

«70 Prozent des jährlich weltweit abgebauten Goldes werden von Schweizer Firmen verarbeitet», schreiben die Aktivisten nun in einer Medienmitteilung vom Dienstag. Wiederum die Hälfte davon lande in Schmuck. Während der Schürfarbeiten kämen Stoffe wie Blei und Cyanid zum Einsatz, die sich in den Körpern der Arbeiter ablagern. Zudem komme es laut Studien im Zusammenhang mit Goldabbau zu Kriegen und Menschenhandel.

Der Kanton Basel-Stadt, der 30 Prozent der Aktien bei der Baselworld-Veranstalterin MCH-Group hält, verschliesse die Augen vor den «unglamourösen Aspekten» der Messe. Christoph Brutschin (SP), Basler Wirtschaftsdirektor und Vizepräsident der Messe, verwies für eine Stellungnahme an die Medienstelle des Unternehmens.

«Ermittlungen sind nicht unsere Aufgabe»

«Wir können nicht beurteilen, ob die Vorwürfe der Aktivisten gerechtfertigt sind», sagt MCH-Group-Sprecher Christian Jecker. Aufgrund von Vorwürfen, Gerüchten und Hörensagen könnten keine Sanktionen verhängt werden. «Gemäss Ausstellerreglement der Baselworld kann die Messeleitung einem Aussteller die Zulassung zur Baselworld verweigern, wenn dieser erwiesenermassen gegen die Menschenrechte verstossen hat», heisst es weiter. Es könne aber nicht die Aufgabe der Messeleitung sein, entsprechende Ermittlungen gegen Unternehmen zu führen und abschliessend darüber zu urteilen.

«Firmen prüfen Risiken ungenügend»

Eine Untersuchung der NGO Human Rights Watch zeigte allerdings, dass es die Händler mit ihren Fair-Trade-Verpflichtungen locker nehmen. «Wir fanden heraus, dass die meisten Firmen nicht wissen, woher ihr Gold und ihre Diamanten kommen, und dass sie menschenrechtliche Risiken nicht ausreichend prüfen», sagte Juliane Kippenberg von Human Rights Watch gegenüber der «Tageswoche». Zudem sei der von den Händlern selbst deklarierte Standard viel zu unpräzise und die Kontrollen zu lasch, moniert sie.

(las/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karin Gfeller am 27.03.2018 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Recht haben sie trotzdem, die Aktivisten

    Allerdings haben die Aktivisten nicht unrecht. Nachhaltigkeit im Gold- und Diamantenhandel gibt es so gut wie nicht.

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  • Kain Spam am 27.03.2018 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Aktivisten

    Liebe Aktivisten, dann gebt doch bitte gleich euer Smartphone und euren PC ab. Auch die enthalten Gold. Genau wie alle anderen elektronischen Geräte.

  • utop am 27.03.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    sollte die Polizei den Dialog suchen. Demo war nicht angemeldet, somit illegal. Zudem wollen Demonstranten dass nur ihre Meinung als die richtige wahrgenommen wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Paddy-Zé am 27.03.2018 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Goldene Erdbeere

    Die Demonstrationen finden dort statt, wo Kunde und Schuldiger aufeinander treffen. Ist klar, dass diese nicht erwünscht sind, die zur Party nicht eingeladen sind. Denn wie so oft, wird von den Kunden am meisten, alles ignoriert, wenn es nicht ganz sauber gewonnen wird. Ist bei Lebensmittel ähnlich. Aber schlimm ist vorallem, dass es auch in Zukunft keine Verbesserungen geben wird, wenn ein Dialog gar nie zugelassen wird. Und der Beginn zum Nachdenken ist dort, wenn man Aufmerksamkeit vor dem Kunden übt. Schlimmste Arbeitsbedingungen und giftigste Naturverschmutzung einfach ignorieren?

  • utop am 27.03.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    sollte die Polizei den Dialog suchen. Demo war nicht angemeldet, somit illegal. Zudem wollen Demonstranten dass nur ihre Meinung als die richtige wahrgenommen wird.

  • Leo keller am 27.03.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Und schon wieder demo

    Hauptsache protestieren... Gewisse leute haben echt zu viel geld. Die welt ist kein utopium. Dies sollte jedem kind das aus dem schul alter ist bewusst sein.

  • Renate S. am 27.03.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn es nach denen ginge, dann liefen

    wir nur in Birkenstock herum, trugen nur selbst gehäkelte Unterwäsche und Secondhand-Kordhosen sowie nur Norwegerpullover und würden uns ausschliesslich von Rohkost ernähren. Anstelle von Handys machen wir Rauchzeichen und anstelle von Ärzten und Spitälern gingen wir nur zu den Handauflegern im Amazons oder im Appenzell. Und zuhause hätten wir nur Kerzen und Patchworkdecken gegen die Kälte. Vor lauter Selbstzufriedenheit würden wir allerdings spätestens mit 40 sterben -wie vor 200 Jahren.

    • Schorsch am 27.03.2018 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Renate S.

      Selten so was doofes gelesen. Informieren Sie sich bitte über den schmutzigen Goldhandel und hören Sie auf, Menschen, die darauf hinweisen, zu verunglimpfen.

    • Meli am 27.03.2018 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Renate S.

      Es muss ja nicht gleich so extrem sein. Man kann auch ein Bewusstsein für etwas schaffen, was viele Menschen gar nicht wissen, ohne super-öko-vegan-sozial eingestellt zu sein. Einfach die Leute dazu bewegen etwas nachzudenken, bevor sie ein scheinbar unproblematisches Produkt kaufen.

    • Heidi Heidnisch am 27.03.2018 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Renate S.

      Ich dachte, hier würds um Gold gehen?

    • Kain Spam am 28.03.2018 07:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Renate S.

      Rauchzeichen? Geht garnich! Rauch ist Umweltverschmutzung. Auch das Feuer der Kerze gehört verboten da es CO2 produziert... / Ironieaus

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  • Karin Gfeller am 27.03.2018 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Recht haben sie trotzdem, die Aktivisten

    Allerdings haben die Aktivisten nicht unrecht. Nachhaltigkeit im Gold- und Diamantenhandel gibt es so gut wie nicht.

    • momo89 am 27.03.2018 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz korrekt

      Das stimmt nur bedingt und mag auf die grossen Schmuckverarbeiter zutreffen, kleinere Goldschmiedebetriebe die oekogold zertifiziert sind zum Beispiel wissen woher ihr Edelmetall herkommt. Nämlich ausnahmslos aus rezykliertem Altschmuck. Bei den Diamanten regelt das Kimberly-Abkommen wie die Steine gefördert werden und woher Sie kommen. Grundsätzlich gilt bei allen Produkten, differenzieren und kritisch hinterfragen ist pflicht.

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