Pilotprojekt

16. Juli 2014 17:04; Akt: 16.07.2014 17:04 Print

Basler «Street View» lässt Google alt aussehen

von Lukas Hausendorf - Für das kantonale Vermessungsamt erfasst ein Startup Basels Strassen in nie dagewesener Schärfe. Der Bevölkerung sind die Bilder aber aus Datenschutzgründen nicht zugänglich.

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Wer mit Google Street View Basel erkunden möchte, kommt nicht weit und die Bildqualität ist sehr rudimentär – zumindest verglichen mit dem, was der Basler Verwaltung bald zur Verfügung steht. Im Rahmen des Projekts Strassenfotos BS erfasst das Schweizer Startup iNovitas das gesamte Basler Strassennetz im Auftrag des Grundbuch- und Vermessungsamts.

Das spezielle Messfahrzeug schiesst dabei nicht nur gestochen scharfe Panoramabilder, sondern macht auch dreidimensionale Aufnahmen. Dank diesen können Abstände und die Grösse von Objekten nachher am Computer berechnet werden. Darüber hinaus werden die Bilder mit bestehenden Geodaten wie dem Leitungskataster gefüttert. Dagegen ist das Original von Google fast «Kindergarten» und weist Lücken auf.

Effizienter arbeiten und Kosten sparen

Für die Verwaltung ist das High-End «Street View» aber nicht bloss Spielerei. «Im Gegensatz zu Google Street View wird man mit unseren Bildern auch messen können», sagt Simon Rolli, Leiter des Grundbuch- und Vermessungsamts. Damit werden in Zukunft viele Begehungen vor Ort überflüssig, was Zeit und Geld spart. «Bei grossen Projekten gehen zig Leute auf Begehungen und schiessen die gleichen Bilder. Das ist wird bald nicht mehr nötig sein», erklärt Frank Schmidt vom Tiefbauamt.

Die Kosten für das Geodaten-Feuerwerk fallen mit 130'000 Franken relativ bescheiden aus. «Wenn wir täglich eine einzige Begehung einsparen, hat es sich in einem Jahr schon gelohnt», sagt Rolli.

Der Bürger darf nicht kucken

Der Kreis der Nutzer des Verwaltungs Street Views ist aber exklusiv. Verwenden darf es nur, wer damit einen gesetzlichen Auftrag erfüllt. So will es der kantonale Datenschutzbeauftragte. Das heisst: Der Bürger bleibt draussen. «Die Öffentlichkeit ist mit Googles Dienst abgedeckt», so Rolli. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, bis Street View auch die Basler Innenstadt flächendeckend erfasst habe.

Zugriff auf die Bilder haben aber nicht nur Planer und vom Kanton mandatierte Ingenieure, sondern auch die Polizei oder unter Umständen sogar die Steuerverwaltung. In Zürich hat das Steueramt schon Erfahrung mit den Diensten von Google und greift immer wieder darauf zurück – etwa wenn vermutet wird, dass bei Immobilienbewertungen getrickst wird. In Basel nutzt die Steuerverwaltung Google Street View auch hin und wieder, aber nicht systematisch, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten.

Andere Kantone ziehen nach

Basel-Stadt wird der erste Kanton sein, der sein Strassennetz komplett erfasst. Andere Stände wie Graubünden und Städte wie Zug oder Thun stehen aber schon in den Startlöchern. Die Auftragsbücher des Startups, das als Spin-Off des Instituts für Vermessung und Geoinformation der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz entstanden ist, füllen sich beständig. Das Astra liess bereits dreidimensionale Aufnahmen der Nationalstrassen machen, im Aargau wurden mit demselben Verfahren die Kantonsstrassen erfasst.